«Der Tag der Arbeit darf gerade in diesem Jahr nicht unsichtbar stattfinden»: Am 1. Mai gibt es im Thurgau Videobotschaften statt Reden 

Es war gross angerichtet, doch dann kam Corona. Jetzt muss auch die kantonale 1. Mai-Feier vom Freitag in Frauenfeld kleinere Brötchen backen.

Christian Kamm
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Ein Bild aus besseren Zeiten ohne Versammlungsverbot: Die Thurgauer 1.Mai-Feier im Jahr 2017.

Ein Bild aus besseren Zeiten ohne Versammlungsverbot: Die Thurgauer 1.Mai-Feier im Jahr 2017.  

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Als Redner gebucht war ursprünglich kein Geringerer als der oberste Gewerkschafter der Schweiz: SGB-Präsident Pierre-Yves Maillard. Und es hätte sogar wieder einmal eine waschechte Thurgauer Mai-Demonstration stattgefunden, ein Umzug vom Schlossberg zum Murg-Park − Festwirtschaft, Kinderbetreuung und musikalische Unterhaltung inklusive. Nun heisst es aber auch im Thurgau: Der 1. Mai goes digital.

Mit Videobotschaften präsent

Edith Graf-Litscher, SP-Nationalrätin und Präsidentin des Thurgauer Gewerkschaftsbunds.

Edith Graf-Litscher, SP-Nationalrätin und Präsidentin des Thurgauer Gewerkschaftsbunds.

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Unter dem Motto «Solidarität jetzt erst recht» versuche man digital ein Zeichen für die Rechte der Arbeitnehmenden zu setzen, sagt SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Präsidentin des Thurgauer Gewerkschaftsbundes TGGB. Und damit gemeinsam für die Wertschätzung von Arbeit einzustehen. Dabei kommen anstelle von physischer Präsenz notgedrungen virtuelle Auftritte zum Einsatz. So wenden sich die verhinderten Rednerinnen und Redner am 1. Mai per Videobotschaften an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Verfügbar sind sie auf der Website www.tggb.ch oder auf den sozialen Medien beim TGGB beziehungsweise der SP Thurgau. Mit SP-Kantonsrätin Marina Bruggmann wurde auch noch eine Vertreterin der Gesundheitsberufe ins Boot geholt.

Forderung nach einem Notfallergänzungsfonds

Symbolik ist auch bei der zweiten Aktion gefragt: «Lade dir das 1. Mai-Plakat herunter, drucke es auf A4 oder A3 in Farbe aus und hänge es an dein Fenster, den Gartenzaun oder Balkon», heisst der entsprechende Aufruf. Denn:

«Der Tag der Arbeit darf gerade in diesem Jahr nicht unsichtbar stattfinden.»

Zudem will der Gewerkschaftsbund den politischen Prozess am Laufen halten. Die Fraktionspräsidenten im Grossen Rat haben deshalb gewerkschaftliche Post erhalten. Im Zentrum: die Einrichtung eines kantonalen Notfallergänzungsfonds für Selbstständigerwerbende und Kurzarbeitende. Bei tiefen Löhnen sei eine Lohnreduktion um 20 Prozent aufgrund von Kurzarbeit zu massiv, sagt Edith Graf. Hier gelte es eine Lücke zu schliessen.