Der St.Galler Spitalverwaltungsrat spricht Klartext: «Es droht ein finanzielles Fiasko»

Der Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbunde legt erstmals die Ergebnisse der einzelnen Standorte offen. Sie sind brisant – erst recht mit Blick auf die anstehende Spitaldebatte im Kantonsparlament.

Regula Weik
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Operation im Spital Rorschach

Operation im Spital Rorschach

Urs Bucher

Politikerinnen und Politiker hatten sie immer wieder gefordert. Auch die Gemeindepräsidenten einzelner Spitalstandorte hatten darauf gedrängt. Alle wurden sie vertröstet. Am Donnerstag nun hat der Verwaltungsrat der vier Spitalverbunde im Kanton die Ergebnisse der einzelnen Standorte auf den Tisch gelegt. Und sie verheissen für einzelne Spitäler wenig Gutes. Insbesondere nicht für jene fünf Regionalspitäler, welche die Regierung schliessen will. So haben Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil in den drei Jahren durchgehend Defizite von mehreren Millionen geschrieben. Einzig Altstätten steht etwas besser da; das dortige Spital rutschte erst 2018 in die roten Zahlen.

Die vier grösseren Spitäler stehen besser da. Das Kantonsspital wie auch Grabs und Uznach schreiben schwarz. Ausreisser ist das Spital Wil, das 2018 tief ins Minus abrutschte. Auf die Frage, weshalb Aussagen zur Finanzsituation der einzelnen Spitälern nun plötzlich möglich sind, antwortet Felix Sennhauser, Präsident des Spitalverwaltungsrats:

«Die Zahlen sind Annäherungen
und keine absolut wasserdichten Unternehmensergebnisse.»
Felix Sennhauser, Präsident des St.Galler Spitalverwaltungsrats

Felix Sennhauser, Präsident des St.Galler Spitalverwaltungsrats

Hanspeter Schiess

Der Grund: Die Spitäler sind keine einzelnen Unternehmen, sondern zu zweit oder zu dritt in Verbunden zusammengefasst. Es sei deshalb schwierig, die Kosten ganz exakt aufwandgerecht zu verteilen – «etwa dann, wenn ein Patient im einen Spital eintritt und in einem anderen austritt», sagt Sennhauser. Zudem seien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter häufig an mehreren Standorten tätig. Sie hätten die Ergebnisse pro Standort «nach bestem Wissen und Gewissen» nun erstmals erarbeitet – «nicht zuletzt auf Druck der Politik», wie Sennhauser unumwunden festhält.

30 Millionen Defizit für 2020 budgetiert

Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor. Nach den ersten sechs Monaten hatten die St.Galler Spitäler ein Defizit von 4,3 Millionen Franken geschrieben. Der Verwaltungsrat ging damals von einem Minus von 15 Millionen für das ganze Jahr aus. Das konkrete Ergebnis will er erst in wenigen Wochen an der Jahresmedienkonferenz bekanntgeben. Für 2020 hat er ein Defizit von über 30 Millionen budgetiert. Sennhauser sagt:

«Es ist höchste Zeit, das Ruder herumzureissen.»

Ohne Massnahmen droht «ein Fiasko», hat der Verwaltungsrat seine Medienmitteilung überschrieben.

Wenig überraschend unterstützt der Verwaltungsrat die neue Spitalstrategie der Regierung. Er hatte im Sommer 2018 angekündigt, fünf Landspitälern im Kanton drohe die Schliessung. Damit war die aktuelle Spitaldebatte lanciert.

FDP befürchtet weitere Notkredite

FDP-Fraktionspräsident Beat Tinner

FDP-Fraktionspräsident Beat Tinner

Hanspeter Schiess

Zu den von der Regierung geplanten Gesundheits- und Notfallzentren hält der Verwaltungsrat fest: Deren Umsetzung gelinge nur, wenn die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte einbezogen würden. Sie sollten die Zentren konzipieren, nicht primär die Spitalverbunde. Die Zentren sollen denn auch regional unterschiedlich ausgestaltet werden. Und: «Sie sind nicht zwingend an den bisherigen Spitalstandorten zu etablieren», so der Verwaltungsrat.

Die FDP-Fraktion hat postwendend auf die Ergebnisse reagiert. Die Lage der Spitäler sei «prekär». Fraktionschef Beat Tinner sagt:

«Die rasante Abwärtsspirale
in der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland ist erschreckend.»

Sie deute darauf hin, dass «bald weitere Notkredite nötig sind», so Fraktionschef Beat Tinner.