Der St.Galler Aktivist Hans Fässler gründet Komitee für Reparationszahlungen an Sklaverei-Nachkommen

Der linke St.Galler Aktivist Hans Fässler hat ein Schweizer Komitee für Reparationszahlungen an Sklaverei-Nachkommen gegründet. Über 60 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben einen entsprechenden Minimalkonsens unterzeichnet – darunter auch der St.Galler Ständerat Paul Rechsteiner.

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Der linke Aktivist Hans Fässler kämpft nicht nur für Reparationszahlungen an Opfer der Sklaverei, sondern setzte sich in jüngerer Vergangenheit unter anderem für die Umbenennung des Agassiz-Horn ein. Der Berg in den Berner Alpen wurde nach einem Schweizer Rassentheoretiker benannt.

Der linke Aktivist Hans Fässler kämpft nicht nur für Reparationszahlungen an Opfer der Sklaverei, sondern setzte sich in jüngerer Vergangenheit unter anderem für die Umbenennung des Agassiz-Horn ein. Der Berg in den Berner Alpen wurde nach einem Schweizer Rassentheoretiker benannt.

(Bild: Urs Bucher)

(pd/ghi) Als Geste der Solidarität mit den Gesellschaften der schwarzen Karibik und für die Weiterarbeit am Thema Reparationen in der Schweiz hat der St.Galler Aktivist Hans Fässler einen Appell gestartet. Unter dem Titel Swiss Committee on Slavery Reparations (SCORES) haben sich in den vergangenen Wochen gemäss Mitteilung über 60 Personen des öffentlichen Lebens zu folgendem Minimalkonsens bekannt:

«Das jahrhundertlange Menschheitsverbrechen der Sklaverei im Rahmen der Ausbeutung der amerikanischen Kolonien durch Europa verlangt nach Anerkennung sowie ideeller und materieller Wiedergutmachung. Dies gilt auch für die Schweiz, welche als Gesellschafts-, Wirtschafts-, Ideologie- und Kulturraum vom 16. bis ins 19. Jahrhundert an diesem System beteiligt war und davon profitierte. Diese Wiedergutmachung muss in einem Dialogprozess zwischen den Nachkommen derjenigen, die von diesem System profitiert haben, und den Nachkommen der Opfer ausgehandelt werden.»

Rechsteiner, Lenz und Gysi gehören zu den Mitunterzeichnern

Zu den Mitunterzeichnerinnen gehören unter anderem die beiden amtierenden SP-Nationalrätinnen Barbara Gysi und Claudia Friedl sowie die Schriftsteller Lukas Hartmann und Pedro Lenz, der Regisseur Milo Rau, Ständerat Paul Rechsteiner sowie die St.Galler alt Nationalrätinnen Pia Holenstein und Hildegard Fässler. Ausschlaggebend für die Gründung des Schweizer Komitees war gemäss Mitteilung Fässlers Besuch an einem Symposium zu westlichen Banken, Kolonialismus und Reparationszahlungen, das im Oktober 2019 auf Antigua stattfand.

Forderungen haben neue Aktualität erhalten

Die Forderung nach der ideellen und auch materiellen Wiedergutmachung von Sklaverei ist nicht neu: Sie wird seit den Abschaffungen der transatlantischen Sklaverei im 19. Jahrhundert immer wieder gestellt. In den letzten Jahren und Monaten hat sie eine neue Aktualität erhalten: Zu nennen sind etwa die Thematisierung durch verschiedene Präsidentschaftskandidatinnen und -kandidaten der US-Demokraten, die Kampagne der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM) seit 2013, der Beschluss der Glasgow University zur Zahlung von 20 Millionen Pfund, die Ankündigung des Princeton Theological Seminary zur Bereitstellung von 28 Millionen Dollar oder die Gründung eines Reparationen-Fonds durch die Diözese von New York.

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