Der Stadionbauer tritt ab

An der 16. GV der Stadion St. Gallen AG wurde ein Verwaltungsrat der ersten Stunde verabschiedet: Urs-Peter Koller, ehemaliger HRS-Chef, gehörte zu den Initianten des Fussballstadions in Winkeln.

Marcel Elsener
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Vor dem Abschied: Stadion-AG-Verwaltungsräte Max Hungerbühler, Urs-Peter Koller und Heinz Stamm (von links). (Bild: Eva Fischer)

Vor dem Abschied: Stadion-AG-Verwaltungsräte Max Hungerbühler, Urs-Peter Koller und Heinz Stamm (von links). (Bild: Eva Fischer)

ST. GALLEN. Denkwürdige Verabschiedung an der 16. Generalversammlung der Stadion St. Gallen AG: Urs-Peter Koller, ehemaliger HRS-Generalunternehmer und einer der Initianten des neuen Fussballstadions, ist als Vizepräsident aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden. Dass der 72jährige Bauunternehmer aus Altersgründen die meisten seiner vielen Mandate abgibt, ist bekannt. Und ebenfalls nicht neu ist, dass Koller als medienscheu gilt und vornehmlich im Hintergrund bleibt: Das bestätigte sich am Donnerstag an der GV im Stadion – Koller nahm Applaus, Blumen und Gutschein (fürs Grand Resort Bad Ragaz) dankbar schweigend entgegen; kein Anlass für ihn, die Stadionbaugeschichte einmal aus seiner Sicht zu schildern.

Einer der Ideengeber

Vor den 199 anwesenden (von rund 4500) Aktionären blieb es Verwaltungsratspräsident Max R. Hungerbühler vorbehalten, in seiner Würdigung doch noch ein wenig aus dem Nähkästchen des Stadionbaus zu erzählen: Koller, seit 2005 im Verwaltungsrat, sei «natürlich schon viel länger an führender Stelle für das Stadion engagiert» gewesen, sagte Hungerbühler; insgesamt 18 Jahre. Schon 1998, als sich Hans Hurni, Willi Germann, Thomas Müller und Hungerbühler zum ersten Mal in Sachen Stadion in St. Gallen-Winkeln tagten, «war Urs-Peter Koller als Vertreter seiner HRS und Ideengeber mit dabei. Und getagt wurde in den Räumen seiner Firma.» Koller sei stets «ein Mann der klaren Worte und zielgerichteten Taten» gewesen, sagte Hungerbühler und belegte dies mit einer Anekdote: «Unvergesslich, wie er in den Anfängen dem damaligen FCSG-Präsidenten Thomas Müller auf eine kritische Frage in aller Klarheit bedeutete, er solle sich darum kümmern, dass der FC nicht absteige, und könne ihm das Bauliche überlassen. Und dies obwohl er damals noch nicht dem VR angehört hatte.»

Von der Arena zum Park

Kollers Nachfolger ist kein Architekt, sondern ein Anlageberater: Der HSG-Absolvent Stefan Bodmer wirkte bei Schweizer Grossbanken, präsidiert heute die ASGA Pensionskasse und berät als Verwaltungsrat den Psychiatrieverbund Kanton St. Gallen und die Schweizer Ärztekrankenkasse. Im Übrigen segelt die Stadion AG nach den Turbulenzen rund um die FCSG-Finanzkrise im Jahr 2010 seit längerem in ruhigem Fahrwasser. Und ist laut Hungerbühler mit seiner Mieterin, der FC St. Gallen Event AG, rundum zufrieden: Sie zahle die Miete, noch 850 000 Franken, stets pünktlich. Finanziell gebe es «nur Erfreuliches» zu berichten, im Gegensatz zu den sportlichen Leistungen, die «teilweise eine Zumutung» gewesen seien.

Als Inhaberin der Namensrechte ist die Stadion AG gespannt, wie die Umbenennung von der AFG Arena in den Kybun-Park vonstatten geht – und wie das Stadion in den nationalen Radio- und Fernsehsendern denn nun benannt wird. Erfreulich sei jedenfalls das langfristige, demnächst detailliert bereinigte Abkommen mit dem neuen Namensgeber. Und ebenso froh ist man über die im Herbst 2015 installierte Photovoltaikanlage auf dem Dach und die neue Beschallungsanlage im Stadion, an deren Kosten von 250 000 Franken die Eigentümer-Gesellschaft 80 000 Franken gezahlt hat. Als ungelöste Punkte bleiben weiterhin die Passerellen über die Autobahn und die Kunst am Bau.