Kolumne

Der SOB-CEO und sein Unternehmen: Ein Unruhestifter will über den Berg

Thomas Küchler ist schon das 10. Jahr bei der Südostbahn, diese Woche landete er mit der Erstfahrt des «Traverso» einen Coup: Der kupferfarbene S-Bahn-Zug aus dem Hause Stadler ist der Einstieg für das Fernverkehrsgeschäft am Gotthard, mit dem sich die Privatbahn SOB die Zukunft sichern will.

Christoph Zweili
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Thomas Küchler. (Bild: Mchel Canonica)

Thomas Küchler. (Bild: Mchel Canonica)

Jahrelang ein reiner Dienstleister im regionalen Personenverkehr, setzt die Südostbahn nun auf mehr unternehmerische Spielräume. Thomas Küchler (58) ist Vorsitzender der Geschäftsleitung. Erst Tiefbauzeichner, dann Bauingenieur, landet er in den 1990er-Jahren zufällig bei den SBB. Erst war er Projektleiter beim Bau der Neubaustrecke durch das Mittelland, später Leiter der Geschäftseinheit Unterhalt, Bau und Logistik bei SBB Infrastruktur, bevor er zur SOB kommt. Küchler, dessen Steckenpferd das Programmieren von Software ist, findet sich mit dem SOB-Verwaltungsrat im gemeinsamen Verständnis, die Zukunft des Unternehmens in der Innovation zu suchen.

Die drittgrösste Normalspurbahn der Schweiz – zu gross zum Sterben, aber zu klein, um zu leben – steht vor der Wahl: Entweder der Rückzug auf den blossen Betrieb des Streckennetzes von 120 Kilometern Länge, oder aber die Expansion. Die SOB entscheidet sich für Letzteres. Und sorgt beim Buhlen um die Gotthard-Bahnstrecke für rote Köpfe.

Treibende Kraft ist Küchler – ­einer, der auf der Suche nach Lösungen dort einhakt, wo andere entnervt aufhören. Ein Querdenker im öffentlichen Verkehr, der gerne auch die grosse SBB-Schwester provoziert. Dem einstigen Unruhestifter fliessen inzwischen immer mehr Sympathien zu – die SOB unter seiner Leitung gilt inzwischen als eine der innovativsten Eisenbahnen Europas. Der frühere Kommandant des Schwyzer Territorialregiments sagt von sich, sein Führungsstil orientiere sich an der militärischen Auftragstaktik und seine Währung sei das Vertrauen in seine Mitarbeiter. Als Mann, der strategisch stets vorausdenkt, interessiert ihn in besonderem Masse stets auch «die nächste Geländekammer».