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Kommentar

St.Galler Open Air im Sinkflug: Die treue Tobel-Generation verschwindet

Der Vorverkauf für das traditionsreichste Festival der Schweiz läuft so schlecht, dass die Organisatoren mit Abbauplänen hantieren. Das kommt alles andere als überraschend.
Andri Rostetter
Andri Rostetter (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter (Bild: Ralph Ribi)

Das Open Air St.Gallen ist ein Anachronismus. Kein anderes Schweizer Festival dieser Grössenordnung gibt es derart lange ohne Unterbruch. Während in der Musikbranche in den vergangenen 20 Jahren kein Stein auf dem anderen blieb, trotzte das 1977 gegründete St. Galler Open Air allen Widrigkeiten und blieb sich weitgehend treu – ein sympathischer Gemischtwarenladen mit Volksfest-Charakter.

Entsprechend treu war auch das Publikum. Häufig waren die Tickets weg, bevor eine einzige Band bekannt war. Das Bonmot lautete: Ins Sittertobel kommt man nicht wegen der Musik, sondern wegen der Atmosphäre. Finanzielle Probleme sind zwar im Sittertobel nicht neu. In den 1990er-Jahren liess das Festival die Zügel schleifen, vor der Jahrtausendwende drohte gar der Konkurs. Die Organisatoren stellten das Open Air danach auf ein professionelleres Fundament.

Heute ist das St. Galler Open Air Teil einer schweizweit agierenden Holding, ähnliche Abstürze blieben seither aus. Die Professionalisierung hat das Festival aber einen Teil seiner Seele gekostet. Das St. Galler Open Air ist – wie andere Festivals auch – zu einem Konsum-Halligalli geworden, mit Sponsorenzelten, die sich gegenseitig die Kunden abjagen.

Als Festivalgründer Freddy «Gagi» Geiger vergangenes Jahr das Tobel besuchte, zeigte er sich beunruhigt darüber, wie massiv die Zeltstadt geschrumpft ist und warnte vor dem Überborden des Konsumtrubels. Geigers Kassandraruf trifft das Problem im Kern. Das Open Air St.Gallen zeigt zunehmend Mühe, eine neue Publikumsgeneration an sich zu binden.

Einerseits kämpft das Festival mit dem Druck der Sponsoren, immer noch mehr Werbebanner und Partyzelte zuzulassen. Andererseits muss es auf die wachsenden Ansprüche des Publikums reagieren, das aus einem riesigen Angebot an Festivals auswählen kann. Über kurz oder lang musste sich dieser Spagat auf die Besucherzahlen auswirken. Schon in den Vorjahren blieben die Ticketverkäufe unter den Erwartungen.

Nun droht offenbar ein weiterer Einbruch. Das wird das Festival nicht ruinieren, aber empfindlich treffen. Was für das Festival wohl gravierender ist: Es markiert das endgültige Verschwinden der über Jahrzehnte treuen Sittertobel-Generationen.

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