Der Schuss von der CVP-Kanzel

Die St. Galler CVP will bei den Ständeratswahlen ihre Schmach von 2011 ausbügeln. Ausgerechnet in der heissen Phase macht nun Präsident Christophe Darbellay der Kantonalpartei mit irritierenden Aussagen zu schaffen.

Andri Rostetter
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Kantonsrats Session Juni 2014 RR Benedikt Würth Aufnahme : Regina Kühne

Kantonsrats Session Juni 2014 RR Benedikt Würth Aufnahme : Regina Kühne

Dieses Mal will die CVP nichts falsch machen. Nicht wie vor vier Jahren, als sie nach dem ersten Wahlgang plötzlich ohne Kandidat dastand. Eugen David hatte damals überraschend das Handtuch geworfen, am Ende ging der Sitz an SP-Kandidat Paul Rechsteiner.

Die St. Galler CVP hat ihre Rückkehr ins Stöckli von langer Hand geplant. Bereits im vergangenen November stand fest, wer es für die Partei richten soll: An einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung wurde der Kantonsrat und Rüthner Gemeindepräsident Thomas Ammann auf den Schild gehoben. Ammann ist alles andere als ein politischer Haudegen, entsprechend gering war sein Bekanntheitsgrad im Kanton. Mittlerweile konnte der Rheintaler ein wenig aufholen. Seit vergangenem Wochenende zieht sein Wahlkampf-Tross quer durch den Kanton und gibt an Bahnhöfen und auf Dorfplätzen das «St. Galler Lied» zum besten.

Eigene Aussagen relativiert

In einem Interview mit der Ostschweiz am Sonntag hat nun ausgerechnet CVP-Präsident Christophe Darbellay eine irritierende Kurzanalyse zu den St. Galler Ständeratswahlen geliefert. «Der Verlust des St. Galler Ständeratssitzes war ein Betriebsunfall, weil sich Eugen David plötzlich zurückzog. Wir werden diesen Sitz zurückholen. Man darf unseren Kandidaten Thomas Ammann nicht unterschätzen», prophezeit der CVP-Präsident – und relativiert schon im nächsten Satz seine eigene Aussage: «Und selbst wenn es diesmal nicht gelingt, dann gelingt es spätestens 2019.» Damit ist klar: Darbellay hält eine Niederlage von Ammann am 18. Oktober durchaus für wahrscheinlich. Für wirklich besorgniserregend scheint der CVP-Chef diese Aussichten aber nicht zu halten. Zum Schluss sagt er nämlich: «Es gibt viele sehr gute CVP-Politikerinnen und Politiker in St. Gallen. Wie Thomas Ammann ist auch Regierungsrat Beni Würth ein ausgezeichneter Politiker, der unbedingt nach Bern sollte.»

Würth und Ammann schweigen

Wer soll nun aus Sicht von Darbellay nach Bern? Thomas Ammann in diesem Jahr? Oder Beni Würth 2019? Auf Anfrage wollen sich weder Würth noch Ammann einzeln zu Darbellay äussern. Stattdessen nimmt Parteisekretär Ralph Lehner via Communiqué Stellung. «Beni Würth hat sich für die Regierungsratskandidatur 2016 entschieden. Dabei bleibt es», teilt Lehner mit. Ammann werde zudem durchaus von Darbellay unterstützt. «Unser Kandidat für die Ständeratswahlen, Thomas Ammann, hat alles, was es braucht, um Ständerat werden zu können, namentlich breite berufliche und politische Erfahrung. Das hat auch der Präsident der CVP Schweiz so geäussert.» Die Kantonalpartei und insbesondere auch Ammann spürten «eine grosse Unterstützung der CVP Schweiz sowohl in inhaltlichen als auch in organisatorischen Belangen».

Was die Erfolgsaussichten angeht, zeigt sich Lehner uneingeschränkt optimistisch: «Mit dem breit abgestützten und mehrheitsfähigen Kandidaten Thomas Ammann wird das Ziel der Rückgewinnung des Ständeratssitzes als absolut realistisch beurteilt.»

Hanselmann gegen Würth?

Darbellay tönt aber an, was unter Beobachtern der Ostschweizer Politik schon länger gemunkelt wird: Mit Würth hätte die CVP im Ständeratswahlkampf deutlich grössere Erfolgschancen – spätestens in vier Jahren. Wird Rechsteiner dieses Jahr wiedergewählt, kann er in vier Jahren auf eine 33jährige Bundeshaus-Laufbahn zurückblicken. Gut möglich, dass der Gewerkschaftspräsident dann den Weg frei machen wird für eine jüngere Kraft – zumal er dann auch schon 67 Jahre alt sein wird. Als mögliche Kandidatin wird bereits Regierungsrätin Heidi Hanselmann gehandelt. Hanselmann gegen Würth? Ein durchaus realistisches Szenario für die Ständeratswahlen 2019.

Präsidiale Kurzanalyse zum St. Galler Ständeratswahlkampf: CVP-Politiker Christophe Darbellay, Thomas Ammann, Beni Würth. (Bilder: ky, Ralph Ribi, Regina Kühne)

Präsidiale Kurzanalyse zum St. Galler Ständeratswahlkampf: CVP-Politiker Christophe Darbellay, Thomas Ammann, Beni Würth. (Bilder: ky, Ralph Ribi, Regina Kühne)

Thomas Ammann Exponiert Gemeindepräsident Rüthi SG (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Thomas Ammann Exponiert Gemeindepräsident Rüthi SG (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))