Der Schraubenkönig

Er baut in Rorschach ein Verwaltungs- und Ausbildungszentrum und schafft 250 neue Arbeitsplätze. Für sein «Bekenntnis zum Standort Rorschach und die Visualisierung einer attraktiven Seeufergestaltung» erhält Reinhold Würth heute den Carl-Stürm-Preis 2011.

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Er baut in Rorschach ein Verwaltungs- und Ausbildungszentrum und schafft 250 neue Arbeitsplätze. Für sein «Bekenntnis zum Standort Rorschach und die Visualisierung einer attraktiven Seeufergestaltung» erhält Reinhold Würth heute den Carl-Stürm-Preis 2011. «Schraubenkönig» Reinhold Würth gilt als Musterbeispiel erfolgreichen deutschen Unternehmertums der Nachkriegszeit.

Unternehmer und Kunstsammler

Reinhold Würth war gerade mal 19 Jahre jung, als er vom Vater die Leitung einer 1945 im württembergischen Künzelsau gegründeten Schraubengrosshandlung übernahm. Aus dem Zweimannbetrieb entwickelte der umtriebige Organisator einen weltweit tätigen Handelskonzern für Schrauben, Dübel und Beschläge mit heute über 400 Gesellschaften in über 80 Ländern. Das Erfolgskonzept, nah am Kunden zu bleiben, wird immer noch verfochten. Von den 64 000 Mitarbeitenden sind mehr als 30 000 im Aussendienst tätig. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr um rund 15 Prozent auf 10,9 Milliarden Franken gestiegen.

Den heute 76-Jährigen auf seine unternehmerischen Fähigkeiten zu reduzieren, wäre allerdings zu kurz gegriffen. Der passionierte Sammler moderner und zeitgenössischer Kunst fördert seit langem Projekte im Bereich Kultur, Forschung, Wissenschaft, Bildung und Erziehung. Um dieses Engagement zu bündeln, gründete er 1987 gemeinsam mit seiner Frau Carmen die Gemeinnützige Stiftung Würth. Der Vorzeigeunternehmer leitete zudem von 1999 bis 2003 das Interfakultative Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe (TH). Die von Reinhold Würth aufgebaute Sammlung Würth umfasst über 14 000 Kunstwerke – unter anderen von Künstlern mit so klangvollen Namen wie Picasso, Munch, Monet, Nolde, Magritte, Baselitz und Immendorff. 1985 gründete er in Künzelsau in der süddeutschen Region Hohenlohe die weltweit erste Kombination eines Verwaltungsgebäudes mit einer Kunstgalerie. Werke aus der Würth-Sammlung sind in Museen im Forum Würth Arlesheim (BL) und fast in ganz Europa zu sehen.

Vorsitzender der Stiftungen

Reinhold Würths Vermögen wird auf knapp neun Milliarden Franken geschätzt. 1994 hatte er sich aus der operativen Führung der Würth- Gruppe zurückgezogen. Vor fünf Jahren übergab er auch den Vorsitz im Unternehmensbeirat an seine Tochter Bettina (49). Der Patriarch ist aber noch Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates der Familienstiftungen.

Im Mai 2008 akzeptierte Reinhold Würth eine Geldstrafe in einem Verfahren wegen Steuerhinterziehung in seinem Firmenkonglomerat. Es ging dabei um die strittige Verrechnung von Lieferungen in- und ausländischer Unternehmensteile untereinander. Niemand habe sich einen persönlichen Vorteil verschafft, bestätigte die Staatsanwaltschaft. Der Unternehmer-Doyen machte danach kein Hehl daraus, wie sehr ihn die Affäre verärgerte.

Bei der im Oktober vergangenen Jahres bekanntgewordenen Entscheidung, in Rorschach ein zweites Verwaltungs- und Ausbildungszentrum für die Würth-Gruppe zu bauen, mag das eine Rolle gespielt haben. In der Schweiz ist Würth schon seit langem vertreten. In Basel wurde 1962 eine der ersten Auslandsniederlassungen gegründet; sie beschäftigt inzwischen 1500 Mitarbeiter (U.G.)

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