Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Rheintaler mit den zwei Leben

Nachruf
Marcel Elsener

Zu Weihnachten 2016 war er in unserer Zeitung noch auf der Seite mit Wünschen prominenter Ostschweizer vertreten: Aldo Zäch, unermüdlicher Rheintaler Kinobetreiber, machte sich gut zwischen Bischof, Kantonsgerichtspräsident, Regierungschef oder Spitzenköchin. Von seinem zermürbenden Kampf gegen den Krebs, den der 66-Jährige vor einer Woche verloren hat, wussten wir nichts. Zäch wünschte sich eine selbstbewusstere Ostschweiz, mehr Support fürs regionale Gewerbe, verbindende Kulturbegegnungen und, vor allem: «Dass wir den Mut haben, auch Unbekanntes zu entdecken.»

Diese Entdeckungslust hat Aldo Zäch selber vorgelebt, besonders in seinem «zweiten Leben», das er sich in seinen späten Vierzigern schenkte: Die Kehrtwende vom ungeliebten Schweinemäster zum populären Kulturveranstalter inspirierte den Rheintaler Journalisten Gert Bruderer in einem fabelhaften Porträt Zächs zum Vergleich mit dem James-Bond-Filmtitel «Man lebt nur zweimal». In der Tat vollzog Zäch um die Jahrtausendwende einen radikalen Lebenswandel, der mit dem Kauf des vom Abriss bedrohten Heerbrugger Kinos «Madlen» eine ideale Plattform zur Entfaltung fand.

Das erste Leben spielt in St. Margrethen, wo der Vater Schweine mästet und seine drei Kinder streng erzieht; die Mutter stirbt, als Aldo, der Jüngste, eineinhalb ist. Die Schuljahre im ­Internat in Feldkirch wirken ­befreiend, wie später ein USA-Reisejahr im Wohnwagen, verlängert um drei Monate Camp-Aufenthalt als Judolehrer. Doch der gelernte Kaufmann und Oberleutnant ist im väterlichen Betrieb gefragt: Widerwillig fügt er sich und läuft nicht davon, als er als Schweinemäster und Wiederverwerter organischer Nebenprodukte schweizweit in die Kritik kommt und der Streit mit den Tierschützern um Erwin Kessler ab 1993 eskaliert. An seine Schweinestallungen sprayen Aktivisten «Tier-KZ», Zäch wehrt sich, will «sich nicht von Fanatikern in den Dreck ziehen lassen»; er stellt sich den Vorwürfen sogar in SRF-Diskussionsrunden wie dem «Zischtigs-Club». Doch die jahrelange Auseinandersetzung hinterlässt Spuren: 1997 gibt er auf und verkauft den Betrieb.

Das zweite Leben beginnt mit einer Sinnsuche: Zäch reist nach Indien, lebt in Klöstern, öffnet sich neuen Denkweisen, macht eine Ausbildung in körperzen­trierter Psychotherapie. Und dann das «Madlen», einziges Lichtspielhaus im unteren Rheintal: Zäch rettet es als Filmsaal und baut es zum Kulturzentrum mit Bühne für Konzerte, Theater, Comedy und Vorträge aus, dazu erweitert er die Gastronomie, bis hin zu einer «Integrationsküche» mit multikulturellem Essen. Kinowelt und Weltkino, aber auch Dorffest und Lokaltheater: Zäch fördert einen Kulturbegriff ohne Scheuklappen und Dünkel. «Die Tierschützer erweiterten mein Bewusstsein», zollte Zäch seinen Gegnern Jahre später Respekt.

Im gleichen Sinn versuchte er als Kulturvermittler das Bewusstsein anderer zu erweitern. Fanatismus lag ihm ebenso fern wie Schwarzweissdenken: Sein Kino betrieb er – als erstes in der Schweiz – mit Solarenergie, was ihn als Porschefahrer nicht daran hinderte, 2013 den alten Bentley des verstorbenen Schauspielers Walter Roderer zu kaufen – zwecks Sonderfahrten rund ums Kinotheater. Ein Kämpfer mit Herzblut darf im Leben auch Spass haben. Dass zum Trauergottesdienst heute in St. Margrethen Trauerkleidung und Kondolenzbekundungen unerwünscht sind, entspricht seinem Wunsch.

Marcel Elsener

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.