Der Regen ist an allem schuld

Schlammschlacht und chaotische Zustände auf dem Gelände: Die Veranstalter des Jonschwiler Sonisphere-Festivals haben sich gestern der Kritik gestellt – und dabei kaum Fehler eingestanden.

Urs-Peter Zwingli
Drucken
Teilen
Das war mal eine Wiese: Auf dem Festivalgelände in Jonschwil sind die Aufräumarbeiten noch immer im Gang. (Bild: Coralie Wenger)

Das war mal eine Wiese: Auf dem Festivalgelände in Jonschwil sind die Aufräumarbeiten noch immer im Gang. (Bild: Coralie Wenger)

jonschwil. Der 18stündige Regen, der dem Sonisphere-Festival am vergangenen Wochenende zugesetzt hat, war an der gestrigen Medienkonferenz Thema Nummer eins – zumindest für die Veranstalter, die den Dauerregen als Hauptargument für die prekären Zustände vorbrachten. Es soll sich dabei um ein «Wetterereignis, das alle zehn Jahre vorkommt», gehandelt haben. Diese Einschätzung machte Stefan Matthey, Chef der Zürcher Konzertagentur Free&Virgin, die das Metal-Festival organisiert hatte.

Katastrophale Verhältnisse

Die rund 47 000 Besucher verwandelten das Festival-Gelände innert weniger Stunden in eine Schlammlandschaft. Nach dem Mega-Anlass hagelte es dann Kritik in Online-Foren und in den Leserbriefspalten: katastrophale Bodenverhältnisse, versumpfte Parkplätze, fehlende Sicherheitsvorkehrungen, weder Sitzplätze noch Trinkwasser auf dem Konzertareal – die Liste der angeblichen Versäumnisse ist lang.

Eine Krise ausgelöst

«Es gab weder Schwerverletzte noch Tote. Die Sicherheit war gewährleistet», sagte dazu Stefan Frei, Gemeindepräsident von Jonschwil-Schwarzenbach und Mitglied im Festival-OK. Dazu musste aber zu Notmassnahmen gegriffen werden: So hat die Gemeinde am Freitagmorgen fünf Lastwagenladungen Schlamm und Wasser vom Gelände abgesaugt. «Der Regen hat eine Krise ausgelöst, die wir, so gut es eben ging, bewältigt haben».

Eine private Krise hatte wohl auch jeder zu bewältigen, der mit dem Auto nach Jonschwil gereist war. Rund 8000 Fahrzeuge, davon etwa 2500 schwere Wohnmobile, waren auf den Wiesen rund ums Gelände parkiert. Viele Fahrzeuge blieben im Schlamm stecken – die Bauern der Umgebung zogen sie mit Traktoren aus dem Matsch, meistens gegen Bezahlung. «Wir distanzieren uns davon, aber: Das konnten wir nicht mehr kontrollieren», sagt Veranstalter Matthey.

Man habe zwar zwölf eigene Traktoren im Einsatz gehabt, parallel dazu habe sich aber «ein richtiger Markt» entwickelt. Laut Berichten von Besuchern verlangten einige Bauern bis zu 100 Franken in bar für den Abschleppservice.

Festival-Abbruch diskutiert

In der Nacht auf den vergangenen Freitag wurde laut Frei auch über den Abbruch der Veranstaltung diskutiert. «Doch das wäre zu riskant gewesen. Ein Abbruch hätte unter den Besuchern zu einer hochexplosiven Stimmung geführt.

» Bleibt die Frage, welche Mehrkosten die Schlammschlacht verursacht hat. Er könne noch keine Zahl nennen, so Matthey. Sicher ist: Free&Virgin wird alle Rechnungen zahlen müssen.

Nie wieder Sonisphere?

Ob das Festival in Jonschwil nach den jüngsten Ereignissen überhaupt noch eine Zukunft hat, blieb gestern unklar.

Man müsse «zuerst die Situation analysieren und Lehren ziehen» und dann entscheiden, wichen sowohl Free&Virgin als auch der Gemeindepräsident der Frage aus.

Weiterhin nicht getilgt sind die Spuren des Festivals: Auf der 18 Hektaren grossen Wiese Degenau sind noch immer Aufräumequipen am Werk.

Aktuelle Nachrichten