Der Platz nimmt ab im Brückenjahr

Der Thurgau kürzt die Kapazitäten beim Brückenangebot. Weil der Platz im Brückenangebot damit künftig beschränkt ist, sollen Schüler das neunte Schuljahr wiederholen. Die Schulgemeinden wehren sich.

Michèle Vaterlaus
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FRAUENFELD. Die Schule ist vorbei. Doch nicht jeder Schulabgänger hat eine Lehrstelle. Für sie gibt es die Chance, sich ein Jahr lang im Brückenangebot intensiv um eine Lehrstelle zu bemühen. Derzeit gibt es das Brückenangebot an vier Standorten, nämlich in Frauenfeld, Romanshorn, Weinfelden und Kreuzlingen. Kreuzlingen wird jedoch ab dem kommenden Schuljahr geschlossen, so sieht es eine Massnahmen der Leistungsüberprüfung (LÜP) vor. Mit der Schliessung des Standortes können jährlich Betriebskosten von 1,3 Millionen Franken gespart werden. Folglich können aber auch nicht mehr gleich viele Schüler das Brückenangebot nutzen.

Weniger Platz

Nur noch 10 Prozent statt wie bisher 12 bis 14 Prozent der Schulabgänger können am Brückenangebot teilnehmen. Das kantonale Amt für Berufsbildung und Berufsberatung (ABB) hat diese Veränderung genutzt und auch gleich die Richtlinien betreffend des Brückenangebots und darin die Zulassungsbestimmungen angepasst. Unter anderem hält das Amt fest, dass für Schüler der dritten Oberstufe, die keine Anschlusslösung haben, eine Repetition des neunten Schuljahres in Betracht gezogen werden muss. Das sieht auch die Verordnung des Regierungsrates über die Volksschule vor. Die Lehrperson muss bei einer Anmeldung ins Brückenangebot erklären, warum eine Wiederholung nicht sinnvoll ist.

Die Schulgemeinden stehen einer Wiederholung des neunten Schuljahres skeptisch gegenüber. Nachdem das ABB die Richtlinien angepasst hat, empörte sich der Vorstand des Verbandes der Thurgauer Schulgemeinden (VTGS), dass er weder das Vorgehen noch die Änderungen der Zulassungsbedingungen akzeptiere. So steht es in der Verbandszeitschrift «Zytpunkt». Doch mittlerweile haben sich die Wogen geglättet. «Wir konnten rechtzeitig intervenieren», sagt Verbandspräsident Felix Züst. Der Verbandsvorstand habe sich geärgert, dass einfach an einer Konferenz über die Änderungen informiert worden sei. «Ohne Vorwarnung.» Die damalige Formulierung der Richtlinien habe zudem so geklungen, als ob die Schuljahrrepetition Pflicht sei. «Das wäre nicht für alle Schüler gut.» Es bestehe bei einigen nämlich die Gefahr, dass sie sich zurücklehnen, sich nicht aktiv um eine Lehrstelle kümmern. «Doch nun ist die Repetition in den Richtlinien als Option formuliert. Damit sind wir einverstanden.» Je nach dem ergebe eine Wiederholung durchaus Sinn, beispielsweise, wenn ein Schüler eine Zeitlang ausgefallen ist.

Ausgangslage ist besser

Eine Pflicht, dass Schüler das neunte Schuljahr wiederholen müssen, hätte der Kanton jedoch gar nicht auferlegen können. «Die Schulgemeinde legt fest, ob eine Wiederholung möglich ist oder nicht», sagt Marcel Volkart, Leiter des ABB. Doch da der Kanton weniger Brückenplätze im Angebot hat, müssen vermehrt alternative Lösungen gesucht werden. «Neben der Wiederholung eines Schuljahres und der Nutzung des Brückenangebots können Schüler ohne Anschlusslösung auch ein Aufenthaltsjahr im Welschland oder ein Praktikum absolvieren.» Dass es weniger Platz hat im Brückenangebot erachtet Volkart aber nicht als einschneidend. «In den letzten Jahren hat es mehr Lehrstellen gegeben, einige konnten nicht einmal besetzt werden.»

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