Jahresrückblick: Der Pizolgletscher ist beerdigt

Bei einer Gedenkfeier im September ist der Pizolgletscher verabschiedet worden. Wegen des Klimawandels ist kaum mehr etwas übrig von ihm. Der Bund wird den Gletscher deshalb in Zukunft nicht mehr vermessen.

Katharina Brenner
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Ein Gletscher verschwindet: Gedenkfeier auf dem Pizol am 22. September 2019.

Ein Gletscher verschwindet: Gedenkfeier auf dem Pizol am 22. September 2019.

Gian Ehrenzeller, KEYSTONE

Rund 100 Personen haben Ende September bei einer Gedenkfeier Abschied genommen vom Pizolgletscher, viele in Schwarz gekleidet. «Wir möchten die lokalen Auswirkungen des globalen Phänomens Klimawandel zeigen», sagte Stefan Salzmann, Co-Präsident der Klima-Allianz. Organisiert hatten den Anlass verschiedene Umwelt- und Hilfsorganisationen. Im August war bereits der Okjökull-Gletscher auf Island mit einer ähnlichen Trauerfeier «beigesetzt» worden.

Der Glaziologe Matthias Huss von der ETH, der auf dem Pizol eine Ansprache hielt, hatte bereits vor einem Jahr das Ende des Gletschers vorausgesagt und dessen Fläche auf 0,05 Quadratkilometer geschätzt. Damit gehört der Pizolgletscher zu den kleinsten im Land und ist in guter Gesellschaft: Nicht nur die vier anderen Ostschweizer Gletscher, sondern 1000 der insgesamt 1400 Gletscher in der Schweiz haben weniger als einen halben Quadratkilometer Fläche.

Zu klein für Messungen

Der Pizolgletscher ist repräsentativ für diese Zwerge aus Eis. «Solche Gletscher sind viel zu klein, um sie noch mit Klimaschutzmassnahmen zu retten», so Huss. Gemeinsam mit seinem Team vermisst der Glaziologe Schweizer Gletscher, um deren Entwicklung festzuhalten. Den 2844 Meter hohen Pizol werden die Forscher so bald nicht mehr erklimmen – zumindest nicht aus beruflichen Gründen. Der Gletscher ist in den vergangenen Jahren so stark geschmolzen, dass er künftig nicht mehr vermessen wird.

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