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Der Pflanzen-Zögling

Für Jugendliche mit Behinderung ist es schwierig, eine Ausbildungsstelle im regulären Arbeitsmarkt zu erhalten. Lucian Toszeghi hat bei Blumen Gschwend einen Platz und in Viktor Gschwend einen geduldigen Lehrmeister gefunden.
Noemi Heule
Lehrling Lucian Toszeghi bei seiner liebsten Beschäftigung, dem Pflanzengiessen. (Bilder: Nana do Carmo)

Lehrling Lucian Toszeghi bei seiner liebsten Beschäftigung, dem Pflanzengiessen. (Bilder: Nana do Carmo)

NEUKIRCH-EGNACH. Lucian Toszeghi muss sich konzentrieren. Behutsam – ja fast schon andächtig setzt er den Wasserschlauch an und begiesst Pflänzchen für Pflänzchen. Einen Fuss vor den anderen setzend, tastet er sich durch Reihen von Topfpflanzen. Immer darauf bedacht, keine der Pflanzen umzuwerfen. Gelingt ihm dies nicht, setzt er sie liebevoll wieder an ihren Platz.

Pflanzen giessen – was andere mühelos meistern, ist für den 19-Jährigen eine Herausforderung. Denn Lucian ist körperlich und geistig behindert. Dass er trotzdem eine Lehrstelle gefunden hat, verdankt er seinem Chef Viktor Gschwend.

«Ein lässiger Typ»

Der Gärtnermeister aus Neukirch-Egnach bietet eine von wenigen Ausbildungsstellen für Jugendliche mit Beeinträchtigung an. Motiviert dazu wurde er von Lucians Eltern.

Als sie ihn wegen einer Lehrstelle anfragten, war er zuerst skeptisch und hatte «riesigen Respekt». Noch nie hatte er mit einer behinderten Person zusammengearbeitet. Nach einem Schnupperkurs sagte er dennoch zu, «weil Lucian einfach ein lässiger Typ ist».

Dass es auf der menschlichen Ebene stimmt, ist für Viktor Gschwend ausschlaggebend für das Gelingen dieses Projekts. Deshalb musste auch das ganze Team hinter der Entscheidung stehen und sagen: «Moll, das machen wir!» Für Kollegin Flavia Kern ist das eine Selbstverständlichkeit: «Lucian ist eine Bereicherung.» Gerade in stressigen Zeiten tue es gut, seinetwegen auch einmal auf die Bremse zu treten.

Mit Liebe am Werk

Bei Lucian dauert eben alles ein bisschen länger. «Er hat sein eigenes Tempo», lacht Lehrmeister Gschwend. Während seine Mitarbeiter emsig am Werk seien, gehe es bei ihm oft gemächlich voran. «Aber er ist immer mit sehr viel Liebe dabei», lobt der Gärtnermeister. Sein Zögling antwortet auf die Frage, was denn sein Traumberuf sei, denn auch kurz und knapp: «Gärtner!»

Am liebsten ist der Neukirch-Egnacher in der Natur und bei den Pflanzen. Neben der praktischen Tätigkeit in der Gärtnerei besucht Lucian einmal die Woche die Schule Auboden. Diese Institution für berufliches und soziales Lernen in Brunnadern bietet insgesamt vier Ausbildungsplätze ausserhalb der geschützten Lernumgebung an. Ziel der zweijährigen Lehrzeit ist der Übertritt in den regulären Arbeitsmarkt. Die Erfahrungen der Invalidenversicherung (IV) zeigen, dass die Berufschancen steigen, wenn bereits die Ausbildung ausserhalb des geschützten Rahmens erfolgte.

Zustupf von der IV

Lucians Lehrlingslohn wird von der IV übernommen. Viktor Gschwend schätzt diesen Zustupf: «Anders ginge es nicht», meint er, «denn mit der Ausbildungsstelle ist doch ein Mehraufwand verbunden.»

Diesen Einsatz will Pro Infirmis belohnen (siehe Kasten). Viktor Gschwend freut sich über diese Wertschätzung. Denn trotz der positiven Erfahrungen mit Lucian sei es auch immer eine Herausforderung, ihm gerecht zu werden. Dennoch kann er sich vorstellen, wieder eine solche Stelle anzubieten, «nach einem Jahr Verschnaufpause».

Viktor Gschwend ist Gärtnermeister und Inhaber von Blumen Gschwend. (Bild: Nana do Carmo)

Viktor Gschwend ist Gärtnermeister und Inhaber von Blumen Gschwend. (Bild: Nana do Carmo)

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