Der neue Chef ist kein Polizist

Die St. Galler Regierung hat den Leiter des kantonalen Migrationsamtes zum Kommandanten der Kantonspolizei gewählt. Der Kommandowechsel erfolgt am 1. November. Bruno Zanga will sich für mehr Sicherheit einsetzen.

Inge Staub
Merken
Drucken
Teilen
Bruno Zanga freut sich auf die Führungsposition bei der Polizei. (Bild: Coralie Wenger)

Bruno Zanga freut sich auf die Führungsposition bei der Polizei. (Bild: Coralie Wenger)

st. gallen. Zum 1. Oktober wird Bruno Zanga seinen Schreibtisch an der St. Leonhard-Strasse räumen und an die Klosterstrasse umziehen. Seine Chefin wird mit Regierungsrätin Karin Keller-Sutter dieselbe sein. Denn mit Bruno Zanga ernannte die Regierung des Kantons St. Gallen einen Mann zum neuen Polizeikommandanten, der das Justiz- und Polizeidepartement bereits kennt. Als Leiter des Migrationsamtes gehört er bereits heute dem Kader des Departementes an. Zanga, der verheiratet ist und in Tübach wohnt, löst Alfred Schelling ab, der in den Ruhestand tritt. Die formelle Kommandoübernahme erfolgt am 1. November 2011.

Mit Polizeiarbeit vertraut

Mit der Arbeit der Polizei ist er ein Stück weit vertraut. «Die Polizeiarbeit ist mir nicht fremd. Zwischen dem Migrationsamt und der Kantonspolizei gibt es viele Berührungspunkte», sagt Bruno Zanga. Der Aspekt der Sicherheit sei ihm ein Anliegen, für das er sich engagieren wolle. Auch bringt der 49-Jährige als Grundlage ein Jurastudium mit.

Eine neue Herausforderung

Bruno Zanga hat sich um das Kommando beworben, weil er damit zum einen erneut eine Führungsposition innehat und zum anderen einer grösseren Organisation vorsteht. Als Kommandant ist er für 671 Polizisten und Polizistinnen verantwortlich. Heute führt er 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er betont: «Die neue Aufgabe ist für mich eine Herausforderung, die mir die Möglichkeit gibt, meine bisher erworbenen Fähigkeiten einzubringen.»

Probleme sind bekannt

Bruno Zanga findet das Thema Polizei grundsätzlich interessant. Die Probleme der Kantonspolizei, bei der sich 22 000 Überstunden angehäuft haben, sind ihm bekannt. «Ich bin mir der Problematik bewusst», sagt Zanga, der kurz nach seiner Wahl noch keine Lösungen parat hat. Er kenne den Sicherheitsbericht der Justizdirektorin, der darstellt, dass die Kantonspolizei wegen der steigenden Gewaltbereitschaft ihre Aufgaben «kaum mehr bewältigen» könne. Das Polizeikorps werde ja aufgestockt. Die Zukunft werde zeigen, ob dies reiche. Sollte dies nicht der Fall sein, werde er sich um Lösungen bemühen. Das Sparpaket des Kantons erschreckt ihn nicht. Als Amtsleiter sei er es gewohnt, Sparvorgaben zu erfüllen und mit den vorhandenen Mitteln das Beste herauszuholen.

Seit 1. November 1997 ist Bruno Zanga Leiter des Migrationsamtes. Unter anderem war er verantwortlich für die Einführung der biometrischen Erfassung für Pässe und Ausländerausweise sowie die Integration der Asylbetreuung nach dem Wechsel der Zuständigkeit vom Departement des Innern zum Sicherheits- und Justizdepartement.

Ausgewiesene Führungskraft

Die Regierung ist überzeugt, dass sie mit Bruno Zanga «eine ausgewiesene Führungskraft für die anspruchsvolle Kaderposition des Polizeikommandanten gewinnen konnte». Wie viele Personen sich für diese Position beworben haben, gibt die Regierung nicht bekannt. «Das Bewerbungsverfahren ist vertraulich», führt Hans-Rudolf Arta, Generalsekretär im Justiz- und Polizeidepartement, als Begründung an. Dass sich das Departement für einen internen Bewerber entschieden habe, sei Zufall. «Wir haben den besten gewählt.» Bruno Zanga verfüge über zwei wesentliche Voraussetzungen: Führungserfahrung und ein Jurastudium.