Nachruf

Der Murger Nationalrat, der mit Herzblut für die direkte Bahnverbindung von der Ostschweiz in die Lombardei kämpfte

Sarganserländer Bauunternehmer und FDP-Politiker in Gemeinde-, Kantons- und Nationalrat: Titus Giger ist Anfang Januar kurz vor seinem 89. Geburtstag verstorben. Er baute unter anderem den Autobahnanschluss in seiner Region, war aber zeitlebens auch ein leidenschaftlicher «Eisenbähnler».

Ernst Gloor
Drucken
Teilen
FDP-Kantons- und Nationalrat Titus Giger (1932-2020)

FDP-Kantons- und Nationalrat Titus Giger (1932-2020)

Bild: PD

Der St.Galler Freisinn verliert einen echten Liberalen aus dem Sarganserland, der sich zeitlebens für freiheitliche Werte, Unternehmungen, Arbeitsplätze und nachhaltige Infrastrukturen einsetzte: Am 5. Januar ist der Bauunternehmer und alt Nationalrat Titus Giger, wohnhaft in Murg, einen Monat vor seinem 89. Geburtstag verstorben.

Titus Giger bildete sich nach einer Lehre als Maurer an der Bauschule in Unterentfelden zum Techniker TS aus. Nach dem Tod seines Vaters 1966 übernahm er zusammen mit seinem Bruder Beat die väterliche Baufirma Giger in Murg. Mit der Giger AG realisierte er in der Folge namhafte Bauprojekte wie die Kantonsschule Sargans, die Autobahn im Sarganserland und die Staumauern in Mapragg und Gigerwald.

Die ersten politischen Engagements von Titus Giger galten der Heimatregion am Walensee: 1965 wurde er für die FDP als Gewerbevertreter in den Gemeinderat von Quarten gewählt. Im gleichen Jahr übernahm er das Präsidium der Ortsbürgergemeinde Murg, das er mit fortschrittlichem Stempel bis 1997 behalten sollte. 1968 schaffte Titus Giger auf Anhieb den Sprung in den St.Galler Kantonsrat (ehemals Grosser Rat), dem er während 16 Jahren angehörte. Als Kommissionsmitglied trat er für Staatsbeiträge an die Klinik Valens, die Augenklinik am Kantonsspital St.Gallen und für die technische Erneuerung der Bodensee-Toggenburgbahn ein. Im Amtsjahr 1982/83 präsidierte er in den Kantonsrat.

Zwölf Jahre lang, von 1983 bis 1995, wirkte Titus Giger sodann im Nationalrat. Dort war er Mitglied und teilweise Präsident der Kommissionen für Energie, Wirtschaft, öffentliche Bauten sowie Verkehr und Fernmeldewesen. Am 3. Dezember 1995 legte er das Nationalratsmandat nieder. Aber auch nach seiner politischen «Pensionierung» waren Titus Giger und seine Frau Anita regelmässig an politischen Veranstaltungen anzutreffen. Speziell freute ihn 2017 anlässlich der 1. Augustfeier der FDP Sarganserland in der Furt (Pizol) der Austausch mit seinem früheren Nationalratskollegen Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

In der Blütezeit der Sarganserländer Bank war Titus Giger jahrelang deren Präsident, dazu kamen Verwaltungsratsmandate bei Verkehrs- und Kraftwerkunternehmen. Dampfmaschinen, Turbinen und Elektrolokomotiven hatten ihn seit jeher fasziniert. Bereits als Schüler kannte er die Probleme der SBB beim Stellenblock Mühlehorn-Weesen, und schon damals konnte er die Streckensignale am Bahnhof Murg bedienen. Kein Wunder, engagierte sich der Bahnfan später mit Herzblut für eine Splügenbahn. Zur Fertigstellung der Lötschberg-Simplon-Linie 1913 war auf Bundesebene versprochen worden, nach Gotthard und Lötschberg/Simplon bald noch eine direkte Verbindung von der Ostschweiz in die Lombardei zu realisieren. Mit dem Versprechen der Ostalpenbahn (wie sie hiess) machte Giger als Präsident des Splügenkomitees Bahnpolitik. 1986 fragte er mit einer Interpellation den Bundesrat an, ob er in dieser Frage nicht «raschmöglichst eine Entscheidung» treffen müsste. Leider blieb sein Engagement für die Anbindung der Ostschweiz an die Lombardei erfolglos.

Seine spärliche Freizeit nutzte Giger mit seiner Frau und den vier Kindern, und oft auch mit seinen Jagdkollegen in den Jagdrevieren Ladils oberhalb Vättis und Sardona im Calfeisental. Dort erholte er sich von den anstrengenden politischen und beruflichen Tätigkeiten.