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«Der Mist ist geführt»: Ostschweizer Parlamentarier zur Nacht der langen Messer

Am Abend vor der Bundesratswahl ist das Berner Hotel Bellevue Palace der Dreh- und Angelpunkt der Schweizer Politik. Auch einige Ostschweizer Parlamentarier waren an der Bar anzutreffen. Andere verzichteten dankend: Die «Nacht der langen Messer» werde überschätzt.
Adrian Vögele, Bern
Die Lobby des Hotels Bellevue Palace in der «Nacht der langen Messer».(KEYSTONE/Anthony Anex)

Die Lobby des Hotels Bellevue Palace in der «Nacht der langen Messer».(KEYSTONE/Anthony Anex)

Bundesplatz, 22 Uhr – in zehn Stunden beginnt die Bundesratswahl. Auf dem Trottoir sind zwei heitere Gestalten in Richtung Bellevue Palace unterwegs. «Komm, jetzt machen wir eine Sprengkandidatur!» ruft der eine. Grosses Gelächter.

Angespannt scheint kaum jemand in dieser «Nacht der langen Messer», der berühmt-berüchtigten Phase des Taktierens und Ränkeschmiedens. Zu deutlich scheinen sich die Resultate der Wahl schon abzuzeichnen. Die Bellevue-Bar, der traditionelle Ort für konspirative Treffen, ist gleichwohl schon gut besetzt mit Parlamentariern, draussen in der Lobby des Fünf-Sterne-Hotels hingegen sind die Journalisten in der Überzahl. Die Menge tummelt sich um den grossen Christbaum, der bizarr erleuchtet ist von Fernsehscheinwerfern.

«Etwas zwischen Weihnachten und Bundesratswahl»

Die Atmosphäre an diesem Abend im Bellevue sei jeweils «magisch», hatte Ständerat Andrea Caroni (FDP/AR) am Vormittag gesagt. «Eine Mischung aus Weihnachten und Bundesratswahl». Wie stark der Anlass politisch und wahltaktisch ins Gewicht falle, sei von Mal zu Mal verschieden. «Diesmal ist es für die FDP ein eher gesellschaftlicher und für die CVP ein eher politischer Termin.»

Doch auch die CVP nimmt es locker. Nationalrat Daniel Fässler (CVP/AI) genehmigt sich einen Gin Tonic. Heute Abend sei «die Zeit der faulen Sprüche», meint er - und wird prompt von einem Fernsehteam um ein Statement gebeten. Fraktionskollege Markus Ritter (CVP/SG) ist hingegen nach einem Feierabendbier schon wieder auf dem Weg zum Ausgang. Hat er noch etwas Entscheidendes zur Bundesratswahl erfahren? Der Bauernpräsident schüttelt den Kopf. «Es ist alles entschieden. Der Mist ist geführt.» Der nächste richtig spannende Termin sei erst am Freitag, wenn es um die Departementsverteilung gehe.

Früh hat sich auch Edith Graf-Litscher (SP/TG) verabschiedet. Als Stimmenzählerin müsse sie schauen, dass sie vor der Wahl genug Schlaf bekomme, hatte sie gesagt. Die Atmosphäre in der «Nacht der langen Messer» sei spannend: «Man versucht, herauszuspüren: Kommt es morgen so, wie ich gedacht habe?» Ansonsten sei der Anlass aber auch eine gute Gelegenheit, mit anderen Parlamentariern über diverse Themen zu diskutieren.

«...vorausgesetzt, es gibt keine Überraschungen»

In der Nähe der Reception ist Walter Müller (FDP/SG) auf der Suche nach dem Walliser Regierungsrat Frédéric Favre. «Haben Sie ihn gesehen? Ich wollte noch etwas mit ihm besprechen, deshalb bin ich hier.» Auch Müller rechnet damit, dass am nächsten Morgen im Parlament alles «geordnet» ablaufen werde – vorausgesetzt es gebe bei der CVP-Wahl keine Überraschungen, Sprengkandidaturen oder ähnliches. «Der Parlamentarier ist ja bekanntlich eine schwierige Spezies», sagt Müller mit einem Schmunzeln.

Claudia Friedl (SP/SG) hatte sich am Vormittag noch nicht entschieden, ob sie abends am Reigen im Bellevue teilnehmen würde. «Ich war bislang etwas enttäuscht von dem Anlass. Eigentlich geht es nur darum: Wer kommt im Fernsehen? Wer darf etwas sagen?» Und falls jemand versuchen würde, kurzfristig noch andere Kandidaten für den Bundesrat zu suchen – «dann sicher nicht dort».

Auch Lukas Reimann (SVP/SG) kann dem Treffen wenig abgewinnen. Er werde ganz sicher nicht auftauchen, hatte er im Vorfeld gesagt. «Das ist nur etwas für Journalisten und Touristen. Ich kenne Leute aus St.Gallen, die extra wegen der Nacht der langen Messer nach Bern kommen und im Bellevue Palace übernachten.» Tatsächlich sind in der Lobby auch Normalbürger in Jeans und Pullover zu sehen, die wohl sonst nicht unbedingt ein Hotel dieser Preisklasse wählen würden.

Fast ein Muss ist die «Nacht der langen Messer» für die Neulinge im Parlament. David Zuberbühler (SVP/AR) und Diana Gutjahr (SVP/TG) lassen sich das Spektakel nicht entgehen. «Obwohl: Ich weiss eigentlich auch nicht so recht, was ich hier mache», sagt Zuberbühler und lässt den Blick durch die Halle schweifen. Die Meinungen seien ja gemacht. «Sehen und gesehen werden» sei das wohl Motto. Für die trockene Parlamentsarbeit ist später wieder Zeit genug.

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