Der Mann hinter dem Gutachten

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Dass die zwei kleinen Leichen im Keller des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen, die zwei Silberpokale, als NS-Raubkunst entlarvt wurden, ist dem St. Galler Historiker und Provenienzforscher Peter Müller zu verdanken. Der 53-Jährige ist ein Mann mit vielen Talenten und Hang zur Kriminologie: «Giftmord, Galgen und Gerichtsstube», heisst eine seiner Führungen im wichtigsten kulturhistorischen Museum der Ostschweiz am östlichen Rand des Stadtparks.

Der Altphilologe und ehemalige «Tagblatt»-Journalist hat schon über traditionelle Heilerinnen und Heiler Südafrikas geschrieben, über stille Gäste aus aller Welt – und über Bäume. 2015 hat er unter dem melancholischen Titel «Wälder wachsen still» eine Auswahl seiner Notizen zu Baum und Wald veröffentlicht – nach über 20 Jahren Studium. Entstanden ist ein Buch im Eigenverlag jenseits der üblichen Hochglanzbilder mit Texten über Bäume und Wälder: historisch und volkskundlich, okologisch und botanisch, ironisch, poetisch und spirituell.

Ein Jahr später, 2016, weibelte Müller für das Latein, die untote Sprache. «Latein ist in aller Munde. Auch heute noch. Nur wissen das die wenigsten Leute», sagt Müller, der namens des Vereins Lateinischer Kulturmonat in St. Gallen zu Diskussionsrunden, Podien und Veranstaltungen in der Sprache Ciceros aufrief.

Einmal, einmal nur, konnte man Müller einen Fehlgriff nachweisen: Das war 2003, als in Romanshorn das Mocmoc lebendig wurde. Ein Fabelwesen aus dem See, das monatelang in der Hafenstadt sein Unwesen trieb. Basierend auf einem Manuskript aus den 1930er-Jahren, dessen Echtheit Müller attestiert – pardon: selber fabriziert – hatte. Als Teil des Kunstprojekts. (cz)