Der Mann der Guten Dienste

Liechtensteins Fürst will Ländern zu «guter Staatsführung» verhelfen. Darum hat Hans-Adam II. den Schweizer Daniel Levin engagiert, um Wissen für den gesunden Staat zu vermitteln.

Markus Rohner
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Daniel Levin hat den «idealen Staat» im Auge. (Bild: Roland Korner)

Daniel Levin hat den «idealen Staat» im Auge. (Bild: Roland Korner)

vaduz. Im Zentrum von Liechtensteins Hauptort hat Daniel Levin vor ein paar Monaten sein Büro bezogen. Von hier aus will der Zürcher Jurist mit amerikanischem Pass in die Welt hinaus reisen oder die Welt ins kleine Fürstentum holen.

Mit seinen 47 Jahren hat Daniel Levin schon einiges erlebt: Einen Teil der Jugend verbrachte er in Kenia, und nach dem Studium in Zürich gingen die ersten Jahre seiner Anwaltstätigkeit einher mit dem politischen Umbruch in Südafrika.

Als Angestellter einer New Yorker Kanzlei beriet er die südafrikanische Regierung, lernte Mandela, Mbeki und andere Grössen des ANC kennen und entdeckte so jene Tätigkeit, die ihn bis heute beschäftigt.

Im Auftrag von Weltbank, IWF und internationalen Entwicklungsbanken arbeitete Daniel Levin später in aller Welt. In Ostafrika half er Regierungen, moderne Strukturen für Politik und Wirtschaft aufzubauen, in Staaten der ehemaligen Sowjetunion unterstützte er die Regierung bei der Entwicklung eines modernen Finanzmarktes.

Ein Wundermann?

Je ausführlicher der Mann mit der Glatze aus seinem Leben erzählt, desto grösser das Erstaunen, was dieser unbekannte Schweizer in aller Welt schon realisiert haben will. Ein Wundermann, der bei Staatspräsidenten und Ministern ein- und ausgegangen ist und diese von seinen Ideen über modernes Wirtschaften und gute Staatsführung zu überzeugen versucht hat?

Levin holt einen schnell auf den Boden zurück. «Ich habe zusammen mit anderen Juristen, Ökonomen, Soziologen, auch Psychologen und Journalisten, nichts anderes getan als eine Wissensplattform mit speziellen Modulen entwickelt, die überall auf der Welt angewandt werden kann, weil sie auf die nationalen und regionalen Bedürfnisse Rücksicht nimmt.» Mit diesem Instrumentarium würden Wissen und Verständnis zur Verfügung gestellt, die in wichtigen Bereichen der öffentlichen Ausbildung und der staatlichen Infrastruktur (Gesetzgebung, Verwaltung, Rechtsprechung ) wichtig seien.

Egal in welchem Erdteil eine Regierung und eine Verwaltung diese anwendeten.

Der «ideale Staat»

Mit dem Fürsten, dem Erbprinzen und Daniel Levin haben drei Männer zusammengefunden, die eines gemeinsam haben: Sie sind überzeugt , dass in der Vergangenheit viele Initiativen von nationalen und multinationalen Entwicklungsorganisationen zur Verbesserung von Entwicklung und Ausbildung wenig gebracht haben.

«Sehr oft wurden gutgemeinte, ehrgeizige Zielsetzungen anderen, kurzfristigen Bedürfnissen unterworfen oder fielen mangelndem Interesse zum Opfer», sagt Levin. Wesentliche Bereiche der Staatsführung hätten unter einem akuten Mangel an fähigen und integren Experten und Entscheidungsträgern an Ort gelitten.

Wenn der Fürst nicht gerade sein Ländle regiert oder sein Geld verwaltet, findet er Zeit, über «Gute Staatsführung» nachzudenken.

Zu diesem Thema hat er jüngst ein Buch («The State in the Third Millenium») geschrieben, in welchem er die Faktoren gesunder Staatsführung untersucht und zum Schluss kommt, dass der durch «gute Staatsführung» ausgezeichnete Staat des dritten Jahrtausends sich zum Anbieter von sinnvollen und effektiven Dienstleistungen an seinen Bürgern entwickeln sollte und nicht die Bürger zu Dienern des Staates.

Was ist ein «idealer Staat» mit guter State Governance? Levin nimmt einen Ordner aus dem Regal und zeigt eines der vielen Plattformmodule, die zur Good Governance von Staaten beitragen sollen. Es enthält Tools zur Einführung und Verbesserung gesunder Staats- und Kapitalmärkte. Die vom Fürstenhaus gegründete «Liechtenstein Foundation for State Governance» will Module auch in weiteren Bereichen entwickeln, die für einen gesunden Staat von Wichtigkeit sind.

Afrikaner in Vaduz

Die Organisation Nepad (New Partnership for Africa's Development) der Afrikanischen Union ist eine der ersten, die in den nächsten Wochen Vertreter aus verschiedenen Ländern Afrikas nach Liechtenstein schicken dürfte. Daniel Levin: «In Vaduz werden sie in der richtigen Handhabung der Tools und deren Implementierung in ihrer Heimat instruiert.» Die Stiftung wolle so einen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und Selbstbestimmung der Länder leisten.

«Wissen und Bewusstsein werden vermittelt, das diesen Ländern helfen soll, sich aus eigenen Kräften voranzubringen.»

Der weltgewandte Levin ist begeistert von seiner neuen Aufgabe: Regelmässig trifft er sich mit Fürst und Erbprinz zum Gedankenaustausch, spricht mit ihnen über Probleme in aller Welt, aber nur selten über Liechtensteins Innenpolitik. Die Abstimmung vom März 2003, bei der Hans-Adam II.

dem Volk drohte, das Land zu verlassen, falls seine Verfassungsreform abgelehnt werde, war noch nie ausführliches Thema. «Good State Governance» praktiziert der Fürst lieber im Ausland.

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