Der Mann, der den Toten fand

Warum in Flawil ein 33-Jähriger tot im Keller aufgefunden wurde, blieb auch gestern unklar. Noch gingen bei der Polizei keine brauchbaren Hinweise ein. Der Nachbar, der den Toten fand, trauert um einen Freund und «guten Vater».

Mario Fuchs
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FLAWIL. Ihm sei das Licht aufgefallen. «Eine Woche lang hat es in seiner Wohnung gebrannt. Ich habe das von meinem Fenster aus gut gesehen», sagt der Mann, der den 33-Jährigen vor einer Woche tot im Keller aufgefunden hat. Er habe ihn gut gekannt, sein Sohn habe mit der Tochter des Verstorbenen die Schule besucht. «Er war ein guter Vater», sagt er. Noch zwischen Weihnachten und Neujahr sei der Mann mit der neunjährigen Tochter zweimal bei ihm zu Besuch gewesen. Am Mittwoch vor einer Woche erhielt er einen Telefonanruf von der ehemaligen Partnerin des Mannes. «Sie bat mich, nachzusehen. Sie war besorgt, weil sie schon seit einer Woche nichts mehr von ihm gehört hatte.»

«Lebenslustiger Typ»

Der Mann, der an der gleichen Strasse vis-à-vis wohnt, ging mit einem Bekannten vorbei. Sie klingelten – keine Antwort. Noch einmal – keine Antwort. «Dann haben wir die Polizei gerufen. Die Wohnungstür war nicht verschlossen, der Fernseher lief, und im Gang lagen ein Gurt und eine Jacke», sagt er. Von seinem Freund fehlte jedoch jede Spur. Auch im Keller habe der Polizist nachgesehen Doch da die Kellertür ordentlich verschlossen war, fiel ihm nichts auf.

Am nächsten Morgen entdeckte der Nachbar am Mehrfamilienhaus, in dem der Kollege wohnte, etwas Aussergewöhnliches: Ein offenes Kellerfenster. Er ging aus seiner Wohnung, über die Strasse und spähte hinein. Er fand seinen Freund auf dem Boden liegend, in Jeans und Socken. «Wir wussten, dass er krank war. Aber mit so etwas rechnet man ja nicht», sagt er. Der Kollege habe seinen Beruf nicht mehr ausüben können. «Trotzdem war er ein lebenslustiger Typ.» Wie er den Tod fand, könne er sich nicht erklären. Laut Hans Peter Eugster, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, trat der Tod aufgrund eines «inneren Geschehens» ein.

Ein fremder Rucksack

Dass aber etwas nicht stimmen kann, stellten auch die Polizeibeamten fest. «Die Kleider im Gang und ein Rucksack waren nicht vom Verstorbenen.» Er vermute, dass jemand bei seinem Freund gewesen sein muss, zumal die Kellertür von innen ordentlich verriegelt war und der Schlüssel zum Keller in der Wohnung des Toten lag.

Bis gestern waren laut Hans Peter Eugster mehrere Hinweise zum Fall eingegangen, allerdings noch keine brauchbaren. Die Kantonspolizei St. Gallen bittet die Bevölkerung deshalb weiterhin um Hinweise.

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