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Der Mann, den Sawiris gesucht hatte

Raphael Krucker arbeitete 24 Jahre weltweit für die Bühler-Gruppe. Jetzt geht er nach Andermatt. Das ist auch für seine Familie Neuland.
Zita Meienhofer
Asien, Naher Osten, Südafrika, Australien - und jetzt Andermatt im Kanton Uri: Raphael Krucker mit seiner Familie. (Bild: pd)

Asien, Naher Osten, Südafrika, Australien - und jetzt Andermatt im Kanton Uri: Raphael Krucker mit seiner Familie. (Bild: pd)

In den vergangenen 13 Jahren war er in vier verschiedenen Ländern auf vier verschiedenen Kontinenten tätig. Er habe schnell gelernt, offen zu sein, sich anderen Kulturen anzupassen, sagt Raphael Krucker. Er, der Anfang 2020 neuer CEO der Andermatt Swiss Alps AG werden wird, eines der Unternehmen des ägyptischen Investors Samih Sawiris, Besitzer jenes Tourismusresorts in Andermatt mit Hotels, Apartmenthäusern Ferienwohnungen, Golfplatz sowie der Skiarena Andermatt-Sedrun. Nun, wer ist Raphael Krucker? Wo hat er seine Wurzeln?

Krucker wuchs mit drei älteren Brüdern in Niederhelfenschwil auf. Seine Eltern führten einen Landwirtschaftsbetrieb samt Viehhandel. Es war im Sommer 1995, als er die Lehre als Mühlenbauer bei der Firma Bühler AG in Uzwil begonnen hatte. «Ich wusste, dass ich später im Ausland arbeiten wollte und hatte deshalb bewusst diese Ausbildung und diesen Arbeitgeber gewählt», sagt er.

Nach Lehre und Militärdienst, wo er zum Offizier ausgebildet wurde, war es so weit: Raphael Krucker ging erstmals 2001 ins Ausland, nach Mailand, als Projektunterstützung. Nach seinem Jahr in Italien war er am Hauptsitz der Bühler-Gruppe in Uzwil für Grossprojekte im Raum Südostasien zuständig und sammelte erste Erfahrungen mit fernen Kulturen.

Apartmenthäuser des Resorts in Andermatt. (Bild: Christof Schürpf/Key)

Apartmenthäuser des Resorts in Andermatt. (Bild: Christof Schürpf/Key)

2006, als 27-Jähriger, zog er nach Südafrika, nach Johannesburg. Begleitet hatte ihn seine damalige Freundin und jetzige Frau Sibylle Krucker-Brunschwiler. In den acht Jahren in Südafrika war er in verschiedenen Führungspositionen tätig und bildete sich an Business-Schulen im In- und Ausland weiter, es veränderte sich auch seine familiäre Situation.

Die Familie ist Veränderungen gewohnt

2007 wurde geheiratet, 2008 kam Tochter Xenia zur Welt, ein Jahr später Sohn Aaron. Das Familienleben ist Raphael Krucker sehr wichtig. «Ich schätze es sehr, dass Sibylle das soziale Umfeld und den Alltag organisiert, so dass ich mich vollständig dem Beruf widmen kann», sagt er. Was Raphael und Sibylle Krucker ihren Kindern vorleben, das haben diese übernommen. Das Knüpfen von neuen Banden, aber auch die Pflege des Kontaktes zu ihren Familien in der Schweiz und zu Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt.

«Wir haben immer wieder Besuch von Freunden und von unseren Familien, das schätzen wir sehr», sagt er. Er betont während des Gespräches immer wieder, dass ohne die Offenheit seiner Familie es nicht möglich wäre, ständig wieder die Zelte neu aufzuschlagen. Stolz ist er vor allem auf die Flexibilität seiner Kinder: «Wenn wir wieder in der Schweiz sind, waren sie in fünf Ländern und sechs verschiedenen Schulen.» Kruckers haben darauf geachtet, dass Xenia und Aaron Schulen mit britischem System besuchen. Dieses Schulsystem ist international verbreitet. Bei einem Länderwechsel ändert der Schulstoff nicht enorm.

Investor Samih Sawiris 2016 in Andermatt. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Investor Samih Sawiris 2016 in Andermatt. (Bild: Alexandra Wey/Keystone)

Zulu, Türkisch, Arabisch und Chinesisch

Nach acht Jahren in Südafrika war es Zeit für etwas Neues: «Wir hatten es sehr gut, wussten aber auch, dass uns eine neue Herausforderung guttun würde, damit wir uns weiterentwickeln können.» 2014 zog die Familie nach Istanbul. Wieder galt es zu lernen, sich anzupassen, zu erfahren, was möglich ist und was nicht, eine neue Sprache zu lernen. Während sich Raphael Krucker hauptsächlich in Englisch verständigt, lernen seine Frau und vor allem seine Kinder jeweils jene Sprache, die an der jeweiligen Destination gepflegt wird. Neben Deutsch und Englisch sprechen sie ein wenig Zulu, Türkisch, Arabisch und Chinesisch.

Die Eröffnung einer Niederlassung in den Vereinigten Arabischen Emiraten führte dazu, dass bereits nach etwas mehr als einem Jahr nach Dubai gewechselt wurde. Ende 2018 folgte eine neue Herausforderung: Melbourne, Australien. Ziel war, die Region Ozeanien für die Bühler-Gruppe weiter aufzubauen.

Diesen Weg verlässt er nun, um in die Schweiz zurückzukehren und als CEO von Andermatt Swiss Alps AG tätig zu sein. Er hatte zwar keine neue Herausforderung angestrebt, doch er schien der Mann zu sein, den Sawiris für seine Pläne gesucht hatte. Kruckers Erfahrungen mit verschiedenen Kulturen, dem Aufbau von Märkten und Organisationen weltweit, sein berufliches Wirken sowie das persönliche Gespräch mit dem Unternehmer hatten letztlich zu einer Zusammenarbeit geführt.

Lebensmotto passt zur neuen Aufgabe

«Ich freue mich sehr auf meine neue Herausforderung und darauf, wieder ein neues Team und eine neue Kultur kennen zu lernen», sagt Krucker. Samih Sawiris habe er als Visionär kennen gelernt, als einer, der grossräumig denke und es gewohnt sei, etwas zu erreichen. Kruckers Motto «think different – act forward» passt wohl gut zu seiner neuen Aufgabe, Andermatt Swiss Alps AG weltweit zu vermarkten. Eine Tätigkeit, der er auch bislang nachging – einzig in einer anderen Branche.

Er freut sich auch, wieder in seine Heimat zurückzukommen. «Allerdings ist es kein Nach-Hause-Kommen, denn wir waren überall zu Hause, hatten uns überall wohl gefühlt.» Auch seine Frau – sie stammt aus Wil – freut sich über den Umzug in die Schweiz, wo Familien und Freunde distanzmässig wieder näher sind. Wo sie künftig im Kanton Uri ihren Wohnsitz haben werden, ist noch nicht bestimmt.

Auf den Umzug bereiten sich die Krucker-Kinder bereits vor. «Xenia und Aaron lernen nun Deutsch», sagt Raphael Krucker und lacht. Sie reden zwar perfekt Schweizerdeutsch, aber Deutsch schreiben mussten sie bislang nicht können. Dann macht er eine Pause und sagt: «Unser grösster Erfolg ist wohl, dass wir die Möglichkeit haben, Beruf und Familie gleichzeitig zu fördern.»

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