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Der Mann an der Pforte

Über 30 Jahre lang war der Abtwiler Pius Kündig Standesweibel des Kantons St.Gallen. Er gab der Verwaltung ein Gesicht - als würdevoller grün-weiss gekleideter Begleiter der Regierung genauso wie als freundlicher Ansprechpartner für jedermann am Eingang der Pfalz. Nun hat ihn das Parlament in den Ruhestand verabschiedet.
Adrian Vögele
Pius Kündig im Kantonsratssaal. (Bild: Regina Kühne)

Pius Kündig im Kantonsratssaal. (Bild: Regina Kühne)

«Vielleicht könnte jemand die Türe schliessen? Das wäre wohl angemessener», sagte die St. Galler Kantonsratspräsidentin Imelda Stadler am Mittwoch gegen Ende der Session: Sie habe einen Abschied zu verkünden. Man schluckte leer. Dann der Name – und sogleich tosender Applaus im Saal, die Parlamentarier erhoben sich, Standing Ovations wie am Ende einer grossartigen Theateraufführung. So etwas schaffen nur wenige. Pius Kündig, st. gallischer Standesweibel seit 1987, nahm die lautstarke Ehrerbietung zu seiner Pensionierung still und bescheiden entgegen, direkt hinter sich die Tür.

Als Mitarbeiter der Staatskanzlei hat Kündig selber viele Türen geöffnet. An der Empfangspforte des Regierungsgebäudes hiess er Gäste willkommen, gab Auskünfte, half weiter. Freundlich zu sein, war ihm stets wichtig – «denn hier erhalten die Besucherinnen und Besucher den ersten Eindruck der Verwaltung». Von seinen vielen administrativen Aufgaben im Getriebe der Pfalz bekam die Öffentlichkeit kaum etwas mit. Dafür fiel der gelernte Konditor und ehemalige Kantonspolizist umso mehr auf, wenn es galt, an wichtigen Anlässen Staat zu machen: Kündig begleitete die Regierung würdevoll, mit dem grün-weissen Talar um die Schultern, dem Zweispitz auf dem Haupt und dem Weibelstab in der Hand – an Olma-Eröffnungen ebenso wie an Kurt Furglers Beerdigung oder am Sechseläuten.

Geweibelt hat Kündig auch in seinem Wohnort Abtwil schon viel, etwa als Präsident des Verkehrsvereins, und zeigte sich auch auf lokaler Ebene als gewissenhafter Gastgeber: Vor dem Jahrmarkt finde er als OK-Chef jeweils nur wenig Schlaf, verriet er unserer Zeitung einmal: «Ich sitze wie auf Nadeln und hoffe, dass alles rund läuft.» Inzwischen hat er die Ämter abgegeben. Dem Staat bleibt Pius Kündig noch bis Ende August erhalten. Dann reicht er den Stab weiter – und hoffentlich auch das Lächeln an der Tür.

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