Der Lehrerin drohen hohe Rechnungen

Die Religionslehrerin, die vor einer Woche in den Altstätter Stadtbach gefallen ist, muss sich auf hohe Rechnungen der Rettungsorganisationen gefasst machen. Weshalb, erklärt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der St. Galler Kantonspolizei.

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Herr Krüsi, wer fahrlässig eine Rettungsaktion auslöst, kann an den Kosten beteiligt werden. Flattern der unglücklichen Religionslehrerin bald hohe Rechnungen ins Haus?

Hanspeter Krüsi: In der Regel gilt das Verursacherprinzip. Aber jede Rettungsorganisation entscheidet für sich, ob sie eine Rechnung stellt. Die Frau muss auf Rechnungen gefasst sein. Ob sie sie auch bezahlen muss, wird sich danach zeigen.

Was gilt als fahrlässig?

Krüsi: Auf einem Wanderweg mit Bergschuhen ausrutschen, tief in ein Tobel fallen und dadurch eine Suchaktion auslösen, das kann jedermann passieren. Dagegen: Bei seit Tagen heftigen Regenfällen mit zwei kleinen Kindern in Turnschuhen die gleiche Wanderung zu unternehmen – das hingegen wäre grobfahrlässig.

Wie schätzen Sie das Hinabsteigen der Religionslehrerin in das Flussbett vor den Augen ihrer Schülerinnen und Schüler und ihren testenden Fuss in den reissenden Stadtbach ein?

Krüsi: Das entscheide ich nicht. Der Begriff grobe Fahrlässigkeit enthält einen schweren Vorwurf. Er ist eine moralische Verurteilung.

Gilt bei Hilfs-, Rettungs- und -Bergungseinsätzen immer das Verursacherprinzip?

Krüsi: Bei Unglücksfällen richtet sich die Regelung der Kostenfrage in der Regel nach dem Verursacherprinzip.

Das heisst, die verunfallte oder auch vermisste Person wird grundsätzlich für die Kosten haftbar gemacht. Erst wenn ein Verschulden Dritter vorliegt, ist eine Abwälzung der Kosten auf diese denkbar. Diese Abwälzung muss in der Regel auf dem zivilen Rechtsweg durchgesetzt werden.

Und wenn das Opfer gestorben ist?

Krüsi: Wird die verunfallte oder vermisste Person tot aufgefunden, so werden die Kosten – sofern dies zumutbar ist – aus dem Nachlass beglichen.

Wird die St. Galler Kantonspolizei der Religionslehrerin eine Rechnung stellen?

Krüsi: Nein. Der Frau wird durch die Kantonspolizei keine Rechnung gestellt. Ob unsere Partnerorganisationen Rechnungen schreiben werden , weiss ich allerdings nicht.

Interview: René Schneider

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