Der lange Weg zur Bewilligung

Wer eine grössere Veranstaltung unter freiem Himmel plant wie etwa das St. Galler Fest, muss strenge Vorgaben erfüllen, um eine Bewilligung zu erhalten. Die Stadt St. Gallen habe hier schweizweit eine Pionierrolle, sagt die Stadtpolizei.

Joel Christakis
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Damit das St. Galler Fest wie im vergangenen Jahr reibungslos abläuft, braucht es von Seiten der Organisatoren viel Vorarbeit. (Bild: Urs Jaudas)

Damit das St. Galler Fest wie im vergangenen Jahr reibungslos abläuft, braucht es von Seiten der Organisatoren viel Vorarbeit. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Die Sommerzeit ist auch die Zeit der Freiluft-Veranstaltungen. Vom Open-Air-Kino bis zur Grillparty des Schützenvereins – es findet alles unter freiem Himmel statt. Auch das St. Galler Fest vom kommenden Wochenende wird sich auf den Strassen abspielen.

Jeder grossen Outdoor-Veranstaltung geht eine lange Planung voraus. Viele Auflagen müssen erfüllt werden, damit die Behörden, etwa jene der Stadt St. Gallen, eine Bewilligung erteilen.

Das war nicht immer so: In den letzten zwölf Jahren hat sich bei der Bewilligung von Events unter freiem Himmel vieles verändert. «Früher wurden vor allem Grossanlässe – das sind in St. Gallen Anlässe mit einer Besucherzahl von über 5000 Personen – relativ leichtfertig bewilligt», sagt Walter Schweizer, Leiter Bewilligungen bei der Stadtpolizei St. Gallen. Evakuation und Lärmschutz seien schlicht kein Thema gewesen, da die Veranstalter Geld hätten sparen wollen.

Walter Schweizer war massgeblich daran beteiligt, das Bewilligungsverfahren neu zu gestalten und die Abläufe zu optimieren. Aufgrund von Unfällen, wie beispielsweise der Massenpanik in Duisburg 2010, als 19 Personen im Gedränge den Tod fanden, fragten sich Politiker und Organisatoren vermehrt, wie die Bewilligungsvergabe gehandhabt wird. «Es wurden Politiker und Veranstalter von Gerichten wegen Unterlassung von Sorgfaltspflichten verurteilt», sagt Schweizer. Das sei ein Grund gewesen für das steigende Interesse an einer klaren Regelung.

Mehrere Ämter beteiligt

Heute ist der Ablauf bis zur Erteilung oder Ablehnung einer Bewilligung klar definiert. Als erstes muss der Veranstalter bei der Stadtpolizei ein Grobkonzept einreichen. Dieses enthält erste Informationen über Sinn und Zweck der Veranstaltung sowie über deren Zielgruppe. Kommt es zu einer ersten Sitzung, muss der Organisator seine Idee konkretisieren. Zudem zeigen ihm die verschiedenen beteiligten Ämter Stolpersteine und absolute Tabus auf. «Hält das Grobkonzept dieser Anhörung stand, wird zu einer ersten <Elefantenrunde> eingeladen», sagt Schweizer. Nebst der Stadtpolizei seien dann unter anderem das Amt für Umwelt und Energie, das Amt für Baubewilligung, die Feuerwehr, die Sanität und fallweise die Verkehrsbetriebe anwesend. «Es sind diese Stellen, welche dem Veranstalter mitteilen, wo das Konzept leckt und noch Überarbeitung nötig ist. Dabei stehen sie natürlich beratend zur Seite», sagt Walter Schweizer. Erst wenn man sehe, dass sowohl die Planung als auch die Umsetzung in die richtige Richtung gelenkt würden, erteile man schliesslich die Bewilligung.

«Naturgewalt einberechnen»

Für Walter Schweizer ist eines klar: «Der grösste Risikofaktor ist das Wetter.» Durch die blitzartig aufkommenden Gewitter in den Sommermonaten könne sich sehr viel Unvorhergesehenes ereignen. Vor allem das Amt für Baubewilligungen sei deshalb in einer wichtigen Position: «Es prüft beispielsweise Bühnen oder Zelte auf ihre Standfestigkeit und den vorschriftsgemässen Aufbau.»

Viel Fingerspitzengefühl sei gefragt. Eine pauschale Vergabe von Bewilligungen sei nicht möglich. «Nicht nur die Sicherheit spielt eine grosse Rolle. Auch die Interessen der Bevölkerung fliessen in die Entscheidung mit ein. Wir wollen eine interessante und aktive Stadt bieten, müssen aber vermehrt auch Rücksicht auf die Lärmemissionen nehmen», sagt Schweizer. Die Toleranz gegenüber Anlässen, die sich über die gewohnte Nachtruhe ziehen, sei «eher geringer» geworden.

Biel als trauriges Beispiel

Wie wichtig es ist, detailliert und vor allem umfassend Vorbereitungen zu treffen, zeigt Schweizer am Beispiel des Eidgenössischen Turnfests im Juni in Biel auf. Ein Sturm verwüstete dort das gesamte Gelände. «Die Vorbereitungszeit für dieses Fest betrug insgesamt zweieinhalb Jahre. Am Ende wurden innert kürzester Zeit Menschen verletzt, und der gesamte Anlass war plötzlich gefährdet.»

Aus solchen traurigen Ereignissen könne man jedoch auch viel lernen, sagt Schweizer. «Wir müssen uns stets verbessern.» St. Gallen gelte schweizweit als Pionierstadt bei der sorgfältigen Prüfung von Bewilligungen. Somit kann man am Wochenende auch getrost bei schlechtem Wetter ans Stadtfest pilgern.

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