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Der lange Schatten von Mike Chan

TEUFEN. Gegen die Paracelsus-Klinik Lustmühle läuft ein Verfahren wegen illegaler Präparate aus tierischen Zellen. Das schillernde Alternativmedizin-Institut steht nicht zum erstenmal in den Schlagzeilen.
Andri Rostetter
Im Visier der Bundesbehörden: Paracelsus-Klinik in Teufen, Ex-Verwaltungsratspräsident Mike Chan (oben), Chefarzt Thomas Rau. (Bilder: Urs Jaudas/pd)

Im Visier der Bundesbehörden: Paracelsus-Klinik in Teufen, Ex-Verwaltungsratspräsident Mike Chan (oben), Chefarzt Thomas Rau. (Bilder: Urs Jaudas/pd)

Er hat eigentlich gar keine Zeit, die Sprechstunde läuft, am Nachmittag muss er an eine Sitzung nach München. Doch die Sache ist ihm unangenehm, er will sie so rasch wie möglich aus der Welt schaffen. Thomas Rau, Chefarzt und Verwaltungsrat der Paracelsus-Klinik Lustmühle, bleibt freundlich. Auch wenn es ihn «fast verchlepft hat» nach der Geschichte von gestern. Die «Rundschau» von SRF berichtete am Mittwoch, dass die Heilmittelbehörde Swissmedic und das Bundesamt für Gesundheit 2014 die Paracelsus-Klinik durchsucht haben, wegen illegaler Präparate aus Zellen von Schafsföten oder Schafsplazenta (Ausgabe von gestern). Jetzt läuft ein Verfahren gegen das Institut.

Zellen von Bio-Ferkeln

Rau und seine Klinik gelten als führend auf dem Gebiet der biologisch-integrativen Methode, einem Spezialgebiet der Alternativmedizin. Dabei werden auch Präparate aus Zellen von Ferkeln eingesetzt – mit dem Segen des Ausserrhoder Gesundheitsdepartements. «Wir verwenden diese Produkte seit Jahren und hatten bisher keine einzige nennenswerte Nebenwirkung», sagt Rau. Die Swissmedic tue ihre Arbeit, wenn sie nach illegalen Präparaten suche. Die Paracelsus-Klinik arbeite aber weder mit Frischzellen noch mit Zellen von Lämmern. «Wir verwenden nur veterinärmedizinisch geprüfte Organe von biologisch gezüchteten Ferkeln, die ohnehin geschlachtet werden.»

Dass die Klinik ins Visier der Bundesbehörden geraten ist, hat unter anderem mit einem klingenden Namen der Anti-Aging-Szene zu tun: Mike Chan, bis 2014 Mehrheitsaktionär und Verwaltungsratspräsident der Paracelsus-Klinik. Chan, im Handelsregister unter dem Namen Tan Kor Seng eingetragen, vertreibt mit seiner Firma Lab Dom in Genf Produkte, die mutmasslich Frischzellen von Schafen enthalten. Im Mai 2014 trennte sich die Klinik von Chan. An der Spitze steht seither Vei Kim Teo, ein Landsmann von Chan. Rau reiste damals extra nach China, um den Investoren den Wechsel zu erklären.

Heute distanziert sich die Klinikleitung von den Geschäften des Malaysiers. «Es ist uns sehr wichtig, dass wir nicht in den gleichen Topf geworfen werden wie die Produzenten problematischer Produkte, die nicht geprüft, teils hoch allergen und illegal sind», sagt Rau. Chans Produkte seien in Teufen zu keiner Zeit eingesetzt worden, die Untersuchung der Swissmedic habe deshalb auch keine illegalen Substanzen zutage gefördert. «Wir sind zuversichtlich, dass diese Missverständnisse in der laufenden Untersuchung geklärt werden.»

Rechtsstreit mit einem Prinzen

Unangenehm ist für die Klinik noch ein weiterer Punkt: Die Swissmedic hat auch gegen die Dr. Schittenhelm Pharma GmbH eine Untersuchung eingeleitet. Firmengründer Rudolf Schittenhelm trat 2010 als Chefapotheker in die Paracelsus-Klinik ein, verliess das Institut aber schon nach einem Jahr wieder. Schittenhelm weist die Vorwürfe der Swissmedic zwar ebenfalls zurück, aber in der Klinik will man mit dem Namen des ehemaligen Chefapothekers nicht mehr in Verbindung gebracht werden.

Mit 102 Arbeitsplätzen ist die Paracelsus-Klinik der grösste Arbeitgeber in Teufen und ein Wirtschaftsfaktor für die ganze Region: Nach Angaben der Klinik übernachten jedes Jahr 11 000 Patienten und Angehörige in den Hotels von St. Gallen, Teufen und Umgebung. Aus der ganzen Welt reisen Hilfesuchende an, um sich in Teufen behandeln zu lassen, darunter viele Gutbetuchte aus den USA, dem arabischen Raum und Asien. Das Renommée der Klinik zieht auch immer wieder Prominente ins Appenzellerland. Der 2010 verstorbene Manager der legendären britischen Punkband Sex Pistols, Malcolm McLaren, liess sich in Teufen behandeln, ebenso Prinz Sadruddin Aga Khan.

Der Sohn des pakistanischen Fürsten Aga Khan III. hielt sich zwischen 2001 und 2003 mehrmals in der Klinik auf, im Frühling 2003 starb er in Boston an einer bakteriellen Infektion. Die Beziehung mündete in einen jahrelangen Rechtsstreit zwischen den Nachkommen Khans und der Klinik. Ein Gutachter kam damals zum Schluss, dass Rau «regelmässig Medikamente verwendet hat, welche von der Swissmedic nicht zugelassen sind». Der Fall verjährte, bevor es zu einem Urteil kam.

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