Der Laden soll im Dorfzentrum bleiben: Dafür soll sich der Gemeinderat Wald einsetzen, fordern Petitionäre

Seit Jahren wird in Wald um die Zukunft des Dorfladens gerungen. Ein Investor will am Dorfrand einen Neubau samt Laden erstellen. Knapp 150 Personen fordern nun den Gemeinderat mit einer Petition auf, sich für den Erhalt des Ladens im Dorfzentrum einzusetzen. An vorderster Front kämpfen ehemalige Gemeinderäte.

Mea McGhee
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Der Spar in Wald soll vom Dorfzentrum an den Dorfrand zügeln. Die Baueingabe des privaten Investors ist erfolgt.

Der Spar in Wald soll vom Dorfzentrum an den Dorfrand zügeln. Die Baueingabe des privaten Investors ist erfolgt.

Bild: Mea McGhee

Überraschung, Freude, Unverständnis, Sorge, Zuversicht: Die Gefühlslage bei den Besucherinnen und Besuchern der öffentlichen Versammlung vom 10. September in Wald war ganz verschieden. Gemeindepräsidentin Edith Beeler hatte eben verkündet, dass ein privater Investor am Dorfrand das Projekt «Werkhof Wald AR» realisieren wolle. Im Neubau seien unter anderem eine Tankstelle und Ladenfläche vorgesehen.

Obwohl mit dem Neubau-Projekt der Fortbestand eines Ladens in Wald gesichert wäre, hätten viele Einwohner lieber ein Geschäft am jetzigen Standort. Am 9. Oktober wurde dem Gemeinderat Wald die Petition «Der Laden bleibt im Dorf!» überreicht. 144 Personen haben unterschrieben und fordern: «Wir bitten den Gemeinderat, sich mit allen Mitteln für den Erhalt eines Ladens im Dorfzentrum einzusetzen.»

Periphere Lage bereitet Sorge

Eine der Petitionärinnen ist Ursula Mosimann, ehemalige Gemeinde- und Kantonsrätin. Ihre Befürchtung: «Der Laden an peripherer Lage wird nicht rentieren, auch wenn der Durchgangsverkehr neue Kundschaft bringen kann.» In einigen Jahren könnte es in Wald keinen Laden mehr geben. Die Gemeinde gebe die Kompetenz aus der Hand, das wollen die Petitionäre verhindern. Persönlich wäre Ursula Mosimann für eine Lösung im Dorfzentrum, entweder eine Sanierung oder einen Neubau: «Damit bliebe ein Treffpunkt erhalten und ältere Einwohner könnten zu Fuss im Dorf einkaufen.» Sie bemängelt, der Gemeinderat habe zu lange nichts unternommen.

Unterschriften gesammelt hat auch Hans Sprecher, auch er ehemaliger Gemeinderat. Sein Hauptanliegen: «Die Behörden sollen realisieren, dass der Dorfladen für die Bevölkerung ein wichtiges Thema ist.» Er hätte sich vom Gemeinderat eine bessere Information gewünscht. Vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, sei im September wie ein Hammerschlag gewesen.

Projekt eines privaten Investors

Der Gemeinderat rollt in seiner Stellungnahme im Gemeindeblatt die Geschichte auf. Im Jahr 2000 kaufte die Gemeinde im Auftrag der Bevölkerung die Liegenschaft im Dorf 36, mit dem Ziel, den sich darin befindlichen Laden zu erhalten. In der Folge wurde jahrelang versucht, eine zukunftsträchtige Lösung zu finden, da die Liegenschaft in einem baulich schlechten Zustand ist. «Aus verschiedenen Gründen kam kein Projekt zu Stande, das finanziell tragbar, den Vorschriften entsprechend, zweckmässig und für eine Mehrheit der Stimmbevölkerung akzeptabel ist», schreibt der Gemeinderat.

Anfang 2020 wurde an einer öffentlichen Versammlung erstmals angedeutet, dass es in der Ebni ein Projekt gebe. Der Gemeinderat wollte bis zur Versammlung im April die Sachlage klären und entsprechend informieren. Doch infolge des Corona-Lockdowns war das nicht möglich. Der Gemeinderat habe sich ab Februar in Gesprächen mit dem Investor und der Spar Handels AG dafür eingesetzt, dass am neuen Standort die bisherige Ladenbetreiberin für Kontinuität sorgen könne.

Baugesuch wurde eingereicht

Investor Urs Graf liess sein Projekt der Bevölkerung durch den Gemeinderat am 10. September vorstellen. Zwei Tage zuvor hatte er mit der Spar Handels AG den Betrieb des Ladens im Neubau vertraglich vereinbart. Inzwischen wurde das Baugesuch eingereicht. Die Einsprachefrist endet am 22. November.

Für Gemeindepräsidentin Edith Beeler ist das Projekt Werkhof Wald AG ein «Lottosechser» für Wald, zumal der Betrieb des Ladens gemäss Investor für zehn Jahre vertraglich garantiert sei. Der Gemeinderat schreibt weiter, dass sich der neue Dorfladen zu einem Treffpunkt entwickeln könnte. Die Gestaltung des Dorfkerns und eine zukunftsträchtige Lösung für die Räumlichkeiten der Gemeindeverwaltung gelte es nach wie vor anzugehen.

IG Wald miteinander wird aktiv

Diskussion über Belebung des Dorfzentrums

Die IG Wald miteinander lädt am 14. November, von 9 bis 12 Uhr, zu einem «Kreativtreff» ein. Im Hirschen sollen Ideen für eine Belebung des Dorfzentrums diskutiert werden. Aufgenommen werden zudem Ideen zur Gestaltung der Gemeindeverwaltung. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 begrenzt. Anmeldungen unter: info@ig-wald.ch.
Weiter hat die IG im Oktober mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde eine Umfrage im Rahmen einer Masterarbeit durchgeführt, an der sich über 200 Personen beteiligten. Es ging darum, herauszufinden, welche Themen der Bevölkerung wichtig sind: vom Dorfzentrum über Wanderwege bis hin zur Wasserversorgung, sagt Thomas Baumgartner, Präsident der IG Wald miteinander. Ende Jahr soll die Auswertung der Umfrage vorliegen. (mc)