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Der Künstler, der Vanessa erschuf

Während Alex Hanimann an der Figur Vanessa (siehe Artikel «Doppelte Vanessa», 9. März) arbeitete, kamen Zweifel auf: Er befürchtete, der glänzende Chromstahl könnte die menschlichen Züge zu sehr verstellen, sie ins «Horrormässige» verzerren.
Alex Hanimann will «die Kunst zum Volk bringen». (Bild: Urs Bucher)

Alex Hanimann will «die Kunst zum Volk bringen». (Bild: Urs Bucher)

Während Alex Hanimann an der Figur Vanessa (siehe Artikel «Doppelte Vanessa», 9. März) arbeitete, kamen Zweifel auf: Er befürchtete, der glänzende Chromstahl könnte die menschlichen Züge zu sehr verstellen, sie ins «Horrormässige» verzerren. Noch nie hatte er mit diesem Material und in diesen Dimensionen gearbeitet. Die Bedenken bewahrheiteten sich nicht. Die fünf Meter hohe Figur, die in der Eingangshalle des Neubaus der Kanti Heerbrugg steht, avancierte zum populärsten Werk seiner fast 30jährigen Karriere. Den breiten Zuspruch führt der St. Galler auf das Zusammenspiel von Konzeption, Dimension und Materialisierung zurück. Und vor allem: «Die Leute spüren, dass die Skulptur nicht eine konstruierte Idee ist, sondern dass eine Person mit Ausstrahlung dahinter steht.»

Allgemeingültiges schaffen

Für die Figur stand die Rheintaler Gymnasiastin Vanessa Gschwend Modell. Ein 3D-Scanner erfasste ihr Abbild. Die auf die Endgrösse skalierten Daten wurden anschliessend in Styropor gefräst, bevor Spezialisten in China die Figur aus 700 Einzelteilen aus Chromstahlblech in die Form trieben. «Vanessa» ist beispielhaft für Hanimanns Kunst. Der 58-Jährige wollte «etwas Allgemeingültiges, Lesbares schaffen». In seinen Zeichnungszyklen hat er immer wieder versucht, das Prototypische in Gestik oder Mimik herauszuarbeiten. «Vanessa» ist eine Metapher: Die Schülerin oder der Schüler steht im Zentrum der Schule. Jede oder jeder kann über sich hinauswachsen. Die Oberflächenspiegelung lassen sie zur Figur werden.

Zuerst Primarlehrer

Alex Hanimann ist auf einem Bauernhof in Mörschwil aufgewachsen. Zeichnen war eine seiner Lieblingsbeschäftigungen als Kind. Der Wunsch, künstlerisch tätig zu werden, liess ihn auch nach der Lehrerausbildung nicht los. Nach zwei Jahren als Primarlehrer in Urnäsch schaffte er den Sprung an die Kunstgewerbeschule in Zürich. Nach Abschluss der Zeichnungslehrerklasse unterrichtete er an den Kantonsschulen St. Gallen und Heerbrugg. Die Balance zwischen Lehrer- und Künstlerdasein ist ihm bis heute gelungen. Die Lehrtätigkeit habe seine Kunst beeinflusst und weitergebracht. «Unterrichten schafft Distanz und zwingt zur ständigen Reflexion.» Seit 1989 doziert er an der Zürcher Hochschule der Künste, seither pendelt er zwischen Zürich und St. Gallen. Die gefühlte Distanz habe merklich abgenommen. «St. Gallen ist nicht mehr so weit weg wie früher.» Der Kontrast sowie der Wechsel zwischen Metropole und Provinz nennt er «befruchtend». Die Provinz fordere heraus, man müsse beweglich bleiben, um zu überleben. «Das Gefühl, man brauche als Künstler die Geschäftigkeit der Grossstadt wie die Luft zum Atmen, man könnte ersticken in der Enge der Provinz, ist ein Klischee.»

Hanimann stellt regelmässig im In- und Ausland aus. Er war Mitbegründer der Kunsthalle St. Gallen und mehrere Jahre Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission. Derzeit engagiert er sich in der städtischen Kulturkommission. Mit «Vanessa» zeichnet er nicht zum erstenmal für Kunst am Bau verantwortlich. «Es ist wichtig, die Kunst zum Volk zu bringen», sagt er. Noch immer sei diese zu sehr auf Museen und Galerien fixiert, finde an exklusiven Orten für ein exklusives Publikum statt. Kunst in öffentlichen Räumen könne Menschen für Dinge sensibilisieren, die in der durch ökonomisches Denken geprägten Gesellschaft keinen Platz fänden. Kunst muss mehr sein als Dekoration: «Gute Kunst mischt sich ein, regt zum Denken an; sie interveniert und kommentiert.»

Vanessas Nachfolgerin

Alex Hanimann arbeitet bereits am nächsten Kunst-am-Bau-Projekt. «Vanessa» gefiel an der Zürcher Ausstellung «Art and the City» so sehr, dass er einen Preis gewann. Seine Idee, mit dem Preisgeld dem Projekt in Heerbrugg eine weitere Dimension hinzuzufügen, stiess beim Kanton aber auf kein Gehör. So entschloss sich Hanimann, eine neue Figur zu entwerfen. Sie wird in unmittelbarer Nähe zur künftigen Zürcher Hochschule der Künste zu stehen kommen. Wie bei «Vanessa» wird wiederum eine Studentin der Institution Modell stehen.

David Scarano

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