Der Krisenerprobte

Die Meldung über das Unwetter, welches das Appenzeller Hinterland am vergangenen Sonntag heimsuchte, erhält Hans Saxer, als er zu Besuch bei seiner Mutter in Sevelen ist.

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Die Meldung über das Unwetter, welches das Appenzeller Hinterland am vergangenen Sonntag heimsuchte, erhält Hans Saxer, als er zu Besuch bei seiner Mutter in Sevelen ist. Das Szenario ist für ihn nicht neu: Bereits 2002 und 2004 waren die Umstände dieselben; Hans Saxer befand sich wie am letzten Sonntag zusammen mit seiner Familie auf dem Weg in die Ferien.

Für den Leiter des Ausserrhoder Amtes für Militär und Bevölkerungsschutz und persönlichen Mitarbeiter von Landammann Hans Diem war sofort klar, dass er nach Herisau zurückkehrt, um den Kantonalen Krisenstab zu leiten.

Unerträgliche Vorstellung

Hans Saxer ist krisenerprobt: Ob Unwetter, Vogel- oder Schweinegrippe – der 59-Jährige ist immer an vorderster Front mit dabei. Saxer ist ein Mann mit einem grossen Verantwortungsbewusstsein. Die Vorstellung, nicht vor Ort zu sein und die Arbeit anderen zu überlassen, ist für ihn unerträglich. An Ferien wäre ohnehin nicht zu denken gewesen. Seit Sonntag hat er auf seinem Blackberry 200 E-Mails erhalten.

Koordinieren

Als Hans Saxer am frühen Montagmorgen in Herisau eintraf, verschaffte er sich zuerst einen Überblick über die Situation und schaute dann über die eigene Nasenspitze hinaus, wie er es ausdrückt. «Ich muss koordinieren, nicht agieren. Das machen die Helferinnen und Helfer», sagt er. Der gebürtige Seveler verfügt dank seiner 20jährigen Tätigkeit beim Kanton und seines militärischen Ranges als Oberst über ein Netzwerk, das gerade bei Krisen von grossem Wert ist. Dieses erleichterte ihm, die Aufgabe des Kantonalen Krisenstabes – die Koordination und Bereitstellung eigener und fremder Unterstützung – effizient zu erledigen. Er mischt sich nicht in die Arbeit der Gemeindeführungsstäbe ein, ebenso wenig in die der Feuerwehr, des Zivilschutzes und der Armee. «Diese wissen, wie sie zu handeln haben. Sie haben einmal mehr hervorragende Arbeit geleistet», sagt Saxer. Die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Stellen sei vorbildlich gewesen, alle hätten an einem Strick gezogen, fügt er an.

Ruhiger Schlaf trotz Belastung

Auch in solch belastenden Zeiten kann Hans Saxer schlafen. «Der Adrenalinspiegel befindet sich momentan auf dem Höchststand, in den nächsten Tagen wird er aber massiv abnehmen.» Eine ganz andere Situation herrschte 2002, als es im Appenzellerland nach dem Unwetter drei Todesopfer zu beklagen gab und infolge Hangrutschungen enorme Schäden an der Natur entstanden sind. Die Arbeiten zogen sich über Wochen hinweg. «Damals bin ich auch gesundheitlich an meine Grenzen gekommen. An Schlaf war nicht zu denken. Jede Sekunde habe ich einen Anruf mit neuen negativen Meldungen erwartet.»

Aber mit dem Alter werde man auch gelassener, und einen Ausgleich zu seinem Job finde er beim Fliegen, so der zweifache Vater. Saxer besitzt die Pilotenlizenz für Motorflugzeuge.

Noch mehr Erholung gibt es für ihn und seine Familie ab nächster Woche. Dann nämlich beginnen trotz allem die wohlverdienten Sommerferien – auf einem gemieteten Hausboot in Frankreich. Doch wer Hans Saxer kennt, der weiss eines mit Sicherheit: Auch dort wird er das Wetter und andere Probleme auf der Welt genau beobachten und überlegen, was bei einem Notfall zu tun wäre. (mf)