Der Konsenspolitiker geht:
Ivo Bischofberger verabschiedet
sich aus dem Ständerat

Nach zwölf Jahren im Ständerat tritt der Innerrhoder Ivo Bischofberger ab. Gearbeitet hat er am liebsten im Hintergrund. Zum Schluss geriet er doch noch ins Rampenlicht – Karin Keller-Sutter sei dank.

Adrian Vögele, Bern
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Die grosse Bühne suchte er nie: Ivo Bischofberger am Montag im Ständerat. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Die grosse Bühne suchte er nie: Ivo Bischofberger am Montag im Ständerat. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Wenn eine Bundesrätin an einem Anlass teilnimmt, dann ist sie dort in der Regel die Hauptperson. Gestern Abend im Bundeshaus war es für einmal ein bisschen anders. Karin Keller-Sutter hat einen Abschiedsapéro organisiert – für einen Parlamentarier, der das Rampenlicht nie gesucht hat, ganz im Gegenteil: Der Innerrhoder CVP-Ständerat Ivo Bischofberger gibt sein Amt nach zwölf Jahren ab (Ausgabe vom 16. Januar). Dies ist seine letzte Woche im Rat.

Es sei «schon speziell» gewesen, an diesem Montag das letzte Mal in den Zug zur Session nach Bern zu steigen, sagt Bischofberger. Umso mehr freut es den 61-Jährigen, bleibende Kontakte geknüpft zu haben – und das erst noch bis in den Bundesrat. «Karin Keller-Sutter meldete sich plötzlich bei mir und fragte, wie viele Leute ich zu meinem Abschied einladen wolle», sagt Bischofberger und schmunzelt. Mit der Wilerin verbinden ihn verschiedene Parallelen in der Karriere, man kannte sich schon, als er in Innerrhoden Kantonsgerichtspräsident und sie in St. Gallen Justizdirektorin war. Später arbeiteten sie im Büro des Ständerats zusammen, er war ihr Vorgänger im Präsidium.

«Ich ärgerte mich, wenn es nicht vorwärtsging»

Den Respekt seiner Ratskollegen gewann Bischofberger auf unauffällige Weise: Er wirkte als Politiker am liebsten im Hintergrund, half mit, in den parlamentarischen Kommissionen Kompromisse zu schmieden. «Geärgert habe ich mich jeweils, wenn es nicht vorwärtsging – wenn Lösungen verhindert wurden, etwa aus parteipolitischen Gründen.» Leider hätten die ideologischen Diskussionen zugenommen. «Es macht mir schon zu schaffen, wenn grosse politische Vorlagen nach jahrelanger Arbeit einfach bachabgeschickt werden», sagt Bischofberger. Ein typisches Beispiel sei das CO2-Gesetz, das in der letzten Session im Nationalrat gescheitert sei. Nun ruhen die Hoffnungen auf dem Ständerat. «Doch es kann nicht sein, dass im Nationalrat einfach übertrieben wird nach dem Motto ‹Der Ständerat wird’s dann schon richten›», sagt Bischofberger. «Wir sollten unserem Zwei-Kammer-System Sorge tragen.» So oder so aber ist Bischofberger viel lieber Ständerat als Nationalrat. Die lauten Debatten, die Auftritte «für die Galerie», das liegt ihm nicht. «Das eigene Wort hat viel mehr Gewicht, wenn man sich eher selten, dafür fundiert äussert», sagt Bischofberger.

Viel aufzuräumen gibt es nicht

Dieselbe Maxime gilt für Bischofbergers parlamentarische Vorstösse. 17 hat er insgesamt eingereicht, eine überschaubare Zahl. Bevor er die Ratsmaschinerie in Gang setzte, suchte Bischofberger den direkten Kontakt zu Ämtern und Fachleuten. Nur wenn es notwendig schien und die Erfolgsaussichten gut waren, forderte er mit einer Motion eine Gesetzesänderung. Sieben Motionen hat Bischofberger lanciert – sechs wurden angenommen, gegen den Willen des Bundesrats. Auch die letzte Motion ist auf gutem Weg (siehe Zweittext).

Allzu viel aufzuräumen hat Bischofberger am Ende seiner Parlamentarierzeit nicht. Gut, da ist diese vierseitige Liste mit diversen Instruktionen – Zutrittsbadge abgeben und so weiter. Aber eine Wohnung auflösen muss Bischofberger nicht, er wohnte in Bern jeweils im Hotel. Auch in Zukunft wird er ab und zu in der Stadt sein – er hat weiterhin verschiedene Mandate, etwa als Präsident des Fleischfachverbands und als Mitglied bildungspolitischer Gremien.

Bischofbergers Nachfolgerin oder Nachfolger wird am
28. April an der Landsgemeinde gewählt und in der Sommersession in Bern vereidigt. Einziger Kandidat ist bislang Noch-Landammann und CVP-Nationalrat Daniel Fässler.