Der König des Knoblauchs: Ein Bauer aus Buchackern betreibt das grösste Lager des Thurgaus

Der Bauer Beat Stump betreibt das grösste Knoblauchlager des Thurgaus. Der 40-Jährige hat so viele Knollen auf Lager, dass er den ganzen Kanton fast zwei Jahre lang mit Knoblauch versorgen könnte.

Lukas Belic
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Beat Stump betreibt die grösste Knoblauchlagerhalle des Thurgaus.
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Beat Stump betreibt die grösste Knoblauchlagerhalle des Thurgaus.

Bild: Donato Caspari

In die Lagerhalle würden 3,2 Millionen Knollen passen, die ein Gewicht von 160 Tonnen hätten. Eine Zahl, die das Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigt. Aktuell befinden sich 28 Tonnen des Lagergutes in der Halle. Was unverkennbar ist, wenn man in die Halle eintritt und vom Geruch schier erschlagen wird. Die Halle steht erst seit Mitte letzten Jahres an ihrem jetzigen Platz, in Buchackern in der Gemeinde Erlen. Bis im März 2018 stand sie 200 Meter entfernt, musste jedoch für zwei Familienhäuser weichen.

Der Retter der einst zum Abriss verurteilten Halle heisst Beat Stump. Die Idee, die Halle in seinem Hof wieder aufzubauen, sei von einem Kollegen gekommen. «Anfangs war ich skeptisch, sah sie mir dann aber mal an und dachte, dass es vom Platz her eigentlich möglich wäre», sagt der gelernte Zimmermann und Gemüsegärtner mit Meisterprüfung.

Die Halle vereinfacht die Lagerung des Knoblauchs

Die Halle erspare ihm einige Kosten, da er seinen Knoblauch bis anhin immer extern trocknen und lagern musste, was sich bei Knoblauch besonders schwierig gestaltet. Stump sorgt mit einer riesigen Belüftungsmaschinerie dafür, dass die Temperatur auf etwa zwölf Grad gehalten wird.

Laut der Website Statista.com, die Daten des Bundesamtes für Statistik aufarbeitet, ass ein Schweizer 2017 im Durchschnitt 310 Gramm Knoblauch. Wenn die Halle voll wäre, könnte der Gemüsebauer den gesamten Kanton Thurgau für ein Jahr, zehn Monate und 18 Tage mit Knoblauch versorgen. «Interessante Rechnung», sagt Beat Stump, «sie ist nicht schlecht, allerdings ist in diesen 310 Gramm der Knoblauch, der verarbeitet wird, zum Beispiel zu Sauce oder Kräutersalz, sehr wahrscheinlich nicht enthalten. Es ist also einiges mehr.»

Die neue alte Halle von aussen.

Die neue alte Halle von aussen.

Bild: Donato Caspari

Bohnen und Quinoa

Nebst Knoblauch gedeiht auf Beat Stumps Hof noch Weizen, Quinoa und schwarze Bohnen. Künftig will er vermehrt auf schwarzen Knoblauch setzten. «Dieser enthält dieselben ätherischen Öle und hat dieselbe antibiotische Wirkung, wie normaler Knoblauch. Der Vorteil, den der schwarze Knoblauch jedoch bietet ist, das man vom unangenehmen Geruch aus dem Mund verschont bleibt», sagt Beat Stump.

Zum Knoblauchgeschäft kam Stump, als er noch auf einem anderen Betrieb arbeitete. Der Betrieb wollte seine Knoblauchproduktion erhöhen. Es mangelte jedoch an Ackerland. So stellte Beat Stump einen Hektar seines Landes zur Verfügung. Heute gedeiht sein Knoblauch auf sieben Hektaren und wirft jährlich 70 bis 80 Tonnen ab. Die Produktion erfolgt konventionell, ohne Pflanzenschutzmittel, nach IP-Suisse Richtlinien. Ein Gütesiegel, das für Nachhaltigkeit steht. «Es herrscht eine grosse Nachfrage, der Markt verlangt zur Zeit 120 Tonnen jährlich.» Stump beliefert die beiden Lebensmittelketten Migros Ostschweiz und Spar in der ganzen Schweiz.

«Erstaunlicherweise ist die Nachfrage ziemlich gross, wenn man bedenkt, dass vier von fünf Knoblauch auf der ganzen Welt aus China kommen.»

Spanien sei der grösste Lieferant der Schweiz. Neben seinen jetzigen Grosskunden sieht der 40-Jährige weiteres Potenzial. Mit dem Markt habe er, direkt nichts zu tun. Sein Knoblauch werde von Proverda, dem Zwischenhändler, abgeholt, gerüstet und zum Verkauf aufbereitet.

Einen Teil des letztjährigen Knoblauchs kann Stump allerdings nicht verkaufen, da dessen Schale braun und brüchig wurde und dieser so von seinen Grosskunden nicht genommen werde. «Das passiert, auf das Wetter habe ich keinen Einfluss», sagt der Hofbesitzer. Die chinesischen Bauern könnten ihren Knoblauch chemisch bleichen, in der Schweiz sei dies verboten.

Den gesamten Knoblauch wegzuwerfen komme für ihn überhaupt nicht in Frage, aufgrund des schon viel zu grossen Food-Wastes, sagt Beat Stump. Was mit dem Knoblauch nun passiert? Stump sucht noch eine Lösung.

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