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Der Kanton St.Gallen verzichtet auf eine Maskenpflicht an den Schulen und in den Läden – damit stellt er sich gegen die Empfehlung des Bundes

Täglich zwei bis elf Fälle im Juli: Im Kanton St.Gallen ist die Entwicklung der Corona-Fallzahlen stabil.

Christoph Zweili
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Wird in den St. Galler Schulen die Corona-Abstandsregel eingehalten, gilt kein Masken-Obligatorium.

Wird in den St. Galler Schulen die Corona-Abstandsregel eingehalten, gilt kein Masken-Obligatorium.

Laurent Gillieron / KEYSTONE

Noch eine Woche bis zum Schulanfang in der Ostschweiz – blicken die Lehrer dann in ein Maskenmeer, wenn sie vor der Klasse stehen? Die Kantone Jura und Luzern haben bereits Mitte Juli erklärt, dass Gymnasiasten und Berufsschüler nach den Sommerferien mit Maske erscheinen müssen, sofern sich die epidemiologische Lage nicht verbessert. Mit Neuenburg hat nun bereits ein dritter Kanton die Maskenpflicht beschlossen, und zwar überall dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Eine zusätzliche Option wäre allenfalls sogar der Halbklassenunterricht.

Im Kanton St.Gallen ist die Lage deutlich entspannter, auch wenn die Bevölkerung nachlässiger geworden ist im Umgang mit den Hygiene- und Abstandsregeln, wie es in einer Mitteilung der Staatskanzlei heisst. Die Fallzahlen im Kanton steigen im Vergleich zum Mai und Juni wieder leicht an, die Entwicklung ist laut Kantonsarztamt aber stabil. Seit Anfang Juli gibt es täglich zwischen zwei bis elf bestätigte Fälle verteilt auf den ganzen Kanton. Die Zahl der Hospitalisierungen liegt sehr tief. Null bis zwei Personen pro Tag müssen auf der Intensivstation behandelt werden, die Spitäler haben daher genügend Kapazitäten. In den letzten vier Wochen sind zwei Personen am Virus verstorben.

Kanton lehnt Maskenpflicht in Läden ab

Mit diesen Zahlen liegt der Kanton St.Gallen im Schweizer Durchschnitt. Sie liegen unter der von der Regierung vorgegebenen Marke im Drei-Stufen-Plan. Dieser sieht verschärfte Massnahmen nur vor, wenn sich Ansteckungen an gewissen Orten häuften, wenn über mehrere Tage 30 bis 40 Neuansteckungen hinzukämen, bis zu 50 Covid-19-Patienten hospitalisiert oder bis zu zwölf Personen auf der Intensivstation behandelt werden müssten. Erst wenn diese Fallzahlen überschritten würden, würde die Regierung kantonsweite Massnahmen wie etwa das Tragen von Masken in Schulen und Läden verordnen. Weitere Massnahmen wären die Beschränkung der Zuschauerzahlen bei Veranstaltungen sowie Einschränkungen bei Besuchen in Pflege- und Altersheimen.

Aufgrund der niedrigen Fallzahlen hält der Kanton St.Gallen eine Maskenpflicht in den Läden aus medizinischer Sicht noch nicht für nötig, obwohl das Bundesamt für Gesundheit den Kantonen dazu rät. In Räumen, in denen die Abstandsempfehlung von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, wird aber zum Tragen einer Maske geraten.

Auch in den St.Galler Volksschulen, Berufs- und Weiterbildungszentren, Mittel- und Hochschulen führt der Kanton zum Schulbeginn nächste Woche keine Maskenpflicht ein. Wo die Abstände nicht eingehalten werden können, zum Beispiel im naturwissenschaftlichen Unterricht in den Mittelschulen, wird das Tragen einer Maske empfohlen. Diese Empfehlung gilt auch für Lehrpersonen, wenn sie den nötigen Abstand beim Unterrichten nicht einhalten können.

Regeln für Quarantäne an den Schulen

Stecke sich eine Schülerin oder ein Schüler mit dem Coronavirus an, stelle der Kanton die im gleichen Haushalt lebenden Personen unter Quarantäne, teilt der Kanton mit. Die anderen Schüler derselben Klasse und die Lehr- und Betreuungspersonen würden nicht unter Quarantäne gestellt. Die Schulen müssten keine weiteren Massnahmen umsetzen. Infizierten sich zwei oder mehr Schülerinnen und Schüler im Abstand von weniger als zehn Tagen in derselben Klasse, stellt der Kanton die ganze Klasse inklusive Lehrpersonen unter Quarantäne, unterrichtet wird nach Möglichkeit im Fernunterricht. Ausgenommen wären nur die Lehr- und Betreuungspersonen, die nachweisen können, dass sie keinen engen Kontakt unter 1,5 Metern und über 15 Minuten hatten oder eine Maske trugen.

Im Juli wurden 221 positiv getestete Personen in Isolation und 871 Personen in Quarantäne vom Contact-Tracing-Team betreut. Derzeit stehen 20 Contact-Tracerinnen und -Tracer (13 Vollzeitstellen) im Einsatz. Die Daten zeigen, dass sich mehr als ein Drittel der erkrankten Personen bei Familienmitgliedern und Verwandten ansteckt. Ein weiteres Drittel infiziert sich in den Ferien, 20 Prozent davon in einem Land mit erhöhtem Infektionsrisiko. Bei einem Viertel ist unklar, wo sich die betroffenen Personen infiziert haben.

Kanton macht Stichproben bei Ferien-Rückkehrern

Seit dem 6. Juli müssen sich Personen, die in Länder mit erhöhtem Infektionsrisiko reisen, nach ihrer Rückreise registrieren und für zehn Tage in Quarantäne. Bis jetzt haben sich 1807 Rückreisende gemeldet. Mit der Rückkehr zum Ende der Schulferien könnten die Fallzahlen bis Ende August weiter ansteigen, vermutet der Kanton. Obwohl die Einhaltung der Quarantänepflicht auf Eigenverantwortung basiere, steige die Zahl der Meldungen exponentiell an – laut Kanton ein Indiz, «dass die Registrationspflicht zunehmend eingehalten wird». Der Kanton erhält vom Bund regelmässig Hinweise auf Personen, die sich registrieren sollten. Das Team des Contact-Tracing kontaktiert diese Personen nach Stichproben: Haben sie sich nicht registriert und sind nicht in Quarantäne, erfolgt eine Meldung ans Gesundheitsdepartement. Bis jetzt hat der Kanton noch keine Bussen ausgesprochen.

Nach wie vor gilt: Wer in einem Land mit erhöhtem Infektionsrisiko in den Ferien war, muss nach der Einreise zehn Tage in Quarantäne und sich auf der Website des Kantons (sg.ch/coronavirus) registrieren, mahnt der Kanton St.Gallen.

Weitere Informationen sind bei der Infoline des Kantons St. Gallen unter der Telefonnummer 058 229 22 33 erhältlich.

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