Kolumne
Der Kanton St.Gallen foutiert sich nicht um Trends — der Wahlkampf bestätigt dies, leider

Der Kanton St.Gallen tanzt selten aus der Reihe. In den Wahlen im Herbst könnte genau das passieren. In der Hand haben es die Frauen.

Regula Weik
Merken
Drucken
Teilen
Zeichnung: Tom Werner

Zeichnung: Tom Werner

Der Wahlherbst gehört der Umwelt und den Frauen. Das neue Parlament wird grüner und weiblicher. Das sagen Politologen.

Wer einen Tesla besitzt, fährt damit geräuschlos in jede Talkshow. Längst sind alle vegi oder vegan – ausser ein paar wenige Kandidaten der Fleischbranche. Die Ferien verbringen alle auf dem Campingplatz. Die wenigen Nicht-Gartenbesitzer züchten Tomaten vor dem Küchenfenster. Letztmals richtig Geld ausgegeben wurde für Wärmepumpe oder Solaranlage. Und wer zur Miete wohnt, tut dies in einem Minergiehaus.

Wird das neue Parlament grüner? Ja! Wer den Kandidaten zuhört, der weiss: Sie sind alle umweltbewusst, energiesparend, ressourcenschonend unterwegs. Grüner geht nicht mehr. Reifer schon.

Wird das neue Parlament weiblicher? Ist dem so? Der Wahlkampf lässt daran zweifeln. Drängt in die erste Reihe, liebe Frauen. Lasst euch auf Podien nicht am Rand platzieren. Produziert nicht eure eigenen Talksendungen. Stürmt die grossen Fernsehstudios. Lasst euch das Mikrofon nicht entreissen, das Wort nicht abschneiden. Gebt euch nicht mit dem Amt der Aktuarin im Parteivorstand zufrieden. Lasst bei Standaktionen die Männer die Flyer ordnen und sprecht derweil Passanten an. Schickt die Männer die Kinder von der Kita abholen und diskutiert derweil mit Wirtschaftsvertretern.

Liebe Kandidatinnen, liebe Wählerinnen, verhelft den Politologen im Herbst zu einem triumphalen Sieg. Und fügt die Niederlage euern Konkurrenten zu!


Das Tagblatt Wahldossier

Am 20. Oktober wählt die Schweiz ihr eidgenössisches Parlament. Alles zu den Wahlen von National- und Ständerat, und was sie für die Ostschweiz bedeuten, finden Sie in unserem Dossier.