Der Kanton setzt auf hohe Kanten

Der Kanton St. Gallen empfiehlt neu, Perrons an Bushaltestellen 50 Prozent höher zu bauen – als Erleichterung für Rollstuhlgänger. Dies hat der Regierungsrat Beni Würth kürzlich bekanntgegeben. Einige Gemeinden bauen schon jetzt nach diesem Standard.

Martin Rechsteiner
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WATTWIL. An der Generalversammlung des Behindertenverbands Procap St. Gallen-Appenzell in Wattwil war am 2. April politische Prominenz vertreten: Der St. Galler Regierungsrat und Leiter des kantonalen Volkswirtschaftsdepartements, Beni Würth (CVP) versprach den Anwesenden, dass sich der Kanton für mehr Behindertengerechtigkeit im öffentlichen Verkehr einsetzt. Konkret sollen die Kanten neu gebauter Perrons an Bushaltestellen ab jetzt 23 Zentimeter hoch sein. Bislang galt im Grundsatz eine Höhe von mindestens 16 Zentimetern. «Dabei handelt es sich aber nur um eine Empfehlung des Kantons an die Gemeinden und die Verkehrsbetriebe, basierend auf der Schweizerischen Verkehrsplaner-Norm», sagt Roland Eberle, Geschäftsleiter der Procap St. Gallen-Appenzell. Er hat sich beim Kanton für die Ausarbeitung dieser Empfehlung eingesetzt.

«Hohe Kanten sind optimal»

«Zwar sind heute die meisten Busse in der Lage, sich auf eine Seite zu neigen und so den Einstieg für Rollstuhlgänger zu erleichtern», sagt Roland Eberle. «Dieses sogenannte Kneeling der Busse führt aber zu einem Gefälle beim Einstieg, das für eine Person im Rollstuhl hinderlich sein kann. Deshalb sind höhere Perronkanten optimal.»

Laut dem Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) des Bundes müssen bis Ende des Jahres 2023 alle Bushaltestellen für Rollstuhlgänger autonom zugänglich sein. Das bedeutet, dass diese fähig sein sollen, ohne Hilfe des Chauffeurs oder einer Rampe in das Fahrzeug zu gelangen. «Dafür sind höhere Perronkanten die beste Lösung», sagt Eberle. Allerdings seien viele Ausnahmen nötig. «Bei Bushaltestellen, die in einer Bucht neben der Fahrbahn angelegt sind, kann die Kante nicht erhöht werden.» Denn ein Teil der Bus-Karosserie rage beim Einfahren in die Bucht jeweils über das Perron. «Wäre die Kante höher, bliebe der der Bus stecken», sagt Eberle. Ebenfalls Probleme gebe es bei Bussen, deren Türen sich nach aussen öffnen und deshalb an einer erhöhten Kante anstossen würden.

Umsetzung in St. Gallen und Wil

Die Gemeinden nehmen sich die Empfehlung des Kantons bereits zu Herzen. «Selbstverständlich versuchen wir, im öffentlichen Raum der Stadt so behindertengerecht wie immer möglich und verhältnismässig zu bauen», sagt Beat Rietmann vom Tiefbauamt der Stadt St. Gallen. So erhalten die neuen Busterminals am St. Galler Hauptbahnhof Perrons mit einer Höhe von 22 Zentimetern.

Auch beim Busbahnhof Wil, der bald umgebaut werden soll, wird der möglichst einfache Zugang für Behinderte angestrebt. «Wir halten die gültigen Normen natürlich ein», sagt Bettina Latzer, Projektleiterin Verkehr der Stadt Wil. In Wil würden die Perrons 23 Zentimeter hoch gebaut, wo es die Befahrbarkeit zulasse.

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