Der Höhenflug ist zu Ende: HC Thurgau verliert gegen die HCB Ticino Rockets

Der Ausflug des HC Thurgau ins Tessin ist mit einer Niederlage zu Ende gegangen. Drei Gegentreffer im Mitteldrittel innert knapp zweier Minuten besiegelten das Schicksal der Gäste.

Robert Szendröi, Biasca
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HCT-Trainer Stephan Mair sah einen wenig überzeugenden Auftritt seiner Mannschaft.

HCT-Trainer Stephan Mair sah einen wenig überzeugenden Auftritt seiner Mannschaft.

Bild: Freshfocus

In den vergangenen Jahren wurden die Ticino Rockets vielerorts als Kanonenfutter der Swiss League gehandelt. Nicht so in der eben angelaufenen Saison, denn zuletzt landeten sie beim gross gehandelten Aufstiegsaspiranten EHC Kloten einen unerwarteten und feinen 2:0-Erfolg. Damit waren die Schützlinge von HCT-Coach Stephan Mair gewarnt.

Thurgauer Konzept hält 28 Minuten lang

Nachdem sich beide Teams in der Anfangsphase aufs Abwarten konzentriert hatten, nahmen die Thurgauer danach etwas mehr Fahrt auf. So verzeichneten sie die ersten vielversprechenden Abschlussversuche mit Patrick Spannring (5.) und Topscorer Frantisek Rehak (9.). Auf der Gegenseite antwortete vorerst nur Tim Lutz (8.) mit einem zu harmlosen Geschoss aus freistehender Position.

Davon liessen sich die Gäste nicht beirren. Im Gegenteil: Es waren im zweiten Überzahlspiel der Mair-Truppe gerade einmal fünf Sekunden verstrichen, als die rote Laterne erstmals hinter dem Kasten von Rockets-Torhüter Viktor Östlund aufleuchtete. Nach einer schnellen Kombination von Jan Mosimann über Bernhard Fechtig verwertete Thurgaus Topscorer Rehak (12.) eiskalt zur bis anhin verdienten 1:0-Führung.

Kehrtwende binnen knapp zweier Minuten

Der HCT startete vehement in den Mittelabschnitt. Allerdings waren die Angriffsaktionen nicht konkret genug, um den Tessiner Goalie Östlund zu beunruhigen. Schliesslich machte sich wohl etwas Frust breit, als sich Mosimann (27.) eine kleine Strafe für einen hohen Stock einhandelte. In diesem Powerplay begannen die Biaschesi erstmals, Torlunte zu riechen, und entzündeten ihr Feuer mit dem 1:1-Ausgleichstreffer durch Petr Cajka (28.).

Nur 49 Sekunden später jubelten sie schon wieder, denn Giona Bionda (29.) traf mit einem flachen Handgelenkschuss in die weitere Torecke des machtlosen HCT-Schlussmanns Nicola Aeberhard. Schliesslich löste Jannik Canova (29.) das Grossfeuer aus, indem er die Zweiminuten-Strafe gegen Spannring zur dritten Mouche ausnützte. Nun war seitens der Thurgauer eine Feuerwehrübung gefragt.

HCT mit zu zaghafter Reaktion im Schlussdrittel

Die Gedanken an eine Aufholjagd waren zwar gebündelt, aber die Thurgauer kamen nicht mehr wunschgemäss auf Touren. Sämtliche Hoffnungen der Gäste auf einen Punktgewinn löschte letztlich Biascas Stürmer Emilijus Krakauskas (48.), als er Mitte des dritten Drittels einen mustergültigen Konterangriff zum 4:1 abschloss. Die weiter zu laue Reaktion der Mair-Schützlinge reichte nur noch zur vorläufigen 4:2-Resultatkosmetik durch Ex-Rockets-Verteidiger Misha Moor (58.) aus. Das 5:2-Schlussergebnis besiegelte Krakauskas (60.) mit seinem zweiten Tor ins verlassene Thurgauer Gehäuse.

«Ist uns nicht gelungen»

Nüchtern analysierte Neo-HCT-Stürmer Jan Mosimann den verfehlten Auftritt: «Wir wollten unser System nach 20 Minuten über die ganze Distanz durchziehen. Leider ist uns dies nicht gelungen. Die zu vielen Turnovers kosteten uns zu viel Kraft. Schade, dass wir den möglichen Anschlusstreffer nicht gleich zu Beginn des Schlussabschnitts bewerkstelligten. Wenn wir unser Spiel wieder über 60 Minuten durchziehen und aus unseren Fehlern lernen, sehe ich dem nächsten Spiel gegen Kloten optimistisch entgegen.»

Fröhlicher sah Rockets-Sportchef Sébastien Reuille nach der Schlusssirene aus: «Dieses Jahr haben wir eine Stammequipe. Damit sind wir stabil und haben nur wenige Wechsel zu verzeichnen. Ausserdem können wir auf Cracks zählen, die Spiele zu unseren Gunsten entscheiden können.»

HCB Ticino Rockets - Thurgau 5:2 (0:1, 3:0, 2:1)
Raiffeisen BiascArena, Biasca. - 135 Zuschauer.- SR: Eichmann, Fausel; Ammann, Nater.
Tore: 11:38 Rehak (Fechtig, Mosimann/Ausschluss Fontana) 0:1. 27:32 Cajka (Haussener, Krakauskas/Ausschluss Mosimann) 1:1. 28:21 Bionda (Canova) 2:1. 29:22 Canova (Anthony Neuenschwander, Fontana/Ausschluss Spannring) 3:1. 47:01 Krakauskas (Fontana, Cajka) 4:1. 57:01 Moor (Rehak) 4:2. 59:46 Krakauskas (Cajka/leeres Tor) 5:2.
HCB Ticino Rockets: Östlund; Guebey, Fontana; Del Ponte, Hänggi; Matewa, Pinana; Franzoni; Vedova, Anthony Neuenschwander, Haussener; Bionda, Canova, Schwab; Krakauskas, Cajka, Lutz; Mazzolini, Kasslatter, Ritzmann; Misani.
Thurgau: Aeberhard; Moor, Schmuckli; Scheidegger, Fechtig; Soracreppa, Parati; Spannring, Fritsche, Murphy; Mosimann, Rundqvist, Rehak; Hinterkircher, Brändli, Baumann; Schnyder, Moser, Lanz.
Strafen: HCB Ticino Rockets 6x2‘. Thurgau 5x2’.
Bemerkungen: HCB Ticino Rockets ohne Joël Neuenschwander, Deluca (beide verletzt), Pastori, Fadani, Dufey, Gaeta und Zangger (alle abwesend). Thurgau ohne Hulak, Hobi, Wildhaber, Bischofberger, Hollenstein, Loosli (alle verletzt), Hagel, Bader (beide abwesend) und Rüegger (überzählig). Thurgau erstmals mit Neuverpflichtung Mattia Hinterkircher. 57:10-59:46 Thurgau ohne Torhüter. Torschüsse: 33:35. Beste Spieler: Jannick Canova (HCB Ticino Rockets) und Frantisek Rehak (Thurgau).