Der heutige Universitätsrat St.Gallen ist ein Auslaufmodell — Die künftigen Auswahlkriterien werden andere sein, zu reden geben sie bereits

Das St.Galler Kantonsparlament wählt vier neue Köpfe ins oberste strategische Führungsorgan der HSG. Das nächste Mal werden die Anforderungen an die Kandidatinnen und Kandidaten andere sein. Dies, weil das Universitätsgesetz überarbeitet wird.

Regula Weik
Drucken
Teilen
Das Bibliotheksgebäude an der HSG.

Das Bibliotheksgebäude an der HSG.

Michel Canonica

Michael Götte, Beat Eberle, Regula Mosberger und Patrick Ziltener: So heissen die neuen Mitglieder des Universitätsrats St.Gallen. Sie sind am Dienstag vom Kantonsparlament für die Amtsdauer 2020 bis 2024 in das Gremium gewählt worden – nicht zuletzt dank ihrer politischen Ausrichtung. Denn die Stärke der Parteien im Kantonsparlament bestimmt die Zusammensetzung des obersten strategischen Organs der HSG. So wurden Götte (SVP), Eberle (CVP), Mosberger (SP) und Ziltener (Grüne) denn auch von den jeweiligen Fraktionen vorgeschlagen.

Die Vertretung der Grünen im Unirat ist ein Novum: Sie haben den Sitz dank ihres Wahlerfolgs in den kantonalen Wahlen im März geholt – auf Kosten der SVP. Der aktuelle Universitätsrat setzt sich wie folgt zusammen: 3 CVP, 2 FDP, 2 SP, 2 SVP, 1 Grüne. Hinzu kommt Bildungschef Stefan Kölliker (SVP) als Präsident des Gremiums; so sieht es das Gesetz vor.

Der Unirat soll verkleinert und entpolitisiert werden

Mit dieser Dominanz der Parteien bei der Bestellung des Universitätsrats soll allerdings bald Schluss sein. Das geltende Universitätsgesetz ist in Revision und eine der wichtigsten Änderungen betrifft den Unirat. Das Gremium soll nicht nur verkleinert, es soll auch nicht mehr nach parteipolitischen, sondern nach rein fachlichen Kriterien gewählt und zusammengesetzt werden.

Der Vorschlag ist brisant. Das zeigten erste Reaktionen, nachdem Anfang Jahr ein Entwurf des neuen Gesetzes vorgestellt worden war. Dadurch werde «die HSG-Mentalität konserviert und die Politik entmachtet», reagierte die SP damals geharnischt. Aufgrund der «entstandenen Unkultur» an der HSG brauche es im Universitätsrat «politische Bodenhaftung», kritisierte die damalige Co-Präsidentin der SP-Fraktion und heutige Regierungsrätin Laura Bucher.

Eine weitere Änderung betrifft den Bildungschef selber: Er soll – analog zum Modell der Fachhochschule Ost – künftig nicht mehr zwingend den Unirat präsidieren, respektive darin vertreten sein. So wie es heute auch bei anderen Verwaltungsräten Usus ist, etwa jenem der Spitalverbunde. Der Entwurf des neuen Universitätsgesetzes ist derzeit in den HSG-Gremien in der Vernehmlassung. Die Politik ist 2022 wieder am Zug, wenn die Regierung das Gesetz dem Kantonsparlament vorlegt; in Kraft treten soll es 2023.

Die Wahl der vier neuen Uniratsmitglieder war an der Sitzung vom Dienstag im Kantonsparlament unbestritten. Die Resultate der zehn Mitglieder fielen allerdings unterschiedlich aus; von den vier Neuen schwang Götte klar obenaus. Die SP hatte seine Kandidatur unterstützt, dennoch warf Fraktionschefin Bettina Surber die Frage auf, ob die Tätigkeit als Kantonsrat mit jener als Unirat vereinbar sei. Götte ist nicht der einzige mit diesem Doppelmandat; auch Yvonne Suter und Thomas Scheitlin sind in beiden Gremien vertreten. Die Anforderungen an künftige Kandidatinnen und Kandidaten dürften bei der Beratung des neuen Gesetzes noch zu reden geben.

Das sind die elf Mitglieder des Universitätsrats St.Gallen:

  • Stefan Kölliker, Vorsteher des Bildungsdepartements, SVP, Präsident (nach heutigem Unigesetz ist die Bildungschefin oder der Bildungschef Präsidentin oder Präsident des Universitätsrats);
  • Silvia Bietenharder-Künzle, Steuerexpertin, Jona, SVP (bisher);
  • Michael Götte, Gemeindepräsident, Leiter kantonale Politik IHK, Tübach, SVP (neu);
  • Beat Eberle, Rechtsanwalt, Berater, Flumserberg, CVP (neu);
  • Josef Sonderegger, Wirtschaftsprüfer, Lüchingen, CVP (bisher);
  • Yvonne Suter, Direktorin, Rapperswil-Jona, CVP (bisher);
  • Stefan Kuhn, Unternehmer, St.Gallen, FDP (bisher);
  • Thomas Scheitlin, Stadtpräsident, St.Gallen, FDP (bisher);
  • Kurt Hollenstein,  Ingenieur Strukturverbesserung, Uznach, SP (bisher);
  • Regula Mosberger, Geografin, Buchs, SP (neu);
  • Patrick Ziltener, Dozent, St.Gallen, Grüne (neu).
Mehr zum Thema