Der Herr des Kreuzlinger Rätselraums

Der Schüler Benjamin Sachweh aus der pädagogischen Maturitätsschule hat für seine Maturaarbeit das Thema «Escape Room» gewählt. Im Keller der Schule hat er einen solchen für seine Mitstudenten eingerichtet.

Annika Wepfer
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Der PMS-Schüler Benjamin Sachweh in seinem eigenen «Escape Room». (Bild: Donato Caspari)

Der PMS-Schüler Benjamin Sachweh in seinem eigenen «Escape Room». (Bild: Donato Caspari)

«Normalerweise löst niemand freiwillig Rätsel», sagt Benjamin Sachweh und lacht. Bei ihm sieht das aber ganz anders aus. Er liebt Rätsel und hat das Rätseln zu seiner Maturaarbeit gemacht. Im Keller der pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen befindet sich ein verlassener Raum. Sachweh durfte diesen benutzen, um einen escape room daraus zu machen. Jetzt sieht das Zimmer ganz anders aus. Überall stehen verschlossene Kisten, verschiedene Möbel, Schlösser und eine Glocke. «Wenn die Besucher des escape room’s nicht mehr weiter kommen, dann können sie einfach mit der Glocke läuten und ich komme rein und helfe ihnen.»

Fluchträume sind nicht nur zum flüchten da

Aber was ist überhaupt ein escape room, oder ein sogenannter Fluchtraum? Eine Gruppe Leute wird in einen Raum gesteckt, aus dem sie nicht wieder rauskommt. Ausser sie löst verschiedene Rätsel und findet raus, wie sie aus dem Raum entkommen kann. Es gibt verschiedene Hinweise und das Zeitfenster ist eine Stunde, wenn man danach nicht draussen ist, hat einfach das Spiel verloren. «Insgesamt habe ich bestimmt schon acht verschiedene escape room’s gespielt. In jeden Ferien schaue ich immer, ob es vor Ort einen solchen Raum hat.

Angefangen hat das ganze in Prag mit meiner Familie. Dort habe ich das erste Mal gespielt und meine Leidenschaft entdeckt. Gleich nach dem Spiel konnte ich meine Eltern überzeugen, nochmals eines zu suchen und zu spielen», erzählt Sachweh. Da er zuerst an der Kanti war, musste er sich im dritten Jahr schon mit der Maturaarbeit befassen und hatte bereits schon die perfekte Idee. Benjamin wechselte dann in die PMS. Während die anderen am Ideen sammeln waren, hatte Sachweh bereits schon seit einem Jahr einen Plan.

«Meine praktische Arbeit war mir sehr wichtig und ich investierte über ein dreiviertel Jahr hinein. Ich arbeitete am Wochenende und nach der Schule am Raum und es machte mir immer Spass.» Für die Maturaarbeit gibt es aber nicht nur einen praktischen Teil, sondern auch einen wichtigen schriftlichen Teil. Der erste Teil der schriftlichen Arbeit, schrieb er über das Thema escape room. Leider füllte das die Seiten aber nicht ganz und darum wählte er sich das Thema Schule aus. «Ich ging ins Schulmuseum in Amriswil und wurde auf einen sogenannten Karzer aufmerksam. Karzer waren früher Arrestzellen für Schüler und Studenten. Also bekam der Titel meiner Arbeit den Namen: «Strafen in der Schule».

So verknüpfte er das schriftliche Thema mit dem praktischen, also seinem escape room, und schrieb als Hauptteil ein Arbeitsjournal, seinen Arbeitsprozess auf. «Ich würde sagen, das schwierigste an meiner Arbeit war, Möbel zu finden, welche ich für den Raum brauchen konnte und diese Möbel abschliessbar zu machen. Ich war auf verschiedensten Flohmärkten und suchte nach brauchbaren Teilen». Wenn er seine Arbeit in fünf Jahren noch einmal machen würde, und mehr Geld hätte, dann würde er mehr Technik einsetzen. Sein jetziges Projekt war ohne Elektronik. Dafür war Benjamin aber mehr als zufrieden.

Mit Versuchskaninchen fing es an

«Anfangs probierten zwei meiner Freunde den Raum aus. Ich sass dabei und half ihnen ein wenig, das muss ich zugeben, aber es klappte alles. Das erste Mal haben es dann meine Referenten gespielt und die Sache wurde ernst. Sie schlugen sich toll und schafften es nach 55 Minuten aus dem Raum». Nach seiner Matura macht der Schüler ein Jahr Pause. Der Traum für die Zukunft sei natürlich einen eigenen Escape Room zu führen und damit auch sein Geld zu verdienen. «In solchen Räumen taucht man immer in Fremde Welten ein. Es ist toll, dass ich die Möglichkeit habe Leute damit zu begeistern».

Leider ist der Raum nicht öffentlich. Nur Schüler der PMS dürfen ihn nutzen. «Der Raum wird nur bis zu den Weihnachtsferien stehen, danach muss ich ihn leider räumen. Bis dahin habe ich alle Hände voll zu tun, ich bin jetzt schon ausgebucht bis zu den Ferien», grinst Sachweh.

Weiterer Schritt zur Studienreife

108 Maturaarbeiten haben die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen am Wochenende an der Pädagogischen Maturitätsschule in Kreuzlingen präsentiert.
Inka Grabowsky