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Der Henkersplatz

Platz da Mit dieser letzten Folge steigt die «Platz da»-Serie aufs Schafott. Berichtet wird von einem Ort, wo das letzte militärische Todesurteil der Schweiz vollzogen wurde.
Michael Hug
In Oberuzwiler «Flurhof» musste Ernst Schrämli 1941 sein Leben lassen – heute ist es friedlicher. (Bild: Michael Hug)

In Oberuzwiler «Flurhof» musste Ernst Schrämli 1941 sein Leben lassen – heute ist es friedlicher. (Bild: Michael Hug)

«Détachement: Ein Schuss laden, Anschlagen, Feuer!» Schweizer Feldschützen und Feldschützinnen kennen dieses Kommando. Üblicherweise fliegen dann die Kugeln auf eine Reihe 300 Meter weit entfernter Pappscheiben, auf dass möglichst in die Mitte der darauf abgebildeten Figur getroffen wird. Genugtuung dann, wenn auf dem Bildschirm beim Schiessenden eine Vier aufleuchtet, Frust wenn es nur eine Zwei ist.

Schiessbefehl zur Hinrichtung

Den Soldaten des Erschiessungsdétachements vom 11. November 1942 beim Munitionsdepot im «Flurhof» bei Oberuzwil dürften andere Gefühle durch den Kopf gegangen sein. Jedem von ihnen wäre lieber gewesen, er hätte gar nicht getroffen. Aber sie gehorchten dem Schiessbefehl des Kommandanten, auch sie luden je eine Patrone in ihre Karabiner, legten sich das Gewehr an die Schulter und drückten ab.

Aber 20 Meter vor ihnen stand keine Pappscheibe, sondern ihr Kamerad Schrämli Ernst. Der gab keinen Mucks von sich und kein Zeichen, er fiel einfach tot um.

Der Grund für die Exekution lag in dessen Nebenverdienst. Motorfahrer Schrämli aus St. Gallen war nämlich Landesverräter. Er war einer von 17 Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs durch Schweizer Kugeln starben. Es waren die letzten hierzulande vollzogenen militärischen Todesurteile. Schrämlis Tat, die sein Leben nach nur 23 Jahren jäh beendete, war keine nichtige: Er hatte der Deutschen Wehrmacht fünf gestohlene Granaten und ein paar unbrauchbare Skizzen von Bunkerstellungen verkauft. Sein Prozess war aufsehenerregend – und das Urteil scheint auch aus der heutigen Sicht völlig überzogen.

Schwierige Jugend

Ernst Schrämli hatte es nicht leicht in seiner Jugend. Geprägt durch den frühen Tod der Mutter und den alkoholksüchtigen Vater geriet er wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt. Vormundschaft, Erziehungsanstalt, Arbeitslager, militärische Disziplinarstrafen und eine Verurteilung wegen eines Schändungsversuchs waren die Folge.

Trotzdem war Schrämli kein politisch motivierter Verräter, er war wohl einfach nur leicht beeinflussbar. «Die Kleinen erschiesst man, die Grossen lässt man laufen» lautete der Tenor von Niklaus Meienbergs Buch «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.» und des darauf basierenden gleichnamigen Films aus dem Jahr 1976.

Während die Waffenhändel von Emil Georg Bührle mit den Nazis und die Sympathien diverser Politiker und Militärs für das Dritte Reich toleriert wurden, starben Ernst Schrämli und 16 Kameraden im Kugelhagel der Hinrichtungsdétachements.

Geheime Militärsache

Warum gerade dieses Wäldchen mit Namen «Flurhof» zwischen Oberuzwil und Jonschwil für die Hinrichtung ausgesucht wurde ist nicht bekannt. «Man sagt, dass es dort gewesen sei», meint Oberuzwils Dorfchronist Franz Deiss, «aber es gibt nichts Schriftliches.» Geheime Militärsache. Heute deutet nichts mehr auf die Nacht vom 10. auf den 11. November 1942 hin. Beim ehemaligen Munitionsdepot am Flurhofsträsschen sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht. Die militärische Todesstrafe wurde in der Schweiz erst 1992 abgeschafft. Das letzte zivile Todesurteil wurde 1867 vollstreckt.

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