Der Haussegen bei den Samaritern hängt schief: Toggenburger Vereine fürchten wegen nationaler Sammelaktion um ihre Spendeneinnahmen

Ostschweizer Samaritervereine stören sich an einer nationalen Spendenaktion des Dachverbands.

Adi Lippuner
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Der Schweizerische Samariterverband hat einen gestaffelten Spendenaufruf in der deutschen und französischen Schweiz lanciert. Ostschweizer Vereine fürchten daher um ihre Spendeneinnahmen.

Der Schweizerische Samariterverband hat einen gestaffelten Spendenaufruf in der deutschen und französischen Schweiz lanciert. Ostschweizer Vereine fürchten daher um ihre Spendeneinnahmen.

Symbolbild: Gaetan Bally / KEYSTONE

Jeweils im Frühjahr, im Spätsommer oder Herbst, wenden sich die Toggenburger Samaritervereine mit einem Brief an die Bevölkerung. Darin bitten sie um eine freiwillige, finanzielle Zuwendung zur Erfüllung ihrer Aufgaben. Nun, während der Corona-Pandemie, hat der Schweizerische Samariterverband einen gestaffelten Versand in der deutschen und französischen Schweiz lanciert.

Das stösst den örtlichen Präsidentinnen sauer auf. Im Brief des Dachverbands heisst es: «Samariter und Samariterinnen sind während der Corona-Krise an vielen Orten der Schweiz im Einsatz, sie unterstützen Kantone und Gemeinden, Gesundheitseinrichtungen und Privatpersonen», das stösst den örtlichen Samaritervereinen sauer auf.

Zurückhaltung auf kantonaler Ebene

«So nicht. Wir distanzieren uns in aller Form von dieser Sammlung,» lautet der Tenor der Samaritervereine aus dem Obertoggenburg, die nun gemeinsam einen Flyer gestalteten haben. Hinter der Protestaktion stehen Toggenburger Samaritervereine. Die jeweiligen Präsidentinnen und Präsidenten haben sich abgesprochen und wollen mit ihrem Flugblatt der Bevölkerung mitteilen, dass die Gelder, welche auf diesem Weg gesammelt werden, zur Finanzierung der Dachorganisation und nicht der örtlichen Vereine dienen. Sonja Hickert, Präsidentin des Samaritervereins Nesslau, sagt:

«Die Einnahmen brechen bei allen weg und deshalb ist es unfair, wenn auf schweizerischer Ebene vorgeprescht wird.»

Ursula Forrer, Präsidentin des kantonalen Samariterverbands St.Gallen-Fürstentum Liechtenstein und Mitglied im Zentralvorstand des Schweizer Samariterbunds, hat Verständnis, dass die lokalen Vereine Mühe mit den Neuerungen haben.

«Aber die gesammelten Gelder kommen letztendlich allen zu gute.»
Samariterlehrerin Regula Schafflützel, Krummenau, Sonja Hickert, Präsidentin Nesslau und Monika Stauffacher, Präsidentin Wildhaus-Alt St.Johann mit dem Spendenaufruf des Schweizerischen Samariterbunds.

Samariterlehrerin Regula Schafflützel, Krummenau, Sonja Hickert, Präsidentin Nesslau und Monika Stauffacher, Präsidentin Wildhaus-Alt St.Johann mit dem Spendenaufruf des Schweizerischen Samariterbunds.

Bild: Adi Lippuner

Das sieht auch der Schweizerische Samariterbund so. Direktor Peter Lack nimmt in seiner Stellungnahme eines gleich vorweg: «Wir haben 24 Kantonalverbände und sind seit mehr als zwölf Monaten in einem Strategieprozess zur Neuausrichtung. In diesem Zusammenhang ist auch die Beschaffung der Mittel ein Thema. Von Seiten der Kantonalverbände gab es positive Rückmeldungen.» Wegen der Coronapandemie sei erstmalig ein nationales Spendemailing versandt worden, «denn wir durften feststellen, dass sich die Samariter auf allen Ebenen ab dem 17. März sehr für die Bevölkerung eingesetzt haben.»

Die Gelder werden aufgeteilt

Lack äussert sich auch zur künftigen Verwendung der Spendeneinnahmen. So sollen die Gelder zwischen der Geschäftsstelle der Dachorganisation und den Kantonalverbänden, die ebenfalls finanzielle Mittel für die Aufrechterhaltung des Samariterwesens benötigen, aufgeteilt werden. Die Kantonalverbände seien frei, die Spenden an ihre Mitglieder, also an die lokalen Vereine, weiter zu geben. Zudem stehe die Sammelaktion nicht in Konkurrenz der Sammlungen der Ortsvereine. «Die lokalen Vereine haben ihre eigenen, treuen Spender, wir versuchen zusätzliche Quellen zu erschliessen,» sagt Peter Lack.

Gemäss Aussagen der Toggenburger Samariter wurden die Präsidenten und Kursleiter der lokalen Verbände via eines Newsletters Ende März über das Spendenmailing des Schweizerischen Samariterbunds informiert. Der Dachverband begründet dieses Vorgehen wie folgt: «Wir beschreiten mit dieser Massnahme neue Wege und sind davon überzeugt, dass wir so langfristig neue Finanzierungsmöglichkeiten erschliessen und die verbandsinterne Finanzierung durch die Mitglieder entlastet wird.»