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Der Glockenkönig von Rorschacherberg: Leder ist sein Leben

Ernst Thoma aus Rorschacherberg hat als Seemann die Welt bereist. Dann begann er, Lederbänder für Kuhglocken und Chüeligürtel herzustellen. Jetzt exportiert er sogar in die USA.
Martin Rechsteiner
Ernst Thoma prüft in seiner Sattlerei in Rorschacherberg einen Chüeligurt. (Benjamin Manser)

Ernst Thoma prüft in seiner Sattlerei in Rorschacherberg einen Chüeligurt. (Benjamin Manser)

Dies ist ein Artikel der "Ostschweiz am Sonntag". Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

Ernst Thoma sitzt entspannt in seinem Büro in Rorschacherberg. Alte Fotos an der Wand zeugen von der Zeit, als das Gebäude noch ein Restaurant war. Thomas weisses Haar liegt glatt an seinem Kopf an, schön zurechtgekämmt. Der 77-Jährige hat wache blaue Augen, im Gesicht ein zufriedenes Lächeln. Er trägt einen auffälligen goldenen Anhänger um den Hals, an seinem Gürtel prangt eine grosse Schnalle mit drei Kühen drauf. «Das ist eins unserer neuesten Stücke, von Cowboys inspiriert. Ich habe aber extra drauf geachtet, dass die Schnalle nicht zu gross wird. So kann sich auch ein Mann mit Bauch hinsetzen, um einmal ein Bier zu trinken.»

Keine Lust auf Gastro

Thoma ist ein hemdsärmeliger Typ, ein Macher. Sein Reich ist die Sattlerei, ein Familienbetrieb, der in der Region und weit dar­überhinaus bekannt ist. Er stellt die beliebten Chüeligürtel her sowie verzierte Lederhalsbänder für Kuhglocken. Angefangen hat aber alles anders. Thoma wuchs mit neun Geschwistern in einer Wirtefamilie auf. Weil seine Schwestern damals im Restaurant – dem inzwischen geschlossenen «Paradies» in Rorschacherberg – aushalfen, wurde es im Volksmund «Haus der sieben Mädels» genannt. Ernst Thoma interessierte sich nicht besonders für die Gastronomie. Sein Herz schlug für die Technik. So absolvierte er eine Lehre als Maschinenzeichner bei den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein.

"Wir haben in Polen gelebt wie die Könige."

Nach dem Abschluss ergriff ihn das Fernweh – der junge Mann heuerte auf einem Frachtschiff an, zuerst als Maschinenreiniger, später als Maschinist. Zwölf Jahre verbrachte Thoma auf See und erlebte das eine oder andere Abenteuer. Und er entdeckte seinen Geschäftssinn. «Einmal habe ich alte Zeitschriften in Schweden mit aufs Schiff genommen und sie in Angola verkauft – das war ein gutes Geschäft.» Einen Teil des verdienten Geldes – amerikanische Dollars – habe er auf einer nächsten Reise in polnische Zloty getauscht, was damals besonders viel einbrachte. «Darauf haben wir ein paar Tage in Polen gelebt wie die Könige», sagt Thoma. Das war in den 1960er-Jahren – der Ostschweizer war also einer der Frühen, die sich die Globalisierung zu Nutze machten.

Spezialisierung auf Gravuren

Dann, im Jahr 1972, rief ihn sein Vater zurück in die Schweiz. Thoma sollte das elterliche Geschäft übernehmen. Er absolvierte die Wirteschule, die gastronomische Leitung des Restaurants überliess er aber seinem Vater. Sein Interesse galt der hauseigenen Sattlerei. Dort stellte der Vater landwirtschaftliche Artikel und Glockenriemen her, die er an der Olma verkaufte.

Thoma begann, die Werkstatt auszubauen, schaffte Maschinen an. Seine Idee: Er wollte nicht nur Glockenriemen produzieren, sondern in der Region von Hof zu Hof fahren und Kuhglocken und Riemen gleich vor Ort reparieren. Das kam an. Bald hatte er keine Zeit mehr herumzufahren, die Kunden kamen zu ihm nach Rorschacherberg.

Thoma begann, sein Sortiment zu erweitern, stellte Gürtel her, spezialisierte sich auf Gravuren und verkaufte Edelweisshemden. Er stellte mehr Leute ein, heute arbeitet ein zehnköpfiges Team in seiner Etro AG. Vor allem die Lederwaren und die Glocken finden nicht nur in der Ostschweiz, sondern auch Übersee, etwa in den USA, Absatz. Und natürlich fährt der «Glockenkönig von Rorschacherberg» jedes Jahr wie sein Vater an die Olma.

Kuhglocken für Sonja Nef

Für seine Produkte fand der Rorschacherberger auch prominente Abnehmer. Im Flur hängt ein Bild der Skirennfahrerin Sonja Nef, wie sie eine von Thomas grossen Kuhglocken hält. «Sonja ist eine gute Bekannte von mir. Ich habe ihr für jede gewonnene Medaille eine Glocke geschenkt.»

Der 77-Jährige ist nun daran, die Firma an seinen Sohn Eric zu überschreiben. Das Restaurant Paradies, in dessen Gebäude sich die Werkstatt immer noch befindet, dient inzwischen als Wohnung für Thoma junior und seine Familie. Das mit der Übergabe des Geschäfts sei aber so eine Sache, sagt Vater Ernst. «Das Rechtliche dauert eine Weile. Und klar, mein Sohn und ich sind nicht immer gleicher Meinung, was die Führung angeht.» Das sei aber normal, die kleinen Meinungsverschiedenheiten seien immer schnell beigelegt. «Sie hätten sehen sollen, wie das in den ersten Tagen lief, als mein Vater mir das Geschäft übergeben hat», sagt er und lacht laut heraus.

Auch mit seinen 77 Jahren kann es Ernst Thoma nicht lassen, in der Werkstatt zu stehen und entweder bei der Produktion zu helfen oder an den Maschinen zu schrauben. «Irgendwas gibt es immer zu verbessern. Und solange ich da bin, arbeite ich daran.» Ein Macher, eben.

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