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Der Globus kommt aus dem Norden

Bis anhin wusste man nichts über den Erbauer des weltbekannten St. Galler Erd- und Himmelsglobus. Doch seit ein Pergament in einer Oltner Brockenstube aufgetaucht ist, sind neue Ansichten auf die Herkunft möglich.
Bruno Knellwolf
Jost Schmid von der Zentralbibliothek Zürich mit dem Pergament. (Bild: Kn.)

Jost Schmid von der Zentralbibliothek Zürich mit dem Pergament. (Bild: Kn.)

Über 300 Jahre war dieses Pergament verschollen. Schliesslich landete es in einer Brockenstube der Heilsarmee in Olten, wo es ein Koch für ein paar Franken kaufte, wie die Ostschweiz am Sonntag gestern exklusiv berichtete. Dem Oltner gefiel das Bild, er hängte es an seine Bürowand, und bewahrte es nach einem Umzug im Estrich auf. Als er später im Fernsehen in der Tagesschau einen Bericht über den Kulturgüterstreit zwischen den Kantonen St. Gallen und Zürich sah, erinnerte er sich an sein Pergament aus der Brockenstube. Er erkannte den umstrittenen St. Galler Globus, dessen Original heute im Landesmuseum in Zürich steht und eine Kopie davon in der Stiftsbibliothek St. Gallen.

Beute aus der Stiftsbibliothek

Noch aber wusste er nicht, wie sensationell sein Fund war. Dank eines Historikers, der in seiner Nachbarschaft wohnte, gelangte das Pergament mit dem Erd- und Himmelsglobus im vergangenen Juni zu Jost Schmid, Leiter Abteilung Karten und Panoramen der Zentralbibliothek Zürich. Der aus Arbon stammende Geograph Schmid erkannte den immensen Wert des farbigen Pergaments schnell. Denn auf dessen Rückseite stand in Lateinisch, dass dieses Bild einst in der St. Galler Stiftsbibliothek aufbewahrt worden war. Im Laufe des Toggenburger Kriegs wurde der Erd- und Himmelsglobus im Jahr 1712 von den protestantischen Truppen aus Zürich erbeutet, so wie auch das nun entdeckte Pergament.

Nur noch drei grosse Globen

Der Sensationsfund aus der Brockenstube ermöglicht neue Ansichten über den historischen St. Galler Globus, die Jost Schmid vor zwei Wochen in einer wissenschaftlichen Publikation im Journal der «International Map Collectors' Society» veröffentlicht hat. Das Produkt eines anonymen Herstellers ist eines von nur drei grossen Globen aus dieser Periode, die nördlich der Alpen noch existieren. Der Historiker Franz Grenacher hatte 1961 bei der Restaurierung des St. Galler Globus die Rechnungsbücher des damaligen Fürstabts Bernhard Müller untersucht. Dabei hatte er festgestellt, dass dieser eine hohe Summe, 552 Gulden – den damaligen Wert von zwei Häusern – an einen Lucas Stöckli, Apotheker in Konstanz, bezahlt hatte. Dieser Stöckli war allerdings nicht der Erbauer, sondern nur ein Mittelsmann. Grenacher hatte vermutet, dass Stöckli den Globus aus Augsburg als Gabe der Familie Fugger bezogen hatte. Das nun entdeckte Pergament, das den Globus gleich nach seiner Erstellung zeigt, führt nun aber in eine andere Richtung.

Eine Art Verkaufsprospekt

Gemäss Jost Schmid war das Pergament eine Art Verkaufsprospekt, der vor 1595, also vor dem Erwerb durch den Fürstabt, gemalt worden war. Wäre der St. Galler Globus in Süddeutschland erbaut worden, hätte der Fürstabt sich das teure Stück selbst in der Nähe ansehen können. Der St. Galler Globus muss also weiter weg entstanden sein, worauf auch die auf dem Globus zu findenden Stadtbezeichnungen von Wittenberg und Rostock hindeuten. Vermutet wird, dass der Globus vom Herzog von Mecklenburg, Johann Albrecht I., in Auftrag gegeben worden war. Die Spur führt zu Tilemann Stella aus Schwerin, einem damals bekannten Erbauer von Globen, der dafür ein kaiserliches Privileg hatte.

Möglicherweise blieb Stella nach dem Tod des Herzogs auf dem exklusiven Globus sitzen und liess deshalb vom bekannten Dekormaler Peter Boeckel ein Bild erstellen, um sein Kunstwerk anderweitig verkaufen zu können. So zeichnete Boeckel jenes Pergament als Prospekt, der schliesslich mit dem Kauf des Globus im St. Galler Kloster landete und nach Jahrhunderten im Estrich des Kochs aus Olten.

Helpericus statt Archimedes

Dank des Pergaments ist es möglich zu erkennen, wie der St. Galler Globus ursprünglich ausgesehen hat. Denn auf dem Original wurden im Jahr 1595 in St. Gallen Bilder überklebt und übermalt. Meist mit wissenschaftlicher Prominenz aus der Bodenseeregion. Archimedes aus der Antike wurde mit dem St. Galler Mönch Helpericus übermalt. Zudem zeigt das Pergament, wie die Kurbel und der Zeiger ursprünglich ausgesehen haben. Nach Jost Schmid lässt sich nun klar sagen, dass der Globus zwischen 1571 und 1595 entstanden sein muss. Dies aufgrund der abgebildeten Seeschlacht von Lepanto, die im Jahr 1571 stattfand.

In den nächsten Monaten wird das Pergament restauriert und der Globus selbst radiographisch untersucht. Im November wird das historische Abbild des St. Galler Globus dann in einer Ausstellung in der Zentralbibliothek Zürich gezeigt.

Cornel Dora Leiter der Stiftsbibliothek St. Gallen (Bild: Benjamin Manser)

Cornel Dora Leiter der Stiftsbibliothek St. Gallen (Bild: Benjamin Manser)

Die von Zürich finanzierte Nachbildung des St. Galler Erd- und Himmelsglobus während der Montage in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

Die von Zürich finanzierte Nachbildung des St. Galler Erd- und Himmelsglobus während der Montage in der Stiftsbibliothek St. Gallen. (Bild: Urs Bucher)

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