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Der fremde Fötzel auf dem Bauernhof

Verpasste Chancen
Odilia Hiller

Eine Portion gesundes Misstrauen den Behörden gegenüber ist eine feine Sache. Der Staat macht gewiss nicht alles richtig. Das Schöne ist, dass es in Demokratien jeder und jedem freigestellt ist, zu allem eine eigene Meinung zu haben und es besser zu wissen. In der Schweiz wird dies bis in die hintersten Dörfer genüsslich zelebriert – am Stammtisch, beim Jassen, an Dorfversammlungen und im privaten Kreis.

Besonders gut haben es die Bauern. Sie werden vom Staat bevorzugt behandelt, erhalten als schützenswerte Spezies Direktzahlungen für den Verzicht auf benzinbetriebene Laubbläser, für das symmetrische Anordnen von Siloballen oder das freie Herumlaufen ihrer Hühner. Sind die Siloballen grün statt weiss, gibt es noch ein bisschen was obendrauf. Bestimmt ist das alles sehr gut begründet und die Unterstützung hochverdient. Schliesslich will die Schweizer Landwirtschaft erhalten und die schöne Landschaft gepflegt werden.

So er will, kann jeder von solchen Privilegien profitieren und mittels Konsultations- und Vernehmlassungsverfahren sowie Abstimmungen trotzdem zu allem Nein sagen, was ihm nicht zum unmittelbaren Vorteil gereicht. Zu einer Zusammenlegung der Ostschweizer Veterinärämter in ein Kompetenzzentrum beispielsweise, wie sie vor bald 20 Jahren zur Effizienzsteigerung und sinnvolleren Aufgabenteilung aufgegleist wurde. Zum Absturz kam die weit fortgeschrittene Idee nicht zuletzt, weil es aus Bauernkreisen Fundamentalopposition gab.

Der ehemalige Schweizer Bauernpräsident, der Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter, nennt das Problem die «grössere Distanz zu den überprüften Betrieben», welche ein überregionaler Veterinärdienst mit sich brächte. Übersetzt aus dem Politikerdeutsch heisst es: Gewisse Bauern würden lieber ins Gefängnis, als einen Tierarzt auf den Hof zu lassen, den sie nicht kennen. Und der, Gott bewahre, allenfalls aus einem anderen Kanton käme.

Diese Form des Lokalpatriotismus – andere nennen es Abschottung – ist ein Problem. Sie ist jedoch kein spezifisches Thurgauer Thema. Es gibt Bauern, die einen Tierarzt, der nach seinem Studium in Zürich mit einer Grosstierpraxis im Appenzellerland sein Glück versuchte, fast mit der Mistgabel verscheuchten, sobald er auch nur in die Nähe ihres Hofes kam. Obwohl er ein Appenzeller war. Sie kannten ihn einfach nicht.

Der fremde Fötzel räumte nach einiger Zeit resigniert das Feld und arbeitet heute wieder im Züribiet. Auf so etwas sollte im 21. Jahrhundert keiner stolz sein. Denn es bringt niemanden weiter – schon gar nicht die Ostschweiz.

Odilia Hiller
odilia.hiller@ostschweiz-am-sonntag.ch

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