Der flatterhafte Überraschungskandidat: Warum sich Zlatan Subasic zur Wahl in die St.Galler Regierung stellt

Die Gruppierung Parteifrei St.Gallen schickt einen 33-jährigen Studenten ins Rennen um einen Regierungssitz. Dieser zielt eigentlich auf ein anderes politisches Amt. 

Adrian Lemmenmeier
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«Wichtig ist, dass mich die Leute in diesem Wahlkampf kennen lernen.»  Zlatan Subasic kandidiert für die St.Galler Regierung.

«Wichtig ist, dass mich die Leute in diesem Wahlkampf kennen lernen.»  Zlatan Subasic kandidiert für die St.Galler Regierung.

Bild:PD

Mit diesem Namen hat niemand gerechnet: Zlatan Subasic. Der 33-jährige Student buhlt bei den Wahlen vom 8. März für Parteifrei St.Gallen um einen Sitz in der Kantonsregierung. Seine Kandidatur gehört in die Kategorie «chancenlose Aussenseiter». Denn der in Sarajevo geborene Stadtsanktgaller hat noch nie ein politisches Amt bekleidet und ist im Kanton vollkommen unbekannt. Über seine Siegesaussichten macht sich Subasic denn auch keine Illusionen: «Wichtig ist für mich, dass mich die Leute in diesem Wahlkampf kennen lernen.» Vielleicht, so Subasic, reiche es ja bei einer anderen Wahl für ein politisches Mandat.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Name Zlatan Subasic auf einem Wahlzettel auftaucht. 2008 kandidierte er, 22-jährig, für die SP für das St.Galler Stadtparlament. «Die Politik hat mich schon immer interessiert», sagt Subasic heute. Inzwischen hat der gelernte Kaufmann den Bachelor in Politikwissenschaften abgeschlossen. Derzeit absolviert er an der Universität Konstanz den Master «Osteuropa: Geschichte und Medien».

Von links nach rechts zu den Parteifreien

Subasics bisheriger politischer Werdegang gleicht einer Selbstfindungsreise. 2006 bis 2010 war er Mitglied der St.Galler SP. Dann verliess er die Partei, trat ihr 2016 wieder bei und gab im selben Jahr wieder den Austritt. 2019 wechselte er das politische Lager und wurde Mitglied der St.Galler SVP. Doch auch dort schien sich Subasic nicht aufgehoben zu fühlen; er beendete auch diese Mitgliedschaft wenige Monate nach dem Eintritt. Weshalb dieser aussergewöhnliche Wechsel vom linken zum rechten Rand des parteipolitischen Spektrums? Er habe etwas Neues ausprobieren wollen, sagt Subasic. Ausserdem teile er durchaus einige Ansichten der SVP. Welche Ansichten das sind, will der Überraschungskandidat allerdings nicht preisgeben. Auch in anderen Fragen gibt er sich für einen Regierungskandidaten ungewohnt zugeknöpft. So habe er zwar durchaus politische Vorbilder, wolle aber keine Namen nennen.

Das eigentliche Ziel ist das St.Galler Stadtparlament

Wofür also steht der Mann, der nach SP und SVP bei den Parteifreien seine politische Heimat gefunden hat? «Ich sehe mich weder links noch rechts, sondern in der Mitte», sagt Subasic. Konkret wolle er sich gegen Tierversuche einsetzen. Auch tiefere Krankenkassenprämien, bezahlbarer Wohnraum oder die medizinische Versorgung des Linthgebiets seien ihm ein Anliegen. Ebenso der Naturschutz.

Wer ihn kennt, beschreibt Zlatan Su­basic als einfühlsamen Politikfan, der sich viel Gedanken macht. Sowohl in der SP als auch in der SVP habe er sich allerdings nie besonders engagiert, heisst es aus Parteikreisen. Ein gewöhnliches Mitglied, nie stark ins Parteigeschehen involviert.

In seinem Wahlkampf will Subasic vor allem Flyer verteilen. Das Budget dazu beträgt 1000 Franken. In den Wind geschossen sei dieses Geld nicht. Denn Subasics eigentliches Ziel ist ihm zufolge nicht ein Sitz in der Kantons­regierung, sondern im St.Galler Stadtparlament. Der Student wird im Herbst also wieder auf kommunaler Ebene kandidieren. Wieder als Parteifreier. Mit besseren Chancen als 2008, so seine Hoffnung.