«Der Fernunterricht war manchmal ziemlich chaotisch»: Wie St.Galler Kantischüler die Rückkehr ins Klassenzimmer erlebt haben

Seit Montag dürfen Kantonsschüler den regulären Unterricht wieder besuchen. Dank des Fernunterrichts konnten Gymnasiasten, einige Wochen aus dem normalen Schulalltag ausbrechen – trotzdem sind viele froh, zurück im Klassenzimmer zu sein.

Henrike Hoppe, Remo Künzler
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Die Kantonsschule am Burggraben öffnet ab Montag wieder ihre Türen für alle Klassen.

Die Kantonsschule am Burggraben öffnet ab Montag wieder ihre Türen für alle Klassen.

Bild: Michel Canonica

Für die Mittelschülerinnen und Mittelschüler hat heute nach fast drei Monaten zu Hause der Präsenzunterricht in den Schulzimmern wieder begonnen. Eine ungewohnte Situation, da die Gymnasiasten während des Fernunterrichts neuen Schulstoff nur via Internet erhalten haben. So haben Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule am Burggraben in St.Gallen die Rückkehr in die Schulgänge erlebt:

«Beim Präsenzunterricht lernt man sicherlich mehr als zu Hause», sagt Kantischüler Noe.

«Beim Präsenzunterricht lernt man sicherlich mehr als zu Hause», sagt Kantischüler Noe.

Bild: Henrike Hoppe

Noe besucht zurzeit eine 2. Klasse der Kantonsschule am Burggraben. In seinen Augen hat der Fernunterricht über die Software «Teams» Vor- und Nachteile. «Auf der einen Seite konnte ich Hausaufgaben und Übungen selbst einteilen und erledigen, was anhand der Aufgabenstellung auch gut möglich war», sagt der 16-Jährige. Die einzige Schwierigkeit stelle die Selbstdisziplin dar, die aufgrund der gemütlichen Umstände zu Hause nur schwer aufzubringen war. Auch die Lernerfolge scheinen sich beim Online-Unterricht seltener einzustellen.

«Beim Präsenzunterricht lernt man sicherlich mehr als zu Hause.»

Angst vor einer «Prüfungswelle» hat er jedoch nicht. Einige Prüfungen wurden wegen der Pandemie nämlich auf nach die Sommerferien verschoben oder fallen gänzlich aus.

Auf Klassenkameraden gefreut

Die beiden 19-jährigen Schülerinnen Vivienne und Masha haben sich bei ihrer Rückkehr am meisten auf ihre Klassenkameraden gefreut. Masha sagt:

«Der Fernunterricht hatte vor allem den Vorteil, aus dem normalen Schulalltag ausbrechen zu können. Wir konnten unsere Tage selbständig einteilen und die Hausaufgaben dann machen, wann wir wollten.»

Dies hatte einen flexibleren Tagesablauf zur Folge. Vivienne erwähnt jedoch: «Der Präsenzunterricht ist allerdings viel hilfreicher, da der Schulstoff live einfach besser erklärt werden kann.» Beim Thema Schutzmassnahmen hat sich auch etwas geändert: «Die Klassen wurden aufgeteilt und die Tische müssen mindestens einen Meter voneinander entfernt sein», sagt Masha. Zudem dürften sich nur vier Schüler gleichzeitig auf der Toilette aufhalten. Vivienne ergänzt lachend: «Unsere Lehrerin sagte, dass immer jemand herumläuft, der die Schulgänge kontrolliert und man doch irgendwo warten soll, wo sich sonst niemand aufhält.»

«Ablenkung war grösser»

«Die Ablenkung durch digitale Medien war viel grösser», sagt Lorin, der die erste Klasse des Untergymnasium besucht.

«Die Ablenkung durch digitale Medien war viel grösser», sagt Lorin, der die erste Klasse des Untergymnasium besucht.

Bild: Remo Künzler
«Mir hat gefallen, dass ich meine Hausaufgaben selbst einteilen konnte», sagt Nils, der die erste Klasse des Untergymnasium besucht.

«Mir hat gefallen, dass ich meine Hausaufgaben selbst einteilen konnte», sagt Nils, der die erste Klasse des Untergymnasium besucht.

Bild: Remo Künzler

Lorin und Nils sind 13 Jahre alt und besuchen die erste Klasse des Untergymnasiums. Sie hatten bereits zwei Wochen vor dem heutigen Schulstart Unterricht in Halbklassen und dürfen jetzt wieder mit allen Klassenkameraden zusammenarbeiten. «Das Homeschooling war sicher anders. Wir hatten viel weniger Schule, mir hat aber gefallen, dass ich meine Hausaufgaben selbst einteilen konnte», sagt Nils. Für Lorin hatte der Fernunterricht aber auch einen Nachteil:

«Die Ablenkung durch digitale Medien war viel grösser.»

Für die beiden ist es zudem einfacher, den direkten Kontakt zu den Lehrpersonen zu haben. Durch die persönliche Kommunikation könnten Probleme und Fragen zu Übungen sofort geklärt und gemeinsam besprochen werden. Zudem wurde der Unterricht den Schutzmassnahmen angepasst. «Nach jeder Lektion muss gelüftet werden und der Unterricht findet immer im selben Zimmer statt. Die Lehrpersonen müssen also jeweils die Zimmer wechseln», sagt Nils. Und Lorin ergänzt: «Die Tische müssen immer nach den Lektionen desinfiziert werden.»

In der Schule viel einfacher

Auch der 15-jährige Leonardo ist gerne in seine Klasse zurückgekehrt. «Ich habe mich sehr gefreut, meine Klassenkameraden wieder zu sehen. Unsere Klasse war froh, wieder beisammen zu sein, und schon in der ersten Lektion musste uns der Lehrer bitten, leise zu sein», sagt er. Diesbezüglich seien alle Gewohnheiten gleich geblieben.

«Der Fernunterricht war manchmal ziemlich chaotisch, da jeder Lehrer ein anderes Kommunikationsmittel verwendete.»

«So haben wir die Aufgaben per Sharepoint, Mail oder über Teams zugeschickt bekommen», sagt er weiter. In der Schule sei es viel einfacher.

Maturafeier in kleinem Rahmen

«Ich bedauere, dass ich nie wieder mit meiner Klasse den Unterricht besuchen darf», sagt Annika, die kürzlich die Maturaprüfung abgelegt hat.

«Ich bedauere, dass ich nie wieder mit meiner Klasse den Unterricht besuchen darf», sagt Annika, die kürzlich die Maturaprüfung abgelegt hat.

Bild: Henrike Hoppe

Die 18-jährige Annika befindet sich bereits im Abschlussjahr. Ihre Mitschülerinnen und Mitschüler erlebten bei den Abschlussprüfungen besondere Umstände. So fielen etwa die mündlichen Prüfungen aus. Die vierten Klassen haben die Prüfungen kürzlich hinter sich gebracht und kehren nicht mehr in den normalen Schulalltag zurück. Sie sagt:

«Ich bedauere, dass ich nie wieder mit meiner Klasse den Unterricht besuchen darf.»

Der einzige verbliebene Programmpunkt ist die Maturafeier sein. «Die Maturafeier wird im kleineren Rahmen stattfinden. Es wird eine halbstündige Feier innerhalb der Klasse geben, wobei jede Person höchstens vier Angehörige mitbringen dürfen», sagt Annika. Auf die Frage, ob auch der Maturaball stattfinden kann, hat die Schülerin noch keine Antwort. Der Ball werde eventuell im Herbst nachgeholt.