Interview
«Der FC St.Gallen ist eine emotionale, persönliche Angelegenheit für mich»: Weshalb Ständerat Benedikt Würth in die Führungsriege der Espen wechselt

Der St.Galler Ständerat Benedikt Würth soll im Verwaltungsrat des FC St.Gallen Einsitz nehmen. Im Interview erklärt er, wie er diese Aufgabe mit seinen politischen und wirtschaftlichen Mandaten vereinbaren will. Und warum der Politiker plötzlich sportliches Terrain betritt.

Rossella Blattmann
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Das Ständeratsmandat ist nur eines von vielen Aufgaben des St. Galler Politikers Benedikt Würth.

Das Ständeratsmandat ist nur eines von vielen Aufgaben des St. Galler Politikers Benedikt Würth.

Peter Klaunzer / KEYSTONE

Sie hatten eine Zeit lang ein politisches Doppelmandat; Sie waren Regierungsrat und Ständerat gleichzeitig. Jetzt sind Sie Ständerat, haben schon vier Verwaltungsrats- und zwei Stiftungsratsmandate, und arbeiten nach wie vor als Konsulent in einer Kanzlei – wird Ihnen schnell langweilig?

Ich habe es jedenfalls gern, wenn etwas läuft. Spannende Aufgaben empfinde ich auch nicht als Stress. Ich arbeite 60 Prozent als Ständerat, 60 Prozent sind durch Aufgaben in Beratung und Unternehmen abgedeckt. Doch im Vergleich zu meinem früheren Berufsleben in Regierung oder Stadtpräsidium ist mein Alltag wesentlich entspannter.

Nun kommt ein weiteres Mandat hinzu: Sie ersetzen Stefan Wolf als Verwaltungsratsmitglied des FC St. Gallen. Wie kam es dazu?

Matthias Hüppi hatte mich Mitte September angerufen und die Anfrage gestellt. Nach einer Bedenkzeit und einem Gespräch mit dem Verwaltungsrat habe ich schliesslich zugesagt.

Warum haben Sie gezögert?

Es gab verschiedene Punkte abzuklären, insbesondere war mir auch das Vertrauen der Aktionäre wichtig. Es sind gerade schwierige Zeiten für den Fussball im Kontext mit Corona. Doch der FC St. Gallen liegt mir am Herzen. Dieses Engagement ist für mich auch gesellschaftlich wichtig.

Was bedeutet Ihnen der FC St. Gallen?

Ich bin in Mörschwil, also unweit des Espenmoos', aufgewachsen. Seit Kindsbeinen besuche ich regelmässig die Spiele des FC St. Gallen. Der FC St. Gallen ist eine emotionale, persönliche Angelegenheit für mich.

Lässt sich das VR-Mandat beim FCSG gut mit Ihrer restlichen Tätigkeit vereinbaren?

Ja. Der FCSG ist führungsmässig so aufgestellt, dass der Dreizack Präsident-Sportchef-Trainer im Zentrum ist. Der Verwaltungsrat konzentriert sich auf die strategischen Aufgaben. Das war mir wichtig und ist Teil des Erfolgsmodells des FCSG. Der zeitliche Aufwand lässt sich somit gut steuern.

Sie haben einige Mandate gesammelt. Besteht kein Interessenkonflikt mit Ihrer politischen Funktion als Ständerat?

Nein. Bei meinen Mandaten ist mir wichtig, dass sie einen Bezug zur Ostschweiz haben. Der FC St. Gallen ist ein solches Beispiel. Das lässt sich gut mit meiner Funktion als Ostschweizer Politiker vereinbaren. Anfragen von nationalen Verbänden habe ich allesamt abgelehnt, mit Ausnahme der Schweizerischen Vereinigung der AOP-IGP, welche sich um Schweizer Produkte mit geschützter Ursprungsbezeichnung kümmert – also beispielsweise die St. Galler Bratwurst und den Rheintaler Ribelmais.