Der FC Herisau gewinnt den Spitzenkampf in Tobel 5:1: So einseitig wie das Resultat ist die Partie lange nicht

Drittligist FC Herisau ist wie letzte Saison auf gutem Weg. Der Wiederaufstieg bleibt das Ziel.

Lukas Pfiffner
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Herisaus Mittelfeldspieler Cristian Tolino treibt den Ball vorwärts.

Herisaus Mittelfeldspieler Cristian Tolino treibt den Ball vorwärts.

Bild: Lukas Pfiffner

Seit dem Abstieg in die 3. Liga im Juni 2019 hat der FC Herisau 16 von 19 Partien gewonnen, zweimal Unentschieden gespielt und ein einziges Mal verloren (zu Beginn der laufenden Saison in Dussnang). Der Saisonabbruch wegen Corona dürfte im Frühling die Rückkehr in die 2. Liga verhindert haben. Nun ist die Mannschaft erneut auf gutem Weg: auf jenem zum Aufstieg oder wieder nur auf jenem zum inoffiziellen «Coronameister»-Titel?

Herisau behauptete sich im Spitzenkampf der Gruppe 4 auswärts gegen den Zweiten Tobel-Affeltrangen, hat in acht Partien 32 Tore geschossen und nur elf erhalten. Zum dritten Mal in Folge gelangen fünf Treffer. So eindeutig wie das Resultat waren die Verhältnisse am Samstag allerdings lange nicht.

Turbulenzen nach der Pause

Die Verteidigung der Tabellenführung basierte zunächst weniger auf spielerischer Leichtigkeit denn auf harter Arbeit. Und heikle Momente gab es für die Ausserrhoder mehrere. Da war der selten frühe Rückstand, als dem aufgerückten Zweifel reichlich Raum zugestanden wurde. Das 0:1 korrigierte Ehrbar zwar aus kurzer Distanz schon in der 11. Minute. Aber drei Minuten später lenkte Flück einen Ball auf Herisaus Tor, Rosenfelder klärte auf (oder hinter?) der Linie.

Kurz vor der Pause ging der Gast nach idealem Zuspiel des wirkungsvollen Ehrbars in die Tiefe durch Yildirim in Führung, was aber keine Ruhe brachte. Höhepunkt der Turbulenzen war die Phase zwischen der 49. und 53. Minute. Herisaus Bischof sah einen Foulpenalty von Meienberger gehalten. Praktisch im Gegenzug hätte der Schiedsrichter auf Regelwidrigkeit des Herisauer Torhüters statt auf Stürmerfoul entscheiden können. Der Elfmeter für Tobel kam doch noch – Bischof hatte Manz zu Fall gebracht, Flück setzte den Ball weit über das Tor.

Tobel zunehmend entblösst

«Die Partie war lange offen. Erst nach etwa einer Stunde konnten wir das Spiel an uns reissen», blickte Herisaus Trainer Domenico Troccoli zurück. Gavrilovics Befreiung aus rund 60 Metern trug fast einen Treffer ein. Gegen eine zunehmend entblösste Abwehr der Thurgauer verschafften sich die Herisauer nun fast im Minutentakt Konterchancen. Ehrbar spielte einmal quer, statt zu schiessen, Bischof schoss daneben, Yildirim zu hoch. Die Entscheidung fiel nach einem Vorstoss Kurzbauers auf der rechten Seite und einer Hereingabe Ehrbars mit dem 3:1 durch Yildirim. Wieder Ehrbar leistete die Vorarbeit zu Lopretes 4:1, und Kurzbauers Weitschuss flog wunderbar hoch in die Ecke zum 5:1.

Ein Routinier im Zentrum

Bei allem jugendlichen Offensivdrang ist in diesem Herisauer Team mit den zahlreichen 19- bis 22-Jährigen der zentrale Verteidiger Marko Susic (Jahrgang 1989) wohl der wichtigste Einzelspieler. Sein Stellungsspiel und seine Dominanz im Abfangen von Bällen beeindruckten im Spitzenspiel. Und die weiten Vorlagen aus der eigenen Zone heraus halfen über jene Momente hinweg, in denen spielerisch das Umschalten nicht wunschgemäss gelang.

Die Thurgauer brachten den Gast im Mittelfeld und über die Seiten mit wirbligen Aktionen ihrer flinken Angreifer lange in Schwierigkeiten. Die Herisauer wirkten physisch und konditionell etwas stärker und verdienten sich den Sieg in der letzten halben Stunde.

Zahlen und Fakten zum Spiel

Telegramm

Tobel – Herisau 1:5 (1:2)
Tore: 2. Zweifel 1:0. 8. Ehrbar 1:1. 40. Yildirim 1:2. 70. Yildirim 1:3. 78. Loprete 1:4. 84. Kurzbauer 1:5.
Herisau: Rosenfelder; Dautaj (21. Thönig), Susic, Gavrilovic; Kurzbauer, Tolino (83. Mihajlovic), Gomes (54. Müller), Bischof, Uemit (82. Huber); Ehrbar (85. Wanner), Yildirim (72. Loprete).
Bemerkungen: Verwarnungen: 53. Uemit (Reklamieren) und 59. Müller (Foul). 49. Bischof vergibt Penalty, 53. Flück vergibt Penalty.