«Der Fall gibt Rätsel auf»

ST.GALLEN. Ein Vater aus Eritrea und seine Tochter sind seit 15 Tagen verschwunden. Die Stadtpolizei St.Gallen tappt im Dunkeln. Doch der Fall könnte unkomplizierter sein als vermutet.

Tim Naef
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Vermisst: Yohans Tekle Haile und seine Tochter Bethlehem Yohannes. (Bild: Stapo SG)

Vermisst: Yohans Tekle Haile und seine Tochter Bethlehem Yohannes. (Bild: Stapo SG)

Von Yohans Tekle Haile und seiner Tochter Bethlehem Yohannes fehlt jede Spur. Der 31jährige Eritreer und seine Tochter werden seit 15 Tagen vermisst (Ausgabe vom 7. Februar). Gegen Mittag des 28. Januars verliess die 27jährige Mutter die gemeinsame Wohnung in St. Gallen. Seither hat sie die beiden nicht mehr gesehen.

Polizei tappt im Dunkeln

«Der Fall gibt Rätsel auf», sagt Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St. Gallen. «Der Vater war erst Anfang des Jahres nach St. Gallen gekommen. Er war gerade dabei, sich in St. Gallen anzumelden.» Die Mutter lebt bereits seit vier Jahren in der Schweiz und geht einer geregelten Arbeit nach; die Tochter durfte 2012 in die Schweiz nachkommen.

Laut Angaben der 27-Jährigen waren die Familienverhältnisse gut. Sowohl zwischen den Ehepartnern als auch zwischen Vater und Tochter. «Die Mutter geht von keiner Gefährdung der Tochter seitens des Vaters aus», sagt Widmer. Und da es sich um den Erziehungsberechtigten handelt, geht auch die St. Galler Staatsanwaltschaft von einem Vermisstenfall und nicht von einer möglichen Entführung aus.

«Vielleicht ein wenig anders»

Für Toni Locher, Präsident des Schweizerischen Unterstützungskomitees für Eritrea, könnte sich der Fall so abgespielt haben: «Es gab einen ähnlichen Fall in Luzern vor drei Jahren. Im nachhinein stellte sich heraus, dass die gesuchten Personen in ein anderes Land weitergereist sind.» Locher sagt weiter: «Vielleicht war die Situation in der Familie doch ein wenig anders als von der Mutter beschrieben. Da es keinen Hinweis auf ein Gewaltverbrechen gibt, kann ich mir gut vorstellen, dass der Vater seine Tochter genommen hat und zu Verwandten irgendwo in Europa gezogen ist.»

Die Polizei hingegen hält sich mit Vermutungen zurück: «Zwar gehen wir vereinzelten Hinweisen aus der Bevölkerung nach, doch bisher gibt es keine neuen Erkenntnisse», sagt Dionys Widmer. «Aussagen über den Verbleib der Vermissten sind reine Spekulation.»

Die Mutter selbst sei in grosser Sorge um das Wohlergehen ihrer Tochter und ihres Ehemanns. Ihr sei psychologische Betreuung angeboten worden, die sie aber nicht in Anspruch nehmen wollte. Doch laut Widmer stehe die Stadtpolizei St. Gallen in ständigem Kontakt mit der Frau. Zum einen, um zu schauen, wie es ihr gehe, und zum anderen, um sich zu informieren, ob sich der Ehemann bei ihr gemeldet habe.

Erster Fall in St. Gallen

Obschon die Polizei keine neuen Erkenntnisse vorweisen kann, läuft die Suche auf Hochtouren. «Nebst den eingegangenen Hinweisen aus der Bevölkerung haben wir die gesuchten Personen ausgeschrieben», sagt Widmer. Es sei deshalb schwierig, weil bis dato kein ähnlicher Fall im Kanton St. Gallen aufgetreten sei, heisst es bei der Stadt- und der Kantonspolizei.

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