Der Expo-Träumer

Die Ostschweizer Kantone liebäugeln mit einer Expo Ostschweiz. Das freut ganz besonders einen Mann: Urs Bangerter ist seit über vierzig Jahren von der Idee beseelt.

Regula Weik
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Urs Bangerter ist begeistert von der Idee einer Landi Ostschweiz. (Bild: Benjamin Manser)

Urs Bangerter ist begeistert von der Idee einer Landi Ostschweiz. (Bild: Benjamin Manser)

1964 fuhr er mit einem Freund an die Landesausstellung nach Lausanne. Seither hat die Idee Urs Bangerter nicht mehr losgelassen – eine Landi Ostschweiz soll es sein. Denn hier, im Osten der Schweiz, sind seine Wurzeln. In St. Gallen wuchs er auf, hier arbeitete er, hier hat er ein Ferienhaus auf den Appenzeller Hügeln, seine Frau ist Urnäscherin. Obwohl heute in Horgen daheim, liegt ihm die Ostschweiz am Herzen – und hat ihn die Idee einer Landesausstellung in der Ostschweiz nie mehr losgelassen. Erst recht nicht nach der Expo.02 – was die Romandie zustande brachte, müsste die Ostschweiz doch auch schaffen. «Allerdings mit einem ganz anderen Ansatz», wie Bangerter schnell hinzufügt. Seine Vision: eine Landi Ostschweiz ohne Rückbau, ohne Abbruch.

Nichts aufstellen

Erst sei sein Ansatz nur «ein Geplänkel» gewesen, «eine wenig konkrete Idee». Doch dann, nach der Expo.02, habe er sich intensiviert – nicht zuletzt nach all den Diskussionen und Widerständen im Vorfeld der letzten Expo, erst recht aber nach jenen danach. «Auch das Abbrechen und Aufräumen verschlang Millionen», sagt Bangerter. Er ist überzeugt: Eine Landi Ostschweiz darf keine Ausstellung sein – keine zweite Expo.02 und auch keine überdimensionierte Olma. «Die Ostschweiz verfügt über genügend Sehenswürdigkeiten. Und über tausend Ideen zwischen Bodensee und Säntis. Für eine Landi Ostschweiz muss nichts künstlich aufgestellt werden.»

Winkeln als Tor zur Landi?

Bangerter hat Bahnlinien, Bergbahnen, Klöster, Erker, moderne Architektur, Landschaften, See, Hügel studiert. Er hat Linien gezogen. Er hat geographische und thematische Verbindungen hergestellt. Und er ist über all seinen Ideen, Skizzen und Plänen zum Schluss gelangt: «Im Herzen der Ostschweiz, im Schnittpunkt der vier Himmelsrichtungen, im Zentrum der schönsten Landschaften liegt ... die AFG Arena.» Kein allzu attraktives Aushängeschild? «Die Stadt St. Gallen liegt im Zentrum der Ostschweiz, ist mit Bahn und Strassen gut erschlossen», entgegnet er, «und Winkeln könnte das Tor zur nächsten Landesausstellung werden.» Von Winkeln aus schwebt Bangerter ein Rundkurs durch das Appenzellerland, ein weiterer durch den Thurgau vor. Dabei ist ihm klar: «Es müsste einiges Geld in die Hand genommen werden, um die nötige Infrastruktur zu schaffen oder die vorhandene zu verbessern – aber: Alles bleibt nach Ausstellungsende stehen. Es gibt keine Abbrucharbeiten.»

Aufbruchstimmung

Wer mit Bangerter spricht, spürt rasch: Es geht ihm um mehr als «nur» um eine Landesausstellung in der Ostschweiz. Es geht ihm um die Ostschweiz als solche – um deren Identität, um deren Selbstverständnis und um «eine Aufbruchstimmung, welche eine Landesausstellung auslösen könnte». Und um Herzblut.

Neuer Schwung

Gibt es die Ostschweiz, eine Ostschweizer Identität denn über- haupt? Bangerter ist überzeugt: Allein die ernsthafte und konkrete Auseinandersetzung mit der Idee einer Landesausstellung in der Ostschweiz könne etwas bewegen – «da bricht etwas auf, da kommt etwas in Schwung – und schafft Identität». Immer nur von einer Ostschweizer Identität zu träumen oder deren Nichtvorhandensein zu bedauern, nütze nichts. «Man muss auch etwas dafür tun.»

Das haben sich vergangene Woche wohl auch die Ostschweizer Kantone gesagt – und die Idee einer Expo Ostschweiz neu lanciert. St. Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden haben eine Absichtserklärung unterzeichnet; sie wollen mit den Vorarbeiten für eine Landesausstellung 2027 Ernst machen. Die ersten Entscheide zum weiteren Vorgehen sollen bis Ende 2012 fallen. Appenzell Innerrhoden, Glarus und Schaffhausen haben ihre ideelle Unterstützung zugesagt; vergangenen Sommer noch hatten Innerrhoden und Schaffhausen der Kerngruppe angehört.

Konkrete Pläne für eine Expo Ostschweiz gibt es noch nicht. Klar ist: Die «Expo Bodensee-Ostschweiz» – so der Arbeitstitel – würde sich dezentral zwischen Bodensee, Rhein, voralpiner Hügellandschaft und Alpstein abspielen. Allenfalls werden die Nachbarn einbezogen, das Fürstentum Liechtenstein, Vorarlberg, Bayern, Baden-Württemberg.

Ein Signal an die übrige Schweiz

Früher, schaut Pensionär Bangerter zurück, habe es in der Ostschweiz auch grosse Würfe gegeben, die Universität St. Gallen oder das Theater St. Gallen. Damals Entscheide, die über die Region ausgestrahlt hätten. Ein Ereignis von nationaler oder gar internationaler Ausstrahlung täte der Ostschweiz auch heute gut – eine Landi Ostschweiz dürfe daher «keine abgeschlossene Nabelschau» sein, sondern ein Signal, dass die Ostschweiz offen und die restliche Schweiz in der Ostschweiz willkommen sei.