Der Expo-Macher

Er war der Spiritus Rector hinter der Expo.02. Die «Bilanz» beschreibt ihn als «internationalen Globetrotter in Sachen Kultur». Martin Heller ist einer der herausragendsten Kulturunternehmer und Kuratoren der Schweiz. Und hat nun auch seine Finger bei der Expo Bodensee-Ostschweiz im Spiel.

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Martin Heller will «möglichst gute Vorarbeit» für die Expo Bodensee Ostschweiz. (Bild: Markus Bertschi)

Martin Heller will «möglichst gute Vorarbeit» für die Expo Bodensee Ostschweiz. (Bild: Markus Bertschi)

Er war der Spiritus Rector hinter der Expo.02. Die «Bilanz» beschreibt ihn als «internationalen Globetrotter in Sachen Kultur». Martin Heller ist einer der herausragendsten Kulturunternehmer und Kuratoren der Schweiz. Seit ein paar Wochen ist bekannt: Der gebürtige Basler wird auch bei der Expo Bodensee-Ostschweiz 2027 seine Finger im Spiel haben. Als Mitglied der Arbeitsgemeinschaft HFF (Heller, Frei, Fürer) soll der 60-Jährige, zusammen mit Reinhard Frei und Simon Ulrich, den Ideenwettbewerb zuerst aufgleisen und später durchführen. «Wir werden die Expo 2027 nicht durchführen, aber möglichst gute Vorarbeit leisten», sagt Heller im Gespräch.

Vom Museum zur Expo.02

Martin Heller wächst in Basel auf und absolviert nach der Matura eine Ausbildung zum Zeichenlehrer. Später studiert er an der Universität am Rheinknie Kunstgeschichte, Ethnologie und Europäische Volkskunde, parallel dazu kuratiert er erste Ausstellungen. 1986 wird Heller Kurator am Zürcher Museum für Gestaltung, vier Jahre später übernimmt er dessen Direktion, 1997 auch die des Museums Bellerive. Als Gastdozent leitet er zahlreiche Lehrveranstaltungen, unter anderem in Karlsruhe, Zürich, Bern und Wien. Heute wohnt der zweifache Vater in Zürich und Berlin.

Kurz vor der Jahrtausendwende, im Jahr 1998, engagiert die Expo.02 Heller als künstlerischen Direktor. Er übernimmt die Verantwortung für Inhalt und Form der Ausstellung. Heller beschreibt die damalige Zeit als «unglaublich intensiv und lehrreich». Er habe eine «schweizerische Vielfalt entdeckt, die man sonst nicht wahrnimmt». Für ihn war die Expo das erste wirkliche Grossprojekt, ein «Erfolgserlebnis» durch und durch. Erst kürzlich habe sich jemand bei ihm für seine Arbeit bedankt. Das zeige, wie unvergesslich die Expo für viele Besucher gewesen sei.

Doch bloss rosig war es nicht. 2009 sagt Heller in einem Interview, ihm hätte ein «brutaler Wind» entgegengeblasen. «Expo-Bashing wurde zum Volkssport», sagt der Kurator heute noch. Mit der technischen Direktorin Nelly Wenger wurde die Zusammenarbeit, je näher die Expo.02 rückte, desto schwieriger. «Doch das Positive überwiegt.»

Im Leitbild seiner 2003 gegründeten Firma wird «Kultur als Ressource für gesellschaftliche Entwicklungen» bezeichnet. In diesem Sinne soll auch die Expo 2027 verstanden werden: Nachhaltigkeit steht an erster Stelle. Heller wird für die Expo 2027 «ein Brückenbauer mit künstlerischen sowie projektsteuernden Funktionen» sein. Über die Herausforderung, mit richtigem Management inhaltliche Qualität zu erreichen, bietet er nächstes Semester ein Atelier an der Universität St. Gallen an. «Durch meine Arbeit an diversen Grossprojekten bin ich es gewohnt, Prozesse ganzheitlich zu betrachten.» Das Trio der Arbeitsgemeinschaft greife auf einen grossen Erfahrungsschatz zurück: Auch Reinhard Frei war an der letzten Expo beteiligt. «Es wäre doch schade, würden wir dieses Wissen nicht weitergeben.».

Heller mag es leidenschaftlich

Von 2005 bis 2010 war Heller Intendant der europäischen Kulturhauptstadt Linz 2009. Österreichische Journalisten haben sein Programm als elitär beschimpft, andere als pubertär. «Können die sich mal entscheiden?», fragt Heller im Jahr 2008 gegenüber dem Magazin «Der Spiegel».

Der Kurator gibt sich gewohnt lässig. Dem Spiegel sagt er auch, er sei ständig auf der Suche nach «Radikalität, Leidenschaft und Getriebenheit.» Diese Meinung vertritt er auch vier Jahre später noch: «Ohne dies wäre das Leben doch langweilig!»

Janique Weder