Der erste Vorstoss kam von einem Pfarrer

Vor zwanzig Jahren Am 1. Oktober 1996 wurde in der Schweiz der Zivildienst eingeführt. Bemühungen, den Militärdienstverweigerern – damals hiessen sie noch «Fahnenflüchtige» – einen friedlichen Ersatzdienst zu ermöglichen, gab es bereits vor über hundert Jahren.

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Vor zwanzig Jahren Am 1. Oktober 1996 wurde in der Schweiz der Zivildienst eingeführt. Bemühungen, den Militärdienstverweigerern – damals hiessen sie noch «Fahnenflüchtige» – einen friedlichen Ersatzdienst zu ermöglichen, gab es bereits vor über hundert Jahren. 1903 reichte ein Pfarrer eine erfolglose erste Petition dazu ein, 1923 folgte eine zweite, religiös-sozialistische. Erfolg hatte – nach mehreren an der Urne gescheiterten Initiativen – die sogenannte Barras-Reform, die 1991 von 56 Prozent der Stimmbürger angenommen wurde. Ethisch-religiös motivierte Verweigerer, die den «Nachweis schwerer Gewissensnot» erbringen konnten, wurden nicht mehr zu Gefängnisstrafen verurteilt, sondern konnten als Strafe einen Arbeitseinsatz leisten. An ihrem Strafregistereintrag änderte dies vorerst nichts: Verweigerer mussten weiterhin vor der Militärjustiz erscheinen.

Ein Jahr später, am 17. Mai 1992, befürwortete das Stimmvolk mit 82,5 Prozent die Einführung eines Zivildienstes. Das Gesetz trat viereinhalb Jahre später in Kraft und die ersten Zivildienstleistenden konnten ihren Dienst antreten. Mit dem Gesetz wurden auch die Kompetenzen verschoben: Nun entschied nicht mehr die Militärjustiz, sondern eine zivile Kommission über das Vorliegen eines Gewissenskonfliktes. In den ersten 15 Monaten reichten 2500 Männer ein Zulassungsgesuch ein. Diese «Gewissensprüfung» wurde erst 2009 abgeschafft und die Zahl der Gesuche für Zivildienst stieg auf 7200 an. Heute sind es etwa 6500 jährlich, 5500 davon werden auch bewilligt. Bemühungen, den Zivildienst wieder unattraktiver zu machen, gibt es laufend – vor allem mit dem Argument, die Armee verliere sonst ihre Wehrpflichtigen. 2015 leisteten 18 223 Personen 1,62 Millionen Diensttage. Weiterhin dauert der Dienst das 1,5fache des Wehrdienstes, derzeit sind das 390 Tage. (sib)