Der erste Knatsch für Bruno Damann — Der neue St.Galler Gesundheitschef düpiert die Sozialdemokraten

Der künftige St. Galler Gesundheitschef Bruno Damann nimmt seinen Generalsekretär ins neue Departement mit. Der bisherige Amtsinhaber muss gehen.

Regula Weik
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Bruno Damann, ab Juni neuer St.Galler Gesundheitschef.

Bruno Damann, ab Juni neuer St.Galler Gesundheitschef.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Die St. Galler SP ist empört. Sie spricht von «amerikanischen Verhältnissen», von «einem veritablen Fehlstart» des neuen Gesundheitsdirektors und von «einem parteipolitisch geprägten Personalentscheid». Was ist geschehen? Womit hat der neue St. Galler Gesundheitschef Bruno Damann bereits vor seinem Amtsantritt die Linken dermassen verärgert?

Donat Ledergerber, bisheriger Generalsekretär im St.Galler Gesundheitsdepartement

Donat Ledergerber, bisheriger Generalsekretär im St.Galler Gesundheitsdepartement

Auslöser ist eine Medienmitteilung der Staatskanzlei kurz vor Auffahrt. Daraus geht hervor: Damann will nicht mit dem bisherigen Generalsekretär des Gesundheitsdepartements Donat Ledergerber zusammenarbeiten. Es sei sein Wunsch, sein Team neu aufzustellen. Weiter heisst es:

«Der bisherige Generalsekretär
Donat Ledergerber möchte sich
diesem Wunsch nicht
entgegenstellen.»

Er werde deshalb das Departement per Ende Mai «im Rahmen einer einvernehmlichen Regelung» verlassen. Auskünfte, wie diese konkret ausschaut, gibt es nicht.

«Das ist eine Abstrafaktion»

Ledergerber führt seit fünf Jahren das Generalsekretariat von Gesundheitschefin Heidi Hanselmann (SP), die in gut einer Woche zurücktritt. Davor hatte er als Schulleiter gearbeitet und für die SP im Kantonsparlament politisiert.

Max Lemmenmeier, Präsident der St.Galler SP

Max Lemmenmeier, Präsident der St.Galler SP


Ledergerber werde «abgestraft dafür, dass er für eine SP-Frau tätig und ihr gegenüber loyal war», sagt SP-Parteipräsident Max Lemmenmeier. Für ihn ist Damanns Entscheid ganz klar eine «Abstrafaktion». Die umgehende Auswechslung des Generalsekretärs habe im Kanton St. Gallen «keine Tradition» – und das sei auch gut und sinnvoll. Durch diese forcierte Neubesetzung an der Verwaltungsspitze würden «fundiertes Wissen und langjährige Erfahrungen» vernichtet und das Departement «nachhaltig geschwächt», ist Lemmenmeier überzeugt. Und weiter:

«Mit dem Weggang des bisherigen Generalsekretärs kumuliert sich
der Wissensverlust im Gesundheitsdepartement.»

Es gebe keine weiteren Auskünfte zum Ausscheiden Ledergerbers, lässt der Kanton in der Zwischenzeit ausrichten. Das öffnet Tür und Tor für Spekulationen. Nimmt Damann seinen Generalsekretär aus dem Volkswirtschaftsdepartement mit? Wird die Stelle ausgeschrieben? Oder rückt Ledergerbers Vize nach?

«Es wurde Stillschweigen vereinbart»

Gildo Da Ros, neuer Generalsekretär im St.Galler Gesundheitsdepartement

Gildo Da Ros, neuer Generalsekretär im St.Galler Gesundheitsdepartement

Zwei Stunden Rätselraten, dann folgt die zweite Medienmitteilung – und bringt Klärung. Nachfolger von Ledergerber wird Gildo Da Ros. Der 51-Jährige ist seit 2011 Generalsekretär im Volkswirtschaftsdepartement, zuerst unter Benedikt Würth, zuletzt unter Damann. Da Ros wechselt also mit seinem Chef ins Gesundheitsdepartement.

Damann äussert sich auf Anfrage nicht zu den Gründen, die zu Ledergerbers Abgang geführt haben. Er sagt:

«Es wurde Stillschweigen
vereinbart.»

Spielte die Parteifarbe eine Rolle? «Ich kann dazu nichts sagen. Wie bereits erwähnt: Es wurde Stillschweigen vereinbart.» Ist die Befürchtung, es gehe viel Wissen im Gesundheitsdepartement verloren, berechtigt? «Jeder Neustart hat einen gewissen Wissensverlust zur Folge.» Hat er kein schlechtes Gewissen, den Generalsekretär seines heutigen Departements abzuzügeln? «Das ist auch eine Chance für den neuen Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner.»

War es für ihn von Beginn weg klar, dass er Da Ros mitnimmt? «Wir haben vier Jahre gut zusammengearbeitet. Es ist mir wichtig, eine Vertrauensperson an der Seite zu haben. Jemand, der in die gleiche Richtung zieht wie ich.»

Und mit Blick auf seine früheren Tätigkeiten als Arzt und Sportarzt des FC St. Gallen fügt Damann an: «Wenn ein Cheftrainer wechselt, nimmt er im Normalfall den Assistenztrainer mit. Wenn ein Chefarzt wechselt, gehen häufig Leitende Ärzte mit.» Und so nimmt Damann nun Da Ros mit.