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Der Dialekt bleibt im Kindergarten

Reden, wie der Schnabel gewachsen ist: Die Mundart soll in Kindergarten und Schule stärker gefördert werden. Dies fordern Initianten im In- und Ausland. Im Kanton St. Gallen stösst die Forderung auf wenig Verständnis.
Noémi Heule
Spielerisch sollen die St. Galler Kindergärtner ans Hochdeutsche herangeführt werden. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

Spielerisch sollen die St. Galler Kindergärtner ans Hochdeutsche herangeführt werden. (Bild: ky/Gaëtan Bally)

ST. GALLEN. «Hörnchen» statt «Kipferl», «Tasse» statt «Häferl»: Österreichische Mundart-Ausdrücke würden zunehmend von der Standardsprache verdrängt, befürchtet die Österreichische Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Sie verlangt, dass das österreichische Deutsch in der Schule als «eigenständige und gleichberechtigte Varietät der deutschen Standardsprache» vermittelt wird.

Das Anliegen findet auch in der Schweiz Beachtung – und viele Sympathisanten. Die Diskussion rund um das Schweizerdeutsch tobt hierzulande seit Jahren. Insbesondere die Frage, welche Sprache im Kindergarten vermittelt wird, beschäftigt Volk und Gesetzgeber. Vor rund drei Wochen befürwortete das Aargauer Stimmvolk eine Initiative, welche Mundart als alleinige Unterrichtssprache im Chindsgi festsetzt. Die Zürcher stimmten diesem Anliegen bereits vor drei Jahren zu.

Ein Drittel Hochdeutsch

«In St. Gallen besteht kein Handlungsbedarf», sagt Rolf Rimensberger, Leiter des Amtes für Volksschule, auf Anfrage. Die heutige Regelung habe sich bewährt. Diese legt Mundart als Umgangssprache fest, wobei die Kindergärtler langsam und spielerisch ans Hochdeutsche herangeführt werden sollen – beispielsweise durch Verse, Spiele oder Lieder.

«In der Praxis hat sich ein funktionaler Sprachgebrauch durchgesetzt», bestätigt Erwin Beck, Rektor der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. «Je nach Situation entscheiden die Lehrpersonen, welche Variante angemessen ist.» Seine Faustregel für angehende Kindergärtler lautet deshalb: Je ein Drittel der Zeit soll Mundart und Hochdeutsch gesprochen werden, der Rest sei frei zu gestalten.

Wie in vielen anderen Kantonen entstand die Regelung zur Unterrichtssprache als Konsequenz der Pisa-Studie 2003. Damals schnitten Schweizer Schüler im Lesen schlechter ab als der nördliche Nachbar. Dieses Manko sollte mit der Einführung von Frühdeutsch behoben werden. Auch die Kantone Thurgau und Appenzell Ausserrhoden reagierten mit ähnlichen Normen.

Auf der Kindergartenstufe wieder ausschliesslich Dialekt zu sprechen, bezeichnet Beck denn auch als «Rückschritt». Für die Kinder sei es eine Chance, der Standardsprache bereits im Kindergarten zu begegnen. «Kinder kennen keine Berührungsängste und können problemlos zwischen Mundart und Hochdeutsch hin und her wechseln», sagt er. Hochdeutsch als alleinige Unterrichtssprache sei auf dieser Stufe aber ebenfalls nicht angemessen. «Der Wechsel ist ideal.»

Mundart als Kulturgut

Für Beck bleibt Mundart ausschliesslich Umgangssprache. Diese aktiv zu lehren, habe keinen Sinn: «Das Schweizerdeutsch ist eine gelebte Sprache ohne festgesetzte Regeln oder Grammatik», sagt er. Es sei zudem ein Irrglaube, zu meinen, die Schule allein könne dialektale Ausdrücke vor dem Verschwinden bewahren. «Die Sprache wird von der Gesellschaft getragen, nicht von der Schule.»

Auch Rimensberger hält es nicht für nötig, die Förderung des Schweizerdeutschen gesetzlich festzuhalten: «Die Mundart als Kulturgut soll weiterhin gefördert werden. Dies sei jedoch selbstverständlich und wurde deshalb nicht explizit reglementiert, sagt er. Auch im Deutschunterricht der Primarstufe sollen Schweizer Eigenarten berücksichtigt werden. In Schweizer Schulzimmern heisse es deshalb nicht «Gehsteig» oder «Frühstück» – sondern «Trottoir» und «Morgenessen».

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